Schlagwörter: Winter Kommentarverlauf ein-/ausschalten | Tastaturkürzel

  • egot24 13:45 am 14. November 2012 Permalink | Antworten
    Tags: Antholz, Biathlon, Brauhaus Kneitinger, , Regensburg, Winter   

    Antholz, Axel und der Müll – eine exotische Reise in den Wintersport 

    Es war wohl im Jahre 1990, ganz sicher aber im Winter, als ich eine Postkarte von Axel erhielt. Axel, ein sehr eigener Mensch, der es sogar fertigbrachte, mit frisch gekauften Turnschuhen einen Marathon zu versuchen, der mit einer Fackel nachts um dir Krumme Lanke in Berlin lief, dieser Axel hatte mir in seiner nicht sehr alltäglichen Art eine Postkarte gesandt mit dem Hinweis auf den demnächst stattfindenden Biathlon in Antholz (landessprachlich Anterselva, Norditalien) und seinen Wunsch geäußert, dort doch einmal in seinem Leben dabei sein zu können.
    Es gelang mir, aus Frankfurt am Main ihn in Regensburg telefonisch zu erreichen und wir machten aus, dass wir gemeinsam nach Antholz fahren wollten. Er solle sich dann und dann bereithalten, gepackt haben, denn ich wollte ihn für drei Tage Antholz einladen. (Er war derzeit joblos – also auch zeitlos abkömmlich).
    Ich hatte in der Pension Gruber in Antholz-Niedertal zwei Einzelzimmer bestellt, meinen Mercedes gesattelt und brauste früh nach Regensburg. Abends wollten wir in Antholz sein. Zum ersten Male sah ich seine Einzimmerwohnung in einem Hochhauskomplex. Karg eingerichtet. Er  meinte, er müsse noch etwas erledigen, er wäre erst abends fertig und wir könnten ja die Nacht noch bei ihm übernachten und am nächsten  Morgen fahren. Meine Erwähnung, ich hätte bereits das Hotel bestellt, überging er mit seinem Lächeln. Ich wartete im Kneitinger, dem berühmten Brauhaus mit riesigem, bayrischem Gasthof, bis er seine Erledigung vollbracht hatte. Wir tranken noch ein Bier, spielten eine Partie Schach und dann durfte ich auf einer Gästematratze schlafen.
    Am nächsten Morgen hatte er wieder eine Erledigung vor und ich frühstückte in einem Café.
    Als er dann endlich kam, luden wir seine Sachen ein. Etwas ungewöhnlich – wie alles bei unserem Freund – hatte er statt eines Koffers zwei blaue Müllsäcke bereit, in der seine Dinge verwahrt waren. Die verstauten wir im Kofferraum. Etwas wunderte mich, dass er zu einem dünnen hellblauen Hemd, einem Jackett und einer Stoffhose lediglich normale Straßenschuhe anhatte – fuhren wir doch in ein Wintersportgebiet.
    Schnell waren wir in Antholz. Dort herrschte tiefer Winter, die Straßen waren zwar schneebefreit, doch es war mächtig kalt. Wir checkten spät nachmittags in der Pension ein, die ich vorher von unserer verspäteten Ankunft unterrichtet hatte. Wir bezogen unsere Zimmer, er mit seinen beiden Müllsäcken, ich mit einer Sporttasche, worin ich weitere kälteschützende Klamotten hatte. Wir speisten fürstlich, an Bier fehlte es nicht und auch die Schachpartien, die wir uns immer schon geliefert hatten, waren köstlich.
    Am nächsten Morgen wollten wir nun endlich die Pisten besuchen, die höher gelegen bis an die Grenze zu Österreich führten. Es gab einen Shuttlebus nach oben.
    Beim Frühstück sah ich Axel wie am Tage zuvor in Hemd, Jackett, Hose und Straßenschuhen. Willst du nochmal hochgehen, dich umziehen? Nein, ich bleibe so. Wie bitte?
    Es stellte sich heraus, dass er wirklich nichts mitgenommen hatte außer der Kleidung, die er trug. Und was ist in den Mülltüten? Ja, die habe ich gerade eben in den Müllcontainer vor der Pension geschmissen. Und was war da drin? Mein Müll aus Regensburg . . .
    Typisch Axel! Dazu sein Lächeln.
    Da ich noch Kleidung hatte, gab ich ihm Schuhe und eine Winterjacke. Eine weitere Hose hatte ich nicht dabei.
    Und so fuhren wir mit dem Shuttlebus zum Biathlon.
    Dort suchte sich Axel einen Stehplatz auf einem Plateau mit Sicht auf die Schießstände, unweit des Zieles. Ich wollte beweglich bleiben und mir Stellen suchen, an denen man mal dieses und jenes sehen kann. Während ich mal das Schießen beobachtete, mich dann durch den Schnee zum Zieleinlauf machte, wo Béla Réthy die Sportler interviewte, dann mal auf die Strecke ging, höher hinaus, wo ein Gasthaus an der Strecke stand und man essen und trinken konnte, stand Axel wie angewurzelt an seiner angestammten Stelle. Ich versuchte ihn zu bewegen, einmal davon herunter zu kommen, um ihn auf einen Glühwein und eine Bratwurst einzuladen, nein, er ließ sich nicht beirren. Er stand und fror und schaute.
    Nach Beendigung des Biathlon an diesem Tage stakste er offensichtlich verfroren neben mir her und als ich in den Bus talabwärts fahren wollte, sagte er, er würde das kleine Stück laufen. Gewiss angeregt durch die Leistungen der deutschen Damen im Biathlon wollte er sich nicht lumpen lassen und auch eine Leistung erbringen.
    Ich stieg auch eine Station vor der Pension aus und schaute mir die überwältigende Ansicht am Antholzer See an und spazierte mir die Füße warm. Nach einer Stunde kam Axel in der Pension an. Er ging duschen – ich nehme an, ziemlich heiß.
    Es war Nachmittag. Nach einer weiteren Stunde kam Axel herunter in die Wirtsstube. Nun tranken wir mal ein Bier gemeinsam. Wir ließen uns das Schachbrett geben und spielten hingebungsvoll einige Partien. Der Gastraum füllte sich und es begann nach Abendessen zu duften. Also nahmen auch wir unser Abendmahl ein. Axel hatte besonders großen Hunger. Dann noch ein paar Partien Schach, einige Biere und ins Bett.

    Der nächste Tag verlief wie der erste. Axel auf seinem Stellplatz, ich unterwegs. Der einzige Unterschied: Er fuhr diesmal auch mit dem Shuttlebus abwärts.

    Ergebnis: Axel hatte erfolgreich seinen Müll erstmals in Antholz versorgt.

    © Toge Schenck 2012

     
  • egot24 14:56 am 25. December 2010 Permalink | Antworten
    Tags: , Chaos, Eis, , Schnee, Winter   

    Berlin Kreuzberg im Winter 

    Zweifellos bringt der Winter – so er denn weiß ist – optische Eindrücke fantastischer Qualität.  Schnee auf den filigranen Ästchen der Bäume, weiße, oft unberührte Flächen, ein grandioser Anblick, wohnt man im zweiten Stock und hat einen 270-°Ausblick auf den Mehringdamm und den Friedhof gegenüber dem Finanzamt. Der Verkehr geht fast geräuschlos vor sich, gedämpft durch die Schneemassen.

    Die sind es aber auch, die neben der erhabenen Schönheit kolossale Probleme aufwerfen. Ich mache in meinem Erker meine Zigarettenpausen. Dabei beobachtete ich zwangsläufig die Aktivitäten der BSR (Berliner Stadtreinigung). Kaum war der erste Schnee gefallen, rasselten die Schneekehrmaschinen über die Rad- und Fußwege. Toll! Beim zweiten Schnee kehrten sie nur noch die Fahrradwege. Jeden Morgen waren die Radwege bar jeden Schnees; seitlich häuften sich die Schneeberge, natürlich auch dorthin, wo die Fußgänger gehen sollen.  Doch, sie kehrten auch noch die Fußwege, wobei sie hier aber eher den alten Schnee feststampften, der dadurch glatt wurde. Was Wunder, dass nun die Fußgänger alle auf dem Fahrradweg liefen. Sicherlich, Berlin ist dabei, eine Fahrradstadt wie Amsterdam zu werden. Dass aber den (besonders im Winter) zahlenmäßig unterlegenen Radfahrern der Weg auf Kosten der stattlichen Menge Fußgänger besonders gut geräumt wird, weiß wohl nur der Vorstand der BSR.

    Heute stand eine alte Dame hilflos an einem Fußgängerüberweg(!), vor sich Schneehaufen, dann der geräumte Radweg und der andere Schneehaufen. Die Fußgängerampel war lange grün. Die Dame stand und schaute sich ratlos um. Zwei junge Männer erkannten die Situation der Dame und hoben Sie über die Schneehaufen. Da war die Ampel auf rot umgeschlagen. Freundlich warteten die jungen Männer und geleiteten sie beim nächsten Grün auf die andere Straßenseite, wo sie die Dame wieder über die Schneehaufen hinüberhoben.

    Die Hauseigner scheinen sich alle im Urlaub zu befinden, denn die Hauseingänge sind (wie letztes Jahr) eisbedeckt, wie auch Teile des Fußweges durch die Vorarbeit der seltenen Kehrmaschinen. Die ersten privaten Reinigungsfirmen haben bereits das Handtuch geworfen. Noch vor dem Schnee beobachtete ich (natürlich vom Erker) unseren Hausbesitzer mit einem Herren einer Reinigungsfirma, wie sie die Flächen vor seinem Besitz gestikulierend abschritten. Das war das erste und einzige Mal, dass ich den Herrn sah.

    Trotz Vorankündigung der Wetterdienste kam der Schnee wohl zu plötzlich, vielleicht ist ja auch ein immenser Krankenstand bei der BSR daran schuld, die Hausbesitzer waschen ihre Hände in Unschuld – sie haben die Schneebeseitigung ja „outgesorced“ – und das Ordnungsamt hat kein Personal, zu prüfen, ob die Hausbesitzer ihrer Pflicht nachkommen.

    Dafür sehe ich täglich Personal der BVG am U-Bahnhof Mehringdamm den Zugang und die Treppen von Schnee und Eis befreien. Vorbildlich!

    Wir haben vorgesorgt und uns (im Sommer!) anschallbare Spikes gekauft.

    Schöne weiße Weihnachten!

    Mehr vom Autor: Hier klicken

     
c
Neuen Beitrag erstellen
j
nächster Beitrag/nächster Kommentar
k
vorheriger Beitrag/vorheriger Kommentar
r
Antworten
e
Bearbeiten
o
zeige/verstecke Kommentare
t
Zum Anfang gehen
l
zum Login
h
Zeige/Verberge Hilfe
Shift + ESC
Abbrechen