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  • egot24 15:50 am 21. August 2011 Permalink | Antworten
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    Bierexpress am Mehringdamm 

    „Sind’se in Berlin, kommen’se zum Mehringdamm! Da erleben’se den weltbekannten Bierexpress, gleich neben dem Curry 36. Dufte Kneipe. Hier verkehrt alles mit Rang und Namen aber ebenso auch ohne beides. Nehmens’e mich. Hab ´nen Namen, aber keinen Rang. Will ja keinen benennen, aber hier war jeder schon. Selbst unbekannte Leute nehmen die Kneipe in Angriff. Und det zu Recht!“

    Dies schrieb ein unbekannter Autor schon vor vielen Jahren.

    Und ich kann dem nur zusprechen, die Kneipe lohnt sich, es ist immer etwas los, tolle Leute von hier, von dort, selbst aus Amerika, England, Kroatien und Russland kommen sie extra hierher. Hier treffen sie auf Publikum, von dem sie immer gedacht hatten, das gibt es nicht. Da sitzt mal ein Schauspieler neben dir, dann einer aus deinem eigenen Land, von überall her treffen sich die Menschen, um hier zusammen zu sein, zu reden, zu trinken, zu lachen. Und: Essen darfst du mitbringen, von nebenan, Curry36 oder von der anderen Seite: Mustafa’s Gemüsedöner oder sonst wo. Hier sein ist alles, kommunizieren kannst du so viel du willst. Kannst auch in die Wii-Lounge gehen und ein bisschen spielen oder von den Spielautomaten dein Glück fordern.

    Der zugereiste Inder spielt gerne am Automaten, der Spanier sitzt vorm Lokal unter der Markise und liest sein Buch, der Franzose hat sich eine japanische Frau angelacht und freut sich, wenn du beiden ins Englische übersetzen hilfst. Vor kurzem fragte mich freundlich ein Husky, wo denn sein Eskimo-Herrchen geblieben sei. All so was gibt es im Bierexpress. Tagtäglich, allabendlich, und sogar nächtlich.

    Dann noch die Geschichten, die die Einheimischen bieten:

    Hörenswert, fast schon lesenswert: Da knallt hier immer ein Typ rein, ziemlich unauffällig, mit roter Mütze und erzählt von einem rauschebärtigen „Taliban“, den er kennengelernt hätte, der Haban heißt und der sich hier in langem Mantel ziellos herumtreibt.

    Er spricht von aufkeimenden oder versinkenden Existenzen, die den Boulevard beleben.

    Es gibt Geschichten: Der Trinker, der hier sein Heil sucht, obwohl er es schon heillos vertrunken hat; die ehemalige Kiez-Größe, deren Krone schon lange in der Vergangenheit versunken ist, der sogenannte Professor, der seinen Titel nur seinem Erscheinungsbild zu verdanken hat und das Genie, das hier ständig aufläuft, um die wahren Werte seiner Unscheinbarkeit glorreich anzupreisen. Das gibt es zwar in jeder Großstadt, aber so, wie hier, am Mehringdamm in Berlin, ist das noch nie gesichtet worden. Und die Spitzen all dieser Größen treffen sich wo? Im Bierexpress. Kommste nicht drum rum. Biste mittendrin. Nun, alles gehört dazu. Kreuzberg ist keine Waschküche sondern ein Meltingpot, heißt wohl Schmelztiegel oder so.

    Hier treiben sich Leute herum, von denen Sie noch nie gehört haben und Leute, die Sie aus dem Fernsehen kennen oder sogar aus der Politik. Alles Berliner. Oder gewordene. Wer in Berlin lebt, wird schnell ein Berliner, wer in Kreuzberg lebt, wird noch schneller Kreuzberger. Weil Kreuzberg gut tut. Und was gut tut, merkt schnell ein Tourist und fühlt sich wohl. Besonders im Bierexpress.

    Traf ich vor kurzem hier draußen einige Iren. Die saßen da und tranken. Nach einiger Zeit hatten sie Hunger (was ja verständlich ist). Sie fragten, ob es etwas zu Essen gäbe. Nein, meinte die freundliche Bedienung. Nebenan! Sie meinte entweder Curry 36 oder Mustafa’s Gemüsedöner. Freundlich, wie Iren nun mal sind, fragten sie, ob sie sich was holen könnten und hier weiter trinken. Wie lautete wohl die Antwort? Nun: Jawohl! Die Iren blieben, bis die Tische hochgestellt wurden, lachten und sangen Lieder, deren Texte keiner verstand, aber deren Inhalt durch das gesteigerte Gelächter immer zweideutiger, mir dadurch klarer wurde.

    Bierexpress ist einzigartig! Und wer es nicht glaubt, soll einfach mal herkommen! Die Zeit ist reif! Übrigens nennt man den Kreuzberger „Bierexpress“ in Texas schon „BX“. Let’s go!!!

    Und morgen sitzt hier vielleicht die weltberühmte Sängerin Anna N. mit einer Currywurst. Wollen Sie da fehlen?

    Bierexpress am Mehringdamm. Das ist die Adresse. Taxi und U-Bahn direkt vorm Haus. Tolle Cocktails gibt es auch noch – und wenn Sie wollen, ein erfrischendes Gespräch mit der Wirtin.

    -weitere Geschichten-

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  • egot24 13:40 am 15. June 2011 Permalink | Antworten
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    Karneval der Kulturen am Mehringdamm 2011 

    Ein spezieller Ein- und Ausblick von oben.

    Es war schon heftig, die Musik von gegenüber, von nebenan, von rechts und links, von dort und da – alles auf  „unserem“ Mehringdamm, dem „Ku’damm von Kreuzberg“. Die letzten Jahre war der Mehringdamm am Pfingstsonntagnachmittag zwar auch für den Verkehr gesperrt und war als Zwischenspurt zwischen dem Festplatz und der Umzugsmeile genutzt. Sicher hatte der eine oder andere anliegende Gewerbetreibende ein paar Cocktails angeboten, ein bisschen eigene Musik vorm Haus, da stand auch mal ein Eiswagen.

    Der Mehringdamm war noch befahrbar, die Massen strömten von der U-Bahn zum Festplatz, dem Blücherplatz. Wie jedes Jahr.

    Etwas war jedoch anders:
    Der Spätkauf des Metropol Hostel baute auf der Ecke links in der Einfahrt neben dem Finanzamt ungeheure Mengen Alkoholika auf, hinter der Einfahrt rechts baute ein wohl Privater ein Musikzelt und meterweise Getränkeangebote auf, auch ein Grill qualmte, wie nur ein Grill qualmen kann. Laute Musik erscholl aus der Einfahrt.
    Samstag war in der Einfahrt große Party.

    Sonntag: Gegen 14:00 Uhr wurde –wie jedes Jahr- die Kreuzung Mehringdamm gesperrt, aus den U-Bahnstationen quoll jede Menge Schaulustiger, um sich an der Umzugsmeile Gneisenau-/Yorckstraße noch ein Plätzchen zu sichern.

    Das Gewusel der Leute nahm zu, einige gingen zum Festplatz andere kamen zurück, alles ganz entspannt. Immer mehr Bierflaschen in den Händen immer jüngerer Leute, Zeitgeist, Zeitungeist – wer weiß. In Holland ist das verboten und wird schwer geahndet, wie uns Holländer erzählten.

    Sonntagmittag bahnte sich etwas Neues an:

    Zusätzlich zur Einfahrt wurden nun ca. 20 m Tische entlang des Finanzamtes aufgebaut, Kisten geschleppt, zwei Grillstationen angeschlossen, Fähnchen gehängt.

    Das Gedränge nahm zu, ebenso der Lautstärkepegel der Musikanlagen gegenüber. Bald sollte noch ein anderer Pegel steigen, einige begannen schon mit der Einleitung, manche mögen ihn auch schon jetzt erreicht haben.

    Eine solche Party wie hier gegenüber, gab es noch nie – die Straße war voll wie noch nie.

    Die Straßenreinigung sollte um die Situation seit Jahren wissen, sie hätte vielleicht vorsorglich einige große Müllcontainer aufstellen können. So aber sind alle Müllbehälter überfüllt, der Abfall liegt am Boden und wo schon was liegt, wird kräftig dazugeworfen. Viele suchen ja nach Abfallbehältern, aber wenn keine da sind . . .

    So sah es gegen 17:00 Uhr aus:

    Nein, mit der Lautstärke hatten (wir zumindest) kein Problem. Doppelfenster mindern. Und wir wissen schließlich, wo wir leben. Anders die Neuzugezogenen. Sie wollen mitten in einem tollen Kiez leben, aber ihre Ruhe haben. Sie sind für Lebendigkeit, aber nur dann, wenn sie es wollen. Da werden hier im Kiez Altbauwohnungen saniert und als Eigentum verkauft. Die Käufer hören von dem tollen Kiez, sollten sich vielleicht auch informieren, was und wie es da zugeht, aber nein, sie kommen z.B. aus Schwaben und wollen ihre schwäbische Ruhe im aufregenden Kiez. Kannste nix machen. So sind die Leute.

    Letztlich ist es unbeschreiblich, was sich hier – unweit vom Festumzug (ca. 90 Meter entfernt) abspielte.
    Es war eine Partymeile für sich, was sich in diesem Jahr hier entwickelte.
    Auch zum Festplatz hin strömten noch die Leute:

    Party en Gros, der Mehringdamm nicht mehr nur Zulaufsteg zum Umzug, sondern ein erheblicher Erlebnis- und Spaß-Laufsteg, der den Umzug gar nicht brauchte, für sich selber feierte und den grandiosen Festumzug einfach 90m links liegen ließ. Die Wogen tanzten im Hof des Finanzamtes, immerhin zu hörenswerter Musik und nicht das andauernd dumpfe DUM-DUM-DUM-DUM, wie es die Love-Parade stundenlang bereithielt.

    Streetdancer und Akrobaten nutzten den Platz auf dem Mehringdamm und boten ein tolles Programm, auch eine junge Dame mit Fußball zeigte ihr ballartistisches Können:

    Mit Braekdance, akrobatische Kunststücken, Artistik vom Feinsten unterhielt die Gruppe mit nur kurzen Pausen stundenlang das Publikum. Hoffe, sie fanden genug Anerkennung im herumgereichten Hut.

    Immer neue Straßenhändler gesellten sich dazu, jeder wollte einen schnellen Euro verdienen:

    Gegen 20:00 Uhr war die Party gegenüber heißgelaufen, der Müll tat sein Bestes, sich zu verbreiten:

    Mehringdamm voller Leben.

    Und die Flaschensammler hatten alle Hände voll zu tun:

    Das Wetter war gut, die Stimmung noch besser und so ließ man sich häuslich nieder, tratschte, sang und verbreitete gute Stimmung.

    Viele blieben bis spät in die Nacht.

    Einige vom Umzug suchten noch einen Umtrunk:

    Den fanden sie ganz bestimmt noch.

    Jetzt wurde es dunkel, aber feiern kann man auch dann. So taten es noch einige.

    Mal kurz aus dem Fenster geschaut (01:56): Jede Menge noch los, keine Volksaufläufe mehr, eher Gelblicht der Straßenreinigung, Blaulicht von Polizei und Rotkreuzwagen (wohl Schnapsleichen), Menschen, die von Hand die Fußwege vom Müll befreien.

    Je später die Nacht, desto promilliger, ach was, prozentiger die Dauertrinker.

    Und schon gab es Zoff! Geschrei direkt vorm Haus. Ich konnte beobachten, wie die Polizei geschwind auf den Herd des Geschehens zulief: „Spätkauf 36“, der kästenweise Bier vor der Haustür verkauft und – natürlich – Caipi.

    (Wie die zu ihrem Namen kamen, ist unklar, weder ist es die Hausnummer 36 noch der Stadtteil „Kreuzberg 36“, vielleicht in Anlehnung an „Curry 36“?).

    Genau beim „Spätkauf 36“ hatte sich eine Gewaltaktion entwickelt. Ein BRAVO für unsere Polizei, ca. zwölf Beamte (Abteilungen A2, A3) waren rasch zur Stelle, trennten wohl sieben ineinander verkeilte Streithähne schnell und sauber voneinander, zwei Frauen schrien noch vor Angst. Ein Großes Lob der Polizei. (Ich habe mit Absicht keine Fotos gemacht).

    Nachdem alles einigermaßen beruhigt war, stellten sich einige Unbeteiligte, dafür Besoffene, Bierflaschen schwenkend in sicherer Entfernung hin und provozierten die Polizei („Ich kenne den, der Deine Frau fickt!“). Die Beamten reagierten überlegen und ruhig, gingen auf die Deppen gar nicht ein. So schnell sie gekommen waren, waren die Beamten nach der Klärung wieder weg. Hochachtung!

    Gelblicht der Straßenreinigung, etwas Blaulicht der Polizei und dreier Rettungswagen (wohl nur Schnapsleichen). Und überall noch kleine Grüppchen Unermüdlicher in Feierlaune. Die Gespräche wurden deutlich lauter, die Bewegungen fahriger. Flaschenklirren.

    Irgendwann waren die einzigen Geräusche die der Straßenreinigung.

    Montags war alles wie geleckt.

    © Toge Schenck 2011

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  • egot24 20:46 am 21. May 2011 Permalink | Antworten
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    Linke auf dem Mehringdamm 

    21.05.2011

    Eine Woche nach der Demo der Rechten kamen die Linken. Angekündigt. Und wieder hatte ich das Glück, zumindest das Ende der Demonstration zu beobachten, nachdem vorher in der rbb-Abendschau verkündet wurde, dass diese Demo bislang friedlich geblieben war. Eine Stunde vorher hatten sie Parolen auf der Kreuzung Gneisenaustr./Mehringdamm gebracht, waren dann aber nach Süden gen Tempelhof gezogen.

    Plötzlich war die Demo vor unserem Haus: Polizeigebleitet, aber Polizei mit Helmen in den Händen, nicht auf dem Kopf und bei weitem nicht in der Menge wie letzte Woche:

    Aufschrift auf dem Transparent: Gegen Faschismus und Staatsgewalt.

    Eigentlich Blödsinn, denn was hat (unsere) Staatsgewalt mit Faschismus zu zun?

    Gemeint war (wie dann aus Sprüchen hervorging), dass man meinte, die Polizei dürfe eine Demo der Rechten erstens nicht gestatten, zweitens nicht schützen. Wie stellt sich die Antifa das vor? Einseitiges Verbieten? Entweder Demonstrationsrecht oder nicht! Wenn dann gegen herrschendes Gesetz verstoßen oder Gewalt angewendet wird, dann muss die Polizei (Staatsgewalt) einschreiten.

    Hier noch atmosphärische Aufnahmen (wenn auch unprofessionelle):

    Die Aufstellung der Polizei hatte schon eine andere Qualität als vorige Woche: Nachzulesen und zu schauen unter: Nazis auf dem Mehringdamm

    Dann wurde die Demo durch den Veranstalter beendet, es wurde zum ruhigen Heimgehen aufgerufen und es boten sich lockere Bilder:

    Zum Abschluss wurde noch ein vermutlich südamerikanischer Song gespielt, dann ging locker und lautlos die Demo in die Vergangenheit.

    Notwendiges Nachwort: Demo ist nicht gleich Demo. Aber alle Teilnehmer, Befürworter und Gegner sollten Ruhe und Respekt vor dem anderen bewahren. Um das zu gewährleisten ist die geschmähte Staatsgewalt in Form von Polizei dabei! Was wären die Bürger ohne Polizei? Hilflos ausgeliefert. Das war das Wort zum Sonntag.

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  • egot24 14:39 am 16. May 2011 Permalink | Antworten
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    Nazis auf dem Mehringdamm 

    14. Mai 2011

    OIOIOIOIOI, war heute am Mehringdamm was los!

    Samstag und mal schönes Wetter, wie man es sich wünscht, ich stand in meinem Erker und rauchte eine. Da sah ich den einen und anderen und sogar noch die nächsten Einsatzwagen der Polizei vorfahren. Einige versteckten sich hinter dem Finanzamt. Andere hielten auf dem Mehringdamm. Standen so rum. Ich ging kurz runter, um mir was zum Frühstück zu besorgen. Da  hatte sich vor unserem Haus und auf dem gesamten Mehringdamm etwas deutlich verändert. Alles voller Polizei, die Straße abgesperrt. Man hörte laute Rufe.

    Dann ging es richtig los: Lautsprecherdurchsagen, skandierte Sprüche. Und ich war mitten drin und konnte nichts sehen. Ich ging in Richtung der Geräusche, Richtung Finanzamt. Alles gesperrt, auch für Fußgänger und Radfahrer. Die skandierten Sprüche konnte ich nicht genau verstehen. Auf einmal waren wesentlich mehr Leute als vorher auf der Straße, es erschallten Rufe „Nazis raus!“ Ich entschied mich, wieder in meiner Erker zurückzukehren.

    Oben angekommen, machte ich die Fenster auf. Da kam eine Horde Radfahrer an, wild schreiend, hin zur mit Polizeifahrzeugen verbarrikadierten Fläche. Vor unserem Haus Unmengen Leute. Und immer wieder skandierte Sprüche, die ich auf die Entfernung nicht verstand. Ich sah folgendes:

    Genauer hingesehen, sah ich, dass sich, getrennt von einer Gitterabsperrung eine verhältnismäßig kleine Gruppe aufgeschart hatte, mit Berlin Fahnen in der Hand:

    Auf dem vorderen Transparent stand: „Wahrheit macht frei!“

    Neonazis, die so tun als ob sie Berlin vertreten (Fahnen). Gegenüber die anderen, schnell per SMS, Handy, Facebook etc. hinzugerufene Leute verschiedenster Couleur: Linke, auch normale Zuschauer aber auch „Autonome“, die eh auf Krawall aus sind. Hier in Kreuzberg (alles Linke und Grüne) wollen die Rechten demonstrieren? Reine Provokation. Die Polizei hat nun die Aufgabe, diese (von wem auch immer genehmigte) „Veranstaltung“ vor Übergriffen (besonders der Autonomen) zu schützen! Mitten unter den Nazis stand ein Lautsprecherwagen und verbreitete alte deutsche Lieder.

    Man sieht, sie stehen direkt am Eingang eines U-Bahnhofes. Plötzlich – wie auf ein Zeichen hin – rennen sie alle zum dortigen U-Bahnhofeingang und verschwinden darin:

    und kommen direkt wieder aus dem anderen Eingang raus:

    und sammeln sich vorm „Bierexpress“ und Curry 36:

    Damit hatte die Polizei nicht gerechnet und musste nun schnell handeln: DENN SIE MÜSSEN JA DIE RECHTSEXTREME DEMO SCHÜTZEN!!!

    Die Autonomen und alle, die gegen die Rechten waren, sind schnellstmöglich auch zu dem Punkt gelaufen, haben sich auch Reibereien mit der Polizei eingehandelt:

    Schließlich sah es so aus: Die Nazis mussten die Berliner Fahnen herunternehmen. Der Veranstalter sagte die Demo kurzfristig ab. Nur: Die Nazis kamen nicht weg, waren umzingelt von Leuten. Da baute die Polizei eine Gasse zum gegenüberliegenden U-Bahneingang, worin die Nazis sich zurückzogen, nicht ohne mit Tomaten und Plastikflaschen beworfen zu werden.

    Wir erfuhren dann, dass auf der U-Bahnstation die Leute aus einigen Zügen nicht aussteigen durften, die Züge wurden durchgewunken; in einen der nächsten kamen dann die Nazis rein. Keiner durfte in der Zwischenzeit in den Bahnhof oder aus ihm heraus.

    Hier noch ein Foto der Absperrkette:

    Kurze Zeit später war alles wieder Friede, Freude Eierkuchen, wir saßen drüben im Bierexpress, tranken uns einen und zählten die Tomatenflecken auf der Fahrbahn.

    Nachschrift: Von der Polizei erfuhr ich, dass es einige aggressive, gewalttätige Linke gegeben hatte, die wegen Flaschenwerfens und Schlägerei vorübergehend festgenommen wurden.

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  • egot24 14:46 am 17. January 2011 Permalink | Antworten
    Tags: , , Billard, , Darts, Fußball, Großleinwand, , Mehringdamm, Raucherlounge, , Wii   

    Vogt’s Bierexpress 1+2 

    Vogt’s Bierexpress 1

    In Kreuzberg, dort am Mehringdamm
    da fängt so recht das Leben an
    der Bayer kommt, sogar de Hess
    und trifft sich im Vogt’s Bierexpress

    zum Fußball oder nur zum Bier
    es ist einfach gemütlich hier.
    Großleinwand-Fußball wird gebracht
    wenn’s sein muss, spät bis in die Nacht.

    Die Currywurst von nebenan,
    die darf man hier verzehren
    es ist nur ratsam, dann und wann
    dazu ein Bier zu leeren.

    Wer rauchen will ist kein Verbrecher
    im ersten Stock steh’n Aschenbecher!
    So lebt sich’s gut und ohne Stress
    am Mehringdamm, im Bierexpress

    Dort kann man trefflich Billard spielen
    mit Pfeilen um die Wette zielen,
    und oben gibt’s -ich lern es nie-
    ne separate Launch-Wii.

    Hier trifft sich manche Prominenz
    und manches Original
    man zeigt hier Fußballkompetenz
    beim Bierchen allemal

    und Biere gibt’s hier manche Sorten
    das findet man nicht allerorten
    und Cocktails, die man weltweit kennt.
    Der Service: Freundlich-kompetent

    Und fragt man mich, ob ich was wüsste,
    wo unbedingt man hingeh’n müsste,
    den schau ich an und sage kess:
    Ja, Mehringdamm, Vogt’s Bierexpress!

    Vogt’s Bierexpress 2

    Der Bierexpress, am Mehringdamm gelegen

    der zieht so manche Leute an – weswegen?

    Liegt’s an der Werbung? an der Wirtin? oder daran,

    dass vor der Tür der Ausgang ist der U-Bahn?

    Nein, weit gefehlt! Aus all Berliner Kreisen

    sieht man die Gäste hierher freudig reisen.

    Zum Beispiel: Detlef kommt von weit hierher,

    auch Jonas fällt es manchmal ziemlich schwer,

    die weite Strecke leicht zu überbrücken,

    doch lässt er sich sein Ziel niemals verrücken!

    Auch Norbert – er hat Kneipen um die Ecke –

    und geht trotzdem täglich die weite Strecke

    hierher, um hier in Ruh’ zu schnabulieren,

    mit Gästen klönen und zu fabulieren,

    auch Jürgen und Gerlinde finden stetig

    den Weg hierher – sie hätten es nicht nötig:

    sie wohnen über einer Kneipe gar!

    Auch Ulle, der sich nie an eine Bar,

    gestellt hat, fühlt sich äußerst pudelwohl,

    selbst einer, der ´ne zeitlang Alkohol

    vermieden hat, sie alle treffen sich

    im Bierexpress, oft gar an einem Tisch!

    Was soll die Frage nach wieso? warum?

    das Bier schmeckt hier, die Stimmung – und darum

    geht halb Berlin hierher in’s Bierexpress!

    Vergessen alle Sorgen, aller Stress!

    (c) Toge Schenck 2011
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  • egot24 02:09 am 16. January 2011 Permalink | Antworten
    Tags: , , , , Mehringdamm   

    Curry 36 – Doppelfolge 

    Curry 36 (offizielle Version)

    In Kreuzberg, gleich am Mehringdamm
    da stehen tausend Menschen an,
    da trifft sich ganz Berlin
    und jeder muss dahin

    Die Currywurst ist so perfekt
    schon beim Gedanken daran leckt
    die Lippen einfach Jedermann
    die Würstchen kommen blendend an

    Ob Tag ob Nacht, die Lampen glüh’n
    und Massen sieht man dorthin zieh’n
    die Warteschlange reicht vom Stand
    viel hundertmeterweit ins Land

    Senf, Ketchup, Mayonnaise fließt,
    die Schaschliks werden aufgespießt,
    Mund wässrig, Augen quellen über:
    Das Curry-36-Fieber.

    Die Polizei, die Feuerwehr
    sie kommen zügeweise her
    die Bein’ im Bauche warten sie
    doch dann geht’s ab tataa-tatü

    Die warme Wurst, sie darf nicht kalten
    heiß muss sie bis zur Wache halten
    dafür ist jedes Mittel recht
    (doch schmeckt die Wurst auch kalt nicht schlecht)

    Auch Touri-Gäste, Notarztwagen
    sie halten, um für ihren Magen
    die beste Currywurst zu holen
    klasse Geschmack für wenig Kohle

    Und das Geheimnis dieser Küche?
    Nicht nur die würz’gen Wohlgerüche
    auch für die satten Sprüche preis ich
    das dufte Curry 36

    © Toge 2003

    Curry 36 (private Version)

    Heut Nacht, Berlin am Mehringdamm
    stand ich für Currywürstchen an
    Die schaffen dort sehr fleißig
    im Curry 36

    Die Wurst war gut, das Bier wurd’ warm,
    sprach mich ein Herr im Mantel an
    ob ich der letzte in der Reih’
    ich sagte, dass ich satt schon sei,

    dass ich die Wurst genossen.
    Ihn hat es nicht verdrossen,
    bestellte gleich der Würste drei
    mit Ketschup, es war schon halb zwei;

    ein neuer Tag, so dacht ich grade,
    da trank er seine Schokolade.
    Jetzt fängt mein neues Leben an,
    sagt er, und gleich darauf begann

    zu reden er, er sagt, er sei
    der Chef der Bundesdruckerei.
    Doch diese will man jetzt verkaufen
    und er will sich draufhin besaufen.

    Mit Schokolade? Aber ja!
    Denn Alkohol, der würde gar
    Vom Ösophagus die Varizen
    und somit ihn sehr tödlich triezen.

    Zu deutsch, da schwebt ein Blutgerinn-
    sel mitten ihm im Halse drin
    und tränke er jetzt Alkohol
    sofort ereilt der Tod ihn wohl

    Sein Hausarzt schrieb ihn heut malade
    und darum trinkt er Schokolade
    wovon genug gelagert, weiß ich
    hier gleich im Curry 36.

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    • android tablet asus 20:07 am 20. Juni 2012 Permalink | Antworten

      I know this web site gives quality dependent content and other stuff,
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  • egot24 17:31 am 15. January 2011 Permalink | Antworten
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    Rundreise Sizilien 

    Rundreise „Archaisches Sizilien“ – 26.08.-07.09.2010

    Veranstalter: Umfulana – individuelles Reisen GmbH

    Orte:

    1)      Syrakus, Hotel Gutkowski

    2)      Agrigent, Hotel Villa Athena

    3)      Erice, Baglio Fontanasalsa

    4)      Cefalù, Abazia Floris

    5)      Taormina, Hotel La Pensione Svizzera

    1. Tag: Berlin-Catania-

    Siracusa ( Do.26.-28.08.10)

    Alexas Fahrer war überpünktlich. Er schwätzte viel aber mit Humor. Es regnete.

    Leider hatte er nicht realisiert, dass wir Gate C62 abflogen und so setzte er uns natürlich ganz vorne ab. Im Regen. Wir mussten das gesamte Gelände bis ganz hinten mit dem Gepäck ablaufen. Training für die Wirbelsäule.

    Boardingcards besaßen wir bereits, dank der elektronischen Anmeldung, also viel Zeit zum Frühstücken, auch wenn man das morgens um 06:15 noch nicht so recht mag. Dann noch durch den Regen zum Flieger. Noch ein Frühstück im Flieger: Pappbrot mit Käse, Kaffee, Wasser. Die liebste aller Ehefrauen meckerte über den Mittelsitz, war sie nicht dabei gewesen, als ich die Sitzplätze OK gab.

    Gelandet, zu AVIS, Mietwagen holen. „Der steht auf Platz 37“. Dort standen zwei Wagen, aber nicht unser Punto. Hilfe geholt, die mir auch das Lenkradsperrschloss erklärte und mir zeigte, es anzubringen. Lenkradschloss für Mafialand?

    Schlimmer als die Mafia war jedenfalls die Ausschilderung der Strecken und die Sperrungen einiger Straßen, die unsere weibliche Stimme im Navi in Weißglut brachten, die auf die liebste Ehefrau überschlug und mich vor die Wahl stellte: entweder die oder ich.

    Still entschied ich mich fürs Navi.

    Dieses wiederum entschied sich dafür, mich in Weißglut zu versetzen. Immer im Kreis, immer im Kreis. Apropos: Es sagte einen Kreisverkehr voraus, der nachweislich nicht mehr da war, bestand aber darauf, dass man die zweite Ausfahrt nehmen sollte. Nachdem es meine Sturheit bemerkt hatte und bestimmt acht Mal „Neue Berechnung“ gesagt hatte, ergab es sich und sagte freiwillig ab nun den richtigen Weg an.

    Syrakus, endlich Syrakus. Für die 60 km hatte wir drei Stunden gebraucht, auch die Hilfe eines Truckers half nichts, denn der wusste nicht den Weg, sondern wollte mich –wie das Navi- immer wieder auf die gesperrte Straße schicken.

    Ortygia, die Altstadt von Syrakus erlebten wir verschwitzt (von der gegenseitigen Weißglut) aber doch mit einem Rest guter Laune.

    Zunächst alles bestens. Hotel schön, toll gelegen mit Blick aufs Meer, fußläufig zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten. Aber Parken ist nicht vor dem Hotel. 100 m rechts ein öffentlicher überdachter Parkplatz, 1€ die Nacht, tags kostenlos. Das nenne ich touristenfreundlich.

    Hotel Gutkowski

    Hotel Gutkowski, Nebenhaus

    Hotel Gutkowski, Nebenhaus

    Nach einer angemessenen Erholungsphase machten wir uns schlendernd auf die Suche nach Sehenswertem. Was dem einen sein Schmuck, Handtaschen, Schuhe etc. pp. ist dem anderen was anderes. Tolle Lokale gab es in Fülle, die unser Magen nicht mehr aufzuweisen hatte. Mangare aber erst ab frühestens halb acht – jetzt war es sechs. Nun dann schauen wir noch ein bisschen Läden und Häuser (und was für welche – ich meine die Altbauten der Innenstadt, wirklich prächtig – zumindest einmal gewesen).

    Nach einstündigem Besichtigen aller Läden und Bauten entschlossen sich unsere Mägen, jetzt doch auf Fastfood an der Piazza Archimede zurückzugreifen. Ein Laden lockte mit Spaghetti und Pizza. Uns war nach Spaghetti.

    Ortygia

    Ortygia, Blick aus dem Fenster

    Nein, heute nur Pizza. Da wir schon Getränke bestellt hatten, saßen wir fest. Da kam der Cameriere und brachte Kartoffelchips und Erdnüsse. Grandios. Die Mägen knurrten ein leises Danke. Und so überwanden sie die restliche Zeit.

    Nichts wie auf die Piazza del Duomo, einem herrlichen Platz, natürlich am Dom und einer andren Kirche gelegen, wo das altsyrakuser Leben nur so brummte. Das Restaurant machte einen erstklassigen Eindruck: Der Obercameriere in schwarzem Cut, die Untercamerieres wenigstens in weißem Hemd und schwarzer Weste, die Preise ebenso erstklassig wie die Ausstattung der Ober.

    Wir hatten Glück, der Obercameriere war Österreicher, schon seit dreißig Jahren in Syrakus und machte seine Sache so gut wie seine Kollegen in Wien.

    Der Koch schien nicht zur selben Riege zu gehören. Die drei jungen, dürren Katzen, die uns umschwirrten, hatten den leckersten Abend ihres Lebens. Uns blieb die Zeche. Und der Heimweg.

    Dort hatten wir noch eine vergnügte Stunde auf der Dachterrasse neben unserem Zimmer, mit Bier und Wein aus der Minibar zum drittel Preis.

    Der Abend klang aus auf unserem kleinen Balkon, beobachtet vom Vollmond und der Venus.

    Die Lichter der Stadt links und rechts von uns flirrten auf dem Meer, dann flirrten uns die Augen. Das war der erste Tag. (Hat Letzteres nicht schon jemand Bedeutendes gesagt?)

    2. Tag: SIRACUSA ( Freitag, 27.08.)

    Italienisches Frühstück. Drinnen airconditiongekühlt, draußen ca. 30°.

    Schattige Gassen bis zum Apollotempel, dort eine Piazza mit Taxen, Pferdekutschen und Bimmelbahn. Kutsche viermal so teuer wie Taxi, dafür ist das Taxi airconditioniert und zeigte frühe 35,8°. Es brachte uns zum Parco de Archeologico. Warteschlangen an der Biglietti-Ausgabe.

    Das Ohr des Dionysos

    Das Ohr des Dionysos

    Erst das römische Amphitheater, dann das Ohr des Dionysos, schließlich das griechische Theater, alles unter der wahrhaft gleißenden Sonne Siziliens. Drei Flaschen Wasser, ein freddo thé con limone plus eine Tüte Chips.

    Kleine Rast am Taxiplatz auf Ortigia. Heim ins gekühlte Zimmer. Siesta.

    Siesta war nötig bei 37°. Im Schatten auf Balkon gelesen, bisschen warmen aber dennoch kühlenden Wind um die nackte Taille.

    Schiff oder Zug?

    Erst mal Schiff, das wir mittags besichtigt hatten – was heißt Schiff, Boot vielmehr – für 10 Euro um die Insel. Andere boten uns für 15€ dieselbe Tour. So saßen wir vor dem Apollotempel, tranken uns eins, um dann punkt 17:00 mit dem Boot um die Insel. Boot war nicht da. Kommt in 20 Minuten. Wir in den Schatten und tranken uns eins. 17:20 Boot nicht da, 10 Minuten. Warten im Schatten Ortigias. Boot kam nicht. Dafür weitere Fahrgäste. Es gab 2 Touren, einmal um die Insel oder zu den Grotten. Wir wollten um die Insel. Die weiteren Fahrgäste waren durch einen Schlepper (Nepper, Bauernfänger) geholt und wollten die Grotten. Daraufhin sprach der Skipper: Die Gäste wollen zu den Grotten, wollt Ihr nicht auch dorthin? Nein, sagten wir, wir wollen um die Insel. Das ist aber schade, wollen Sie nicht doch zu den Grotten?

    NEIN.

    Wir gingen, mit dem (gelogenen) Versprechen, wir kommen morgen wieder.

    Also Schiff nicht.

    Gang zur Piazza Archimede – Mann darf den Weg nicht mit Frau gehen. Tolle Läden. Tolle Preise.

    An der Piazza rauschte der Ortigia-Express ein. Eine Autolokomotive mit zwei Anhängern, mit max. 40 Plätzen. Die liebste aller Ehefrauen fuhr auf den Zug ab, nachdem sie das Boot nicht bekommen hatte. Rundfahrt ist Rundfahrt, ob auf dem Wasser oder Land. Wind weht um die Ohren und das ist schon etwas.

    Der Express fuhr zwei Runden: Einmal die eine und einmal die andere. Die beiden unterschieden sich nur marginal voneinander, wobei die zweite uns dann an der Arethusa-Quelle vorbei führte, die wir tags zuvor schon per Pedes erkämpft hatten. Enge Gassen wie auf Ortigia lassen keinen fließenden Verkehr zu, so dass man wenig vom Fahrtwind abbekam. Ende wieder an der Piazza Archimede.

    Ein kleiner Hunger stellte sich ein. Oh ja, ein Hamburger! – lange keinen mehr gegessen.

    Syrakusische Hamburger sterben an Altersschwäche, bevor sie kredenzt werden und kosten mehr, als man sich vorstellen mag. Ausländer müssen das teure Begräbnis zahlen, weil sie es bestellt haben.

    Für die drei Probebissen zahlte ich natürlich den vollen Preis; dafür war das Heineken kalt, ein winziger Trost.

    Heimweg bei 33°. – Hotelzimmer bei 24°.

    Da hatte es doch in einer Gasse einen Laden gegeben mit Obst und Lebensmitteln. Schon dreimal vorbeigekommen; Den wollten wir aufsuchen. Er war einfach verschwunden, weg, abhanden gekommen. Nein, dann ist er eben in der anderen Gasse, da sind wir doch gestern vorbei gekommen. Ach dort! – nein.

    Dass solche Geschäfte, die man einmal sah, sich plötzlich in Luft auflösen, hatten wir des Öfteren auf unseren Reisen erlebt: Ein Schuhgeschäft, in dem wir zweimal waren (ohne zu kaufen), war bei dritten Mal, als wir kaufen wollten, nicht mehr da. Ein Optiker mit der Flüssigkeit, von der man noch einen Rest hatte, war nach Aufbrauchen des Restes unangemeldet umgezogen. Ein Schirmhändler hatte sich bei nahendem Sturmschauer in Luft aufgelöst. Man mag keine Touristen, die nicht sofort kaufen.

    Und dann die Einheimischen: Sie senden einen bewusst in die falsche Richtung. Der eine beschrieb mir genau wie ich gehen sollte; er hatte verstanden, dass ich was zu essen wollte. Er sandte uns in eine Trattoria, 10 Minuten Weg. In der Trattoria kam der Chef auf mich zu und erblickte einen durchschwitzten Touri, der mit rot geränderten Augen auf ihn zu schlurfte. Er hatte Mitleid und wies mir den Weg in schnellen italienischen Sätzen. Hätte ich ihn auf Englisch oder Deutsch angesprochen, hätte er mir bestimmt ruhig, mit Händen und Füßen detailliert den Weg beschrieben. Aber ich musste ihn ja unbedingt mit meinem radebrechenden Italienischversuch kommen. Und wer Italienisch radebrecht, versteht ja auch Italienisch!

    Also dahinten bei dem weißen Auto rechts. Si, si!

    Ausnahmsweise stimmte es – fast. Es war links. Und es war fünf vor 20:00. Und er hatte mir gesagt, der Laden schließt um 20:00.

    Tante Emma auf syrakusisch, sprich italienisch. Eine junge Frau war vor mir und bestellte lediglich eine Portion gekochten Schinken. Darf es etwas mehr sein? Ja! Ich kann auch etwas wegnehmen. Lassen sie es, wie es ist. Aber ich könnte es genau auf genau dreihundert Gramm bringen. Nein, va bene! Va bene.

    Meine Uhr zeigte eine Minute vor acht.

    Möchten Sie noch etwas von dem Käse hier? Nein, va bene. Va bene – oder von den Früchten hier? No! Va bene.

    Dann war ich dran. Radebrechen, Fingerzeig, no, si, altro, grazie.

    Schinken, Salami, Äpfel, Pfirsiche, Brot und Käse (übrigens der beste Brie, wie die liebste aller Ehefrauen fand) wurde meine billige Beute (der Hamburger war genau so teuer gewesen). Alles wurde geschnitten, gewogen, eingepackt, mit Etikett versehen, welches jedes einzelne mit Tesafilm auf das Produktpäckchen geklebt wurde. Nach diesen zehn Minuten klebte alles an mir, als ob der Laden mitten im Hochsommer geheizt worden wäre. An der Kasse war es nicht besser, obwohl ich der einzige Kunde dort war. Der Chef wurde gerufen und als er endlich da war, prüfte er jedes Päckchen, den passenden Ausdruck dazu, sah mir tief in die Augen, ob ich ihn nicht hintergehen wollte, drückte endlich auf die Auslösetaste und – ließ mich stehen. Ein Bekannter oder Freund hatte weit nach acht Uhr den Laden betreten und wollte begrüßt werden. Lautstark. Lange. Dann entsann sich der Inhaber und sagte mir beiläufig den Preis. Ich erließ ihm eiskalt das Restgeld, nur raus!

    Die allerliebste aller Ehefrauen empfing mich wie Julia ihren Romeo auf dem Balkon stehend, mit einer undeutsamen Miene. Daraufhin ging ich in das Lokal bei unserem Hotel und orderte eine ganze Flasche Wein, obwohl ich vorher eher an einen viertel Liter gedacht hatte.

    Auf der Terrasse neben unserem Balkon, mit Blick über das Meer, erlebten wir einen Mondaufgang aus dem Meer heraus. Kurz danach gesellte sich die Venus rechts darunter dazu und beide sahen uns zu, wie wir die frugalen Errungenschaften auf der Terrasse mit Lust verspeisten. Der Mond nahm an Helligkeit zu in dem Maße sich die Weinflasche leerte und die Venus stieg langsam rechts vom Mond auf gleiche Höhe.

    Der zweite Tag.

    Beschreibung des Hotel Gutkowski:

    Das Hotel besteht aus zwei alten Gebäuden, in denen jahrhunderte lang Fischer und Handwerker gewohnt haben. Mit viel Respekt vor der alten Bausubstanz ist es zu einem 3-Sterne-Hotel mit 25 Zimmern umgebaut worden. Wegen seiner zentralen Lage auf der historischen Halbinsel Ortygia sind alle wichtigen Stätten zu Fuß zu erreichen. Die modern und schlicht eingerichteten Zimmer haben einen schönen Blick: entweder übers Meer oder über die Dächer der Altstadt. Von der Minibar bis zur Klimaanlage verfügen sie über sinnvollen Komfort. Das für italienische Verhältnisse gute und gesunde Frühstück wird bei gutem Wetter auf der Terrasse serviert. Eine trendige Bar hat von morgens bis Mitternacht geöffnet.

    Haupthaus

    Gutkowski, das blaue Haus ist das Haupthaus

    So war es wirklich:

    Man kann sich das Hotel bereits auf STREET VIEW von Google ansehen. Das Blaue Haus ist der Sitz des Hotels, es hat aber zwei Häuser weiter einen Komplex annektiert, in dem auch ein gutes Restaurant seinen Sitz hat.

    Lage: perfekt auf Ortygia, fußläufig zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten der Insel. Man kann den PKW 100m weiter überdacht und bewacht in einem städtischen Parkplatz unterstellen für €1 die Nacht, die Tage sind kostenlos.

    Die Zimmer sind sauber, geschmackvoll eingerichtet, TV nur italienisch, dafür aber eine Terrasse im ersten Stock, die gerne von den Reisenden benutzt wird, da sie einen Blick über eine alte Stadtmauer auf das Meer zulässt, wie auch die Zimmer, die im ersten Stock nach vorne gehen. Bad mit Dusche, WC, Bidet und Waschbecken. Empfehlenswert.

    Nachteile: Abwasserroste auf der Straße sind locker, so dass man jedes Fahrzeug, das durch das mittlere Tor der Stadtmauer durchfährt, an zweigeteiltem Scheppern wahrnimmt.

    3. Tag: SIRACUSA – AGRIGENTO  28.-30.08.10

    Sirakusa Samstag, 28.08.10

    Italienisches Frühstück (Kaffee und Cornetto).

    Hitze pur. 10:30 ab nach Agrigento. Denkste. Hatte das Navi versehentlich auf Taormina gestellt und es führte mich geradewegs zurück nach Catania. Als ich das am Sonnenstand bemerkte, war die erste Ausfahrt vorbei. Neu gepolt ging es in die richtige Richtung, nämlich Ragusa. In meiner Erinnerung war Ragusa im Tal gelegen, es ging auch abwärts. Aber die Serpentinen fehlten, an die ich mich genau erinnern kann. Es war damals eine hübsche Kleinstadt. Dies genau das Gegenteil. Irgendwann, kurz vor der Verzweiflung, ging mir ein Licht auf: Ich hatte mich geirrt. Es war wohl Caltanisetta – oder Caltagirone?

    Egal. Richtung Agrigento. 260 km gesamt. Kann man schaffen, außer man legt den Maßstab vom 26.08. an: 60 km in 3 Stunden ergibt demnach 13 Stunden, dann wären wir nach 24:00 am Ziel . . .

    Aber Agrigent soll auch nachts sehr schön sein.

    Concordia-Tempel

    Agrigent, Concordia-Tempel

    3. Tag: Agrigento,  Samstag, 28.08.10

    Das erlebten wir am Abend persönlich, nachdem wir eine Nachmittagssiesta gehalten hatten.

    Unser Hotel, gar kein Ausdruck, unsere Villa Athena liegt genau gegenüber dem best erhaltensten Tempel der Insel, dem Concordia-Tempel, tags als Schattenriss gegen Sonne und Himmel, abends beleuchtet. Und wir gegenüber, auf einer abendkühlen Terrasse, bei Wein und feinsten Speisen; der rechts unter uns blau beleuchtete Swimmingpool bot ein Gegenlicht zum goldgelb angestrahlten Tempel, der von unserem Tisch von zwei nahen Palmen gesäumt war. Am besten war noch, dass unter unserer Terrasse dazu eine Kapelle die schönsten Weisen spielte, weil dort eine sizilianische Hochzeit stattfand.

    Agrigent-Villa-Athena

    Agrigent-Villa-Athena

    Die Speisen und Getränke in diesem 5-Sterne-Hotel waren grandios, der Ausblick übertraf sie bei weitem, zumal noch ein zweiter beleuchteter Tempel den Anblick erhöhte.

    Mehr nicht zu diesem dritten Tag.

    4. Tag: AGRIGENTO, Sonntag, 29.08.10

    Schien ein heißer Tag zu werden, Sonne glüht, alles sieht sehr sizilianisch aus, blendende Helle, die aber auch einlädt, dies helle Land zu erkunden. Frühstücksgestärkt entschlossen, glitten wir auf den Schwingen des Hermes (also in unserem Punto) die Straßen um Agrigent, genossen die Ausblicke hierhin und dorthin und gelangten, mit dem Sinne, heute einen Lebensmittelladen für morgen zu suchen, es durfte auch ein Supermercato sein, in das an den Berg geklebte Agrigento.

    Oh, ein Aussichtspunkt – versperrt durch Einbahnstraße. Höher und höher trugen uns die Schwingen, bis wir, nach einigen Kreisverkehren und steilen Straßen an einen noch höher gelegenen Aussichtspunkt gelangten, der nun wirklich keinen Wunsch übrig ließ. Dort unten die Reihe von Tempeln, deren einer unseren gestrigen Abend hell angeleuchtet, ockergelb verschönt hatte. Und davor glaubten wir anhand der einen dunkelgrünen Zypresse und der helleren querschneidenden Pinie unsere Hotelvilla zu erkennen. Weit außen Porto Empedolke, geradeaus aber eine Marina. Und wir lieben Marinas.

    Auf dem serpentinigen Weg nach unten gelangten wir unversehens an den ersten ausgemachten Aussichtspunkt. Alles eine Frage der Perspektive. Auch toll. Oder toller?

    Jetzt glitten wir auf Puntos Flügeln wieder abwärts, an einem geschlossenen Supermarkt vorbei, hin in die uns schon bekannteren Gefilde.

    Mich aber lockte die Marina, von der wir am Abend noch hören sollten.

    Die dem Mittelmeer und den anliegenden Völkern eigene, alles in ockerfarbenem Sandstein gehaltene Bauweise, die lieblich hängenden Kabel, die bestimmt punktuell liebevoll aber meist zu selten renovierten Straßen boten den allbekannten mediterranen Charme.

    Diesem folgend, erreichten wir San Leone. Natürlich parkten wir an der Marina. Dort war eine Art Volksfest aufgebaut. Menschenleer. Natürlich. Die feiern doch erst nach 20:00. Doch die Fischlokale waren voller Gäste, der 50 m Sandstrand voller Nichtschwimmer. Das Meer war zu aufgewühlt, der Wind sehr stark, so das man die Hitze nicht mehr spürte. Wir genossen einen Augenblick (oder zwei) diese Grünwasserstimmung mit Gischt dort, wo die Felsen hoch aufragten, ließen uns den heißen Wind um die Ohren und durch die Haare sausen – und waren in Urlaub.

    Ein kleiner Hunger ließ uns zu der Trattoria fahren, die nahe am Hotel gelegen, dort die Gäste zufüttert, die die Tempel im Valle dei Templi besuchen. Pasta al forno, Cola, Wasser, Chips, Cornetti etc. Für die Weiterfahrt morgen brauchen wir keinen Supermarkt mehr.

    Siesta, dann den Garten der Villa genutzt, den Blick auf Concordia richtiggehend ausgenutzt wie nur was, zwischenzeitlich gelesen (Dr. Eckart von Hirschhausen und Einstein). Immer wieder der Blick auf den Concordiatempel. Wie doch die Einstrahlung der Sonne mit zunehmender Zeit dies Bauwerk minütlich verändert, verschönert, verbessert . . .

    Agrigent-Villa-Athena

    Villa Athena Garten und Pool

    Zweite Siesta.

    Ein fulminantes Feuerwerk erschreckte uns. Es kam aus unserer Marina!

    Dritte Siesta.

    Morgen geht’s Richtung Erice.

    So war die Villa beschrieben:

    Im 18. Jahrhundert wurde die Villa als Residenz eines Prinzen errichtet. Sie liegt unvergleichlich schön vor dem Concordia-Tempel mit Blick über ein kleines Naturreservat. Seit ihrer sorgfältigen Restauration in 2009 ist sie das schönste von allen Hotels am Valle di Templi. Trotz aller Verbesserungen bleiben die Fenster das Wichtigste an der 5-Sterne-Residenz. Das Restaurant hat einen guten Ruf und spezialisiert sich auf einheimische Küche und Weine. Ein Schwimmbad ist vorhanden.

    Die Wahrheit über die Villa:

    Es ist ein 5-Sterne Hotel mit Anspruch. Ausstattung erste Klasse, Lage: besser geht es nicht, direkt vor dem Concordiatempel (nachts angestrahlt) und man genießt das vom Zimmer oder von der Terrasse aus. Das Servicepersonal ist bemüht, genügt dem Anspruch allerdings nicht immer (wo schon?). Die Preise genügen allerdings dem Anspruch, doch weiß man vorher, wo es hingeht. In zwei Tagen zweimal schleppender Service (Nachtisch vergessen zu bringen, eine weitere Bestellung ging ins Leere aber dies sehr freundlich). Deutsch wird hier gar nicht gesprochen, also Italienisch, Englisch, Französisch. Zwei deutsche TV-Sender: ERSTES und RTL. Ein (kleiner) Nachteil: Die Klimaanlagen befinden sich genau über den Kopfteilen der Betten. Vielleicht mögen das einige Leute, aber für uns wäre es besser gewesen, sie wären irgendwo anders angebracht, damit man die kühle Luft nicht direkt auf die Nase bekommt. Trotzdem: Spitze! Essen hervorragend (man muss kein Menue, kann auch á la carte essen). Swimmingpool zwischen Haus und Tempel (leider waren nicht alle Liegen zum Hochstellen eingerichtet, obwohl sie dafür geeignet gewesen wären, es fehlte nur ein Teil). Parkplatz direkt vor dem Haus. Sehr empfehlenswert, wenn man Nachsicht mit dem Servicepersonal übt.

    5.Tag:  von Agrigent nach Erice, 30.08.10,

    Montag, 30.08. „Azienda Agricola Fontanasalsa“

    Nach dem überbordenden Frühstück in der Villa Athena (Tee, Cornetto) gings los.

    Das tolle Navi hatte sich erholt und war bereit, uns neue Wege zu zeigen. Zuerst Einkauf: 2 Cornetti Marmeleta/Crema. Das Klima hatte sich verändert, es war angenehm kühler geworden trotz heißer Sonne. Navi gab die Richtung, alles OK, 88 km Schnellstraße geradeaus. Va bene. Nach der Hälfte hatte das Navi genug und ging schlafen, gerade als ich sehen wollte, wie weit es noch war. Nun gut, es hat vorausgesehen, dass wir sowieso nicht Kurs halten, sondern einen Abstecher nach Selinunt, der Ausgrabungsstätte altgriechischer Tempel- und Wohnstätten machen wollten. Da hätte es immer neu berechnen müssen und das wollte es sich ersparen.

    Selinunt, Selinunte, wie auch immer. Vor 30 Jahren gab es einen Parkplatz (bewacht, zumindest bezahlt), dann konnte man sich frei bewegen. Jetzt alles geregelt. Man kann zwar noch zu Fuß, doch die stundenlange Wanderschaft kann man heute in einer Art E-Zug gefahren werden. E-Mobil plus Anhänger für die Touristen. Erster Stopp Tempel X. In 20 Minuten soll es weitergehen. Nach 10 Minuten wären wir gerne weitergefahren, da sahen wir unser E-Mobil abrauschen. Gut, 10 Minuten später kam das nächste. Ich hatte eine Nummer auf dem Hemd kleben, die dem Fahrer sagte: Gruppe 35 fährt jetzt von X nach Y. Dies vermittelte er dank Funksprechanlage der Zentrale. Auf zum nächsten Punkt: Tempel Y.

    Jetzt kannten wir den Ablauf. Blick über Meer und Tempelanlage, Marinella mit Badestrand und uraltes Gemäuer. Kein Verkaufsstand störte die Idylle.

    Unter schattenspendenden Olivenbäumen blickten wir auf die jahrtausendalten Trümmer und harrten des nächsten Trosses, nicht ohne den Errungenschaften des Heute zu entgehen: Erst nur ein motorbetriebener Handgrasmäher, dann dazu die erste Autoalarmanlage, dann schloss sich dem Chor eine zweite, ja dritte an. Jetzt verschmolz akustisch Altertum mit Neuzeit.

    Die Elektrobahn fuhr uns nicht an den Ausgangspunkt, sondern präzise an die Quelle der Erfrischung, den Getränkeverkauf, dafür direkt am Parkplatz.

    Früher war das anders. Man zahlte nur den Parkwächter fürs Aufpassen. Als wir damals zum Auto zurückkehrten, bückte sich gerade ein Mensch über unsere Fahrertür. Als er bemerkte, dass wir zu dem Fahrzeug gehörten (damals deutsches Kennzeichen), beschrieb er in dramatischen Worten, wie toll doch unser Auto sei und dass er sich immer schon so einen gewünscht hätte (VW Golf Rabbit) und wie viele PS er denn hätte? Schnell war der Mensch verschwunden. Als ich dann aufschließen wollte, war die Tür bereits geöffnet!

    Heute, bei absehbarer Besichtigungszeit, wäre ihm der Lapsus nicht passiert.

    Soviel zu damals.

    Das nächste Ziel: SEGESTA.

    Segesta, Tempel

    Segesta, Tempel

    Noch mal zu damals: Wie gesagt, war es vor 30 Jahren, waren wir die einzigen, die diesen Ort zurzeit besuchten. Ein Wagen hielt gerade am Tempel, zwei Leute gingen mit uns um ihn herum.

    Am wesentlich höher gelegenen Amphitheater waren wir  damals die einzigen Besucher. Es lag einsam und verlassen auf der Anhöhe, vergessen von Jahrtausenden.

    Heute ist am Tempel ein Tourismuscenter entstanden, Eintritt wird genommen und dazu extra Tickets für den Bus zum Amphitheater. Eine asphaltierte Straße führt die Serpentinen hoch zur Spitze des Berges.

    Segesta, Amphitheater

    Segesta, Amphitheater

    Damals hatte ich ein Panoramafoto geschossen, auf dem nichts als leere Berglandschaft war. Heute ziehen Autobahnviadukte durch die immer noch karge Landschaft, Haziendas mit breiten Zugangsstraßen entheben die Landschaft jeder Einsamkeit. Die Theaterfläche war im Begriff abgebaut zu werden, da bis gestern ein Sommerfestival stattgefunden hatte, Euripides’ und andere Stücke waren aufgeführt worden auf der in meinem Kopf seit damals einsamsten und verlassensten Bühne. Die gebirgige Landschaft, auf die das Theater herunterblickt wird nach wie vor von einer Jahrtausende alten Urigkeit bestimmt.

    Noch wenige Kilometer bis zur Hazienda, die für die beiden nächsten Nächte uns ein Zuhause bieten wird. In der Beschreibung des Veranstalters las es sich etwa so: Nehmen sie die Ausfahrt Marsala/Fontanasalsa. In Fontanasalsa fahren Sie an der ersten Ampel rechts, kein Hinweis auf die Hazienda. Nach gut einem Kilometer folgen Sie dem Schild „Agriturismo“, gehen Sie aber nicht zum Nachbarn, der so ähnlich heißt.

    Oh Gott, was geschieht, wenn mir das passiert? Werde ich durch ein Sieb passiert?

    Azienda Agricola

    Fontanasalsa, Azienda Agricola

    Sehr, sehr vorsichtig näherten wir uns der Stelle. Da, ein Schild: Azienda Fontanasalsa. Zwei riesige Mühlsteine an der Einfahrt – und ein Parkplatz, genügend weit weg vom Anwesen. Ich steige aus mit der Vorlage des Veranstalters und frage zaghaft an dem Tor eine Dame, die nicht menschenfressend aussah, ob wir hier richtig seien. Si, correcto. Dann überwies sie mich an eine weitere Dame, auch nicht menschenfressend erscheinend, die mir mit den Worten entgegenkam: Sind Sie Herr Schenck? Glück gehabt! (Übrigens hieß sie Angela und war aus Füssen, der Vater aus Trapani).

    Das erste was mir auffiel, war der mit schmalen, hochgestülpten Steinen gepflasterte große Innenhof (Achtung Stolpersteine). Vom Hof gingen überall Türen in die umliegenden Gebäude.

    Azienda Agricola

    Azienda Agricola Innenhof

    Sofort nach dem Check-In bekamen wir Getränke und einen kleinen Imbiss.

    Siesta.

    Abendessen sollte ab 19:30 sein. Gegen 20:00 liefen wir auf. Im Hof waren die Tische eingedeckt, Kleinigkeiten, die noch fehlten, tat eine junge Frau munter auf, von Tisch zu Tisch, ohne uns zu fragen, ob wir schon etwas trinken wollten. Wir sahen uns im überdachten Gasthof um. Da lagen bereits die Menuezettel. Aha, das also gibt es demnächst.

    Nach einer halben Stunde, die wir damit verbrachten, der jungen Frau auf ihrem tänzelnden Weg zuzusehen, wie sie mal hier mal da ein fehlendes Stück des Gedeckes nachlieferte, reichte ich der liebsten aller Ehefrauen meine endglimmende Kippe und ging zum Gasthof, in dem ich den Koch und seinen Helfer sitzen sah. Es war abgesperrt. Der Koch öffnete und ich bat ihn um einen Aschenbecher. Da mir der italienische Begriff fehlte, zeigte ich ihm, wie man die Asche einer virtuellen Zigarette über der geöffneten Hand abklopft. AH Possacena!

    Da jetzt die Schranken gefallen waren, fragte ich ihn, ob wir nicht auch schon ein Bier und Wasser bekommen könnten (die anderen wartenden Gäste saßen bisher wie wir leer da). Va bene!

    Die Speisen waren rustikal aber gut! Die Bedienung schwirrte zielsicher von Tisch zu Tisch; dies alles und kühlender Wind ließ den Abend zu einer schönen Erinnerung werden.

    Das war Tag 5.

    6. Tag: ERICE, Dienstag, 31.08.10 (Azienda Agricola Fontanasalsa)

    Am Vortag hatte uns Angela empfohlen, nach Trapani zu fahren, das Auto auf einem Parkplatz abzustellen und mit der Seilbahn hoch nach Erice zu gondeln.

    La funivia, Erice

    Nach ernüchterndem Frühstück auf nach Trápani. 9km immer gen Norden, dann eine Ampel, rechts nach Erice. Kein Wort von der Seilbahn. Nach einigen Kilometern ein kleines braunes Schild mit Seilbahn. Schon waren wir dort. €6 pro Person hin und zurück. 700 m steil bergan. 15 Minuten schaukelndes Schweben. Trapani wurde immer kleiner, dafür das Meer immer größer. Oben in Erice pfiff ein Wind, zum Glück hatten wir unsere Jacken dabei.

    Örtchen des grande turismo. Ein bisschen steile Straße mit Andenkenläden, ein bisschen Kirchturm, ein Blick über die Niederungen, die uns bald wieder hatten. Abwärts wurde die Stadt immer größer, der Meerblick verschwand, der Wind ließ nach, angenehme Wärme (ca. 26°C), der Boden hatte uns wieder – und der Verkehr. Wo war der Supermarkt noch mal? Irgendwie fanden wir ihn. Einkauf: Schinken, Käse, Brötchen, Wasser, Bananen etc.

    Nach einem kleinen Verfahren war es kein großes Verfahren, den richtigen Weg zu finden.

    Im Führer stand: Der wichtigste Satz, den Sie auf Sizilien kennen müssen ist „Dové posso trovare la strada a . . . ?“, oder man verlässt sich auf den Sonnenstand und das eigene Orientierungsgefühl oder sogar auf die liebste Ehefrau der Welt, die einem, nach kurzem Blick auf die Karte den richtige Weg nennt. Das Navi schlummerte indes immer noch selig und verweigerte jede Reaktion. In Agrigent war es nach zwei Tagen bereit gewesen, wieder mit uns zu sprechen. Also warten wir ab. Sollte es sich melden, dann werden wir es erst auf den letzten Kilometern einschalten, da diese zur Auffindung des genauen Ortes (die Koordinaten waren bereits eingegeben) behilflich sein kann – außer es verpennt oder streikt.

    Die Wegbeschreibung unseres Veranstalters (Umfulana – ansonsten sehr zu empfehlen) hinkte den Tatsächlichkeiten hinterher. An der ersten Ampel rechts ab standen 2 Schilder: das erste wies nach MARAUSA, das zweite OLEIFICIO, dem folge man den besagten km geradeaus, dann, an der Kreuzung, steht auch OLEIFICIO und wenn man dort abbiegt ist es die erste Einfahrt links (ebenfalls OLEIFICIO) und man muss sich nicht beim falschen Nachbarn entschuldigen. Übrigens stehen an der Einfahrt zwei große (Oliven-) Mühlsteine!

    Wie verbringt man einen Nachmittag auf einer Hazienda mit Swimmingpool?

    Natürlich am Swimmingpool. Wasser, Bierchen, das neueste Buch von Eckart von Hirschhausen, Schatten, einen bequemen Stuhl, Tisch und dann nix wie relaxed.

    Azienda

    Garten der Azienda Agricola mit Pool

    Die liebste aller Ehefrauen hatte ihren Roman zuende gelesen und nahm nun MEINEN Hirschhausen. Ich durfte mich somit mit Einstein und Pointcaré abfinden und deren gemeinsamen wissenschaftlichen Aufgaben. Doch gerade unter azzurrenem Himmel im Halbschatten eines Olivenbaumes las es sich auch ganz flott.

    Die liebste aller Ehefrauen schwamm sogar eine gewaltige Runde und beschwerte sich dann, dass die Liege nass geworden sei. Ich konnte das anhand Einstein zwar erklären, aber ihre Tendenzen standen anders. Rings um uns eine bunte Mischung aus Oliven- und Zitronenbäumchen (kennst du das Land . . .), dazwischen über Kopfhöhe Wasserschläuche, gewitzt durchstochen, so dass jedes Bäumchen ohne Ansehen der Herkunft genug des feuchten Nasses abbekam. Wenn man nicht aufpasste, bekam man auch selber was ab.

    So vergossen wir Stunden des Nichtstuns – eben Urlaub.

    Zum Abendessen noch zu früh, begaben wir uns auf eine der erprobten Siestas (Fiestas?).

    Da man hier ab 19:30 Abendessen bekommen kann – so steht es zumindest auf dem Zettel im Zimmer – und wir gestern um 20:00 Uhr unten waren und unser Essen erst um 21:00 bekamen, gingen wir heute erst um 20:30 in den eingedeckten Hof. Unsere Signorina verteilte immer noch fröhlich die Accessoires.

    In der Zwischenzeit näherte sich die Donna des Hauses (Maria). Überrascht stellte ich fest, dass die gestern noch so ach sizilianisch zurückhaltende Dame gut Englisch sprach und wir uns locker unterhalten konnten über Sizilien (Schischilia). (Ich konnte später am Abend die Gunst des Kennengelernthabens ausnutzen, als unsere Signorina von einem Gästetisch voll in Beschlag genommen war: Ich bat die Donna, mir über die Signorina, die so beansprucht war, ein Bier bringen zu lassen. So schnell hatte ich noch NIE ein Bier bekommen.)

    Wir wollten beide die Vorspeise Lasagne, die gestern so hervorragend geschmeckt hatte.

    Nachdem die Flasche Bier, die alsbald gekommen war, schon fast zuende war, kam Signorina und überreichte uns das Menue des Tages. Keine Lasagne. Wir entschieden uns für Lamm, einmal gegrillt und einmal gebraten, dazu EINMAL Insalata Pomodoro und EINMAL Patate al Forno. Signorina blickte überrascht. Ich teilte ihr mit, dass wir normalerweise „portione al pensionisti“ bestellen. Lachend ging sie davon. Der Vino bianco, den die liebste aller Ehefrauen bestellte, bestärkte uns in der Erkenntnis, warum die Einheimischen weniger bis gar nicht von den ebenfalls einheimischen Mücken gestochen wurden: Er zog einem den Rüssel zusammen. Hätte man das der liebsten  aller Ehefrauen früher gesagt, wäre sie schon länger unbeschadet geblieben.

    Nach dem zweiten Vino (er zog nun nicht mehr so arg am Rüssel), einem Café latte und einem Grappa (der zog nun wirklich am Rüssel!), begaben wir uns beschwingt aufs Zimmer, nachdem wir den heutigen rückblickend und den zukünftigen Tag gickelnd und gackernd besprochen hatten.

    Das war Tag 6.

    Wie das Baglio beschrieben war:

    Baglios sind die traditionellen sizilianischen Güter mit meist langer Geschichte und historischen Gebäuden. Der Hof bei Erice bietet elegante Zimmer, die entweder auf den weinberankten Innenhof, das Haupthaus oder den Orangengarten blicken. Vom Olivenhain schaut man bis nach Erice, zum Meer oder zu den Egadi-Inseln. Gäste werden mit Wein aus eigener Herstellung bewirtet. Der altehrwürdige Hof ist ein idealer Platz, um die Schönheit Westsiziliens zu erkunden oder einfach nur auszuspannen. Wandern, schwimmen, Fahrradfahren oder Exkursionen zu bedeutenden archäologischen Städten sind möglich

    Die Wahrheit über das Baglio:

    Anfahrt einfach, wenn sie gut beschrieben wird: Von der Autobahn Richtung Süden nach Fontanasalsa, dort die erste Ampel rechts, immer geradeaus, dann kommt auf der rechten Seite ein Schild nach rechts weisend: blaue Schrift auf weißem Grund „Oleificio“, dem folgen, gerade aus, bis bald auf der linken Seite genau so ein Schild steht und der Name des Gehöftes „Azienda Agricola Fontanasalsa“.

    Vor dem Gehöft ein Parkplatz. 5 Generationen Olivenbauern. Ein Gehöft mit großem Innenhof, Nordseite mit Pergola mit (echtem) Wein. 7 große Tische darin verteilt, an denen man sein Abendessen (ab 19:30, heißt es) einnehmen kann. Essen kommt für alle erst gegen 21:00, vorher trinkt man eben Wein oder Bier (Nastro Azurro, €5,00, dafür 0,66 Liter). Die Chefin Maria isst abends an ihrem reservierten Tisch und spricht freundlich die Gäste auch auf Englisch an.

    Angela, nur vormittags bis nachmittags vor Ort, spricht deutsch.

    Die Zimmer sind rundum verteilt, Erdgeschoss und erster Stock, schlicht, wie es sich für ein Baglio gehört, vielleicht geht auch mal die eine oder andere Lampe nicht. Badezimmer mit Wanne/Dusche, Waschbecken, Bidet. TV gibt es, aber nur italienische Sender.

    Drei absolut zahme Hunde streichen im und vor dem Gehöft umher.

    Natürlich hört man nachts die Autobahn, die ca. 1km entfernt ist.

    Schnell ist man in TRAPANI und ERICE (Seilbahn, €6,00 hoch + runter, Parkplatz kostenlos davor).

    7. Tag: ERICE – CEFALÙ, 01.-03.09.10

    Mittwoch, 01.09.10 (Abazia Floris, Collesano)

    Wer hat je bewusst einen Maulbeerbaum gesehen?

    Mir und der liebsten aller Ehefrauen ist noch keiner wissentlich begegnet. Aber nun sitzen wir unter einem Prachtexemplar. Mario, der Chef hier, erklärte mir, es gäbe zwei Arten: den weißen (unter dem wir sitzen) und den roten. Zufällig lag da ein Baumbuch auf unserem Zimmer, das sagte, es gibt weiße (weiß, rosa bis rot blühende) und schwarze Maulbeerbäume.

    Egal, wir sitzen darunter und schauen auf das Meer und nach Palermo, welches unter leichten Wolken als grau-rote Bergesmasse am Horizont den äußersten Zipfel unserer Sicht bildet. Rechts davon nur Wasser und viel Horizont.

    Wie wir dahin kamen?

    Morgens noch in Fontanasalsa gefrühstückt. Angela war so freundlich und rief bei unserem nächsten Stützpunkt an, weil da stand, man solle AM VORTAG anrufen und sagen, wann man ankommt. Wie kann ich wissen, wann ich morgen ankomme? Zumal die Wegbeschreibung äußerst kompliziert erscheint. Niemand meldete sich. Na denn!

    Angela hatte mir verraten, wo man schnell einen Tabakladen findet. Marausa war das Stichwort. Nicht weit, nur ein bisschen auf dem kleinen Weg weiter. Erstens war schon „bisschen“ gelogen, zweitens gilt das nur für die, die sich auskennen, denn Hinweisschilder sind in Italien Mangelware, in Deutschland gibt es eine Lobby, die aber auch dann wenigstens verirrten Touristen mitteilt, wohin sie fahren. Keine Kreuzung mit Beschilderung, und wenn, dann unlesbar, weil der Zahn der Zeit . . .

    Irgendwie fand ich irgendeine Tabaccheria am Straßenrand.

    Wie kommen wir nun weiter? Navi tot, keine Hinweisschilder.

    Dann plötzlich in der Pampa: Ein Schild mit Autobahnhinweis. Grazie Sicilia!

    Schnell waren wir an Segesta (dem geliebten) vorbei, schnell vor Palarmo. Langsam durch Palermo, sehr langsam. Irgendwie hat die italienische Fahrweise etwas für sich: Wer vorne ist, ist vorne, ob mit oder ohne Blinken, ich bin da, wo ich bin. Und jeder macht mit, kein Rechthabergehupe – übrigens habe ich hier wesentlich weniger Hupen gehört als bei uns – vor allen Dingen in brenzligen Situationen. Man schickt sich in die Situation: wenn die Schnauze eines Fahrzeugs so weit aus der Einfahrt rausguckt, dass du nicht vorbei kannst, dann ist ER eben VORNE. Wenn du auf der Straße Abstand hältst und einer schiebt sich langsam hinein, dann ist er eben vorne. Das Schöne ist, du darfst das auch! Keiner hupt.

    So ging es bis nach Palermo der Hauptstadt der Insel, von der es damals es hieß, die Stadt sei so dreckig, weil die Mafia die Straßenreinigung und Müllabfuhr in Händen hatte, sich die öffentlichen Gelder einverleibte, aber keinen Dienst versah . . .

    Jetzt kam einer der schönsten Abschnitte der Nordküste, den wir eigentlich per Uferstraße erleben wollten. Es war allerdings nach 12:30 und keine Tankstelle hat auf den „Bundesstraßen“ geöffnet, bis auf die auf der Autobahn. Ich wollte, bevor wir in die Wildnis kamen, gerne noch den Tank voll haben.

    Die Tankstelle war längst angezeigt, nur änderte sich zunehmend die Entfernung zu ihr. Kurz bevor wir abfahren mussten, war sie endlich da.

    Weiter auf dem Wege.

    Jetzt trat die liebste aller Ehefrauen auf den Plan. Sie hatte nämlich den Reiseplan des Veranstalters auf den Knien und bestand darauf, die erst genannte Ausfahrt zu nehmen, „Agglomerato industriale“ genannt, die andere heißt „Buonfornello“ und ist einfacher als die erstgenannte. Das wird einem aber nicht mitgeteilt.

    Wir fuhren also die erste, kurvig, ohne Hinweisschild und von LKW-Betonmischern reichlich bestückt und verdreckt. Obwohl ansonsten alles trocken war, diese Straße war nass, sie stand unter Wasser, Dreckwasser. Und als ich einmal anhielt, um auf der Karte nachzuschlagen, kam uns ein Betonmischer entgegen und PLATSCH, war das gesamte Auto mit Matsch besudelt. Der Scheibenwischer schaffte es nicht ganz, so dass ich an der nächsten Tankstelle diese und die Scheinwerfer reinigen musste.

    Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, bei der komplizierten Zufahrt zum Gehöft.

    Wir sollten Richtung Colessano fahren, aber eigentlich auch nicht, sondern dem Schild zum Golfplatz folgen, aber auch nicht ganz, denn irgendwo vorher sollen wir links abbiegen. Ja, am Friedhof, einem unbeschrifteten, schmalen Weg aufwärts folgen, dann (nicht zum Golfplatz) aber am Golfplatz vorbei, an der Gabelung links (in Wirklichkeit waren es zwei Gabelungen), ca. 700 m dem Weg folgen, an einem Schild „A3 SP 129“ links einbiegen, obwohl man darauf hinwies, dieses Schild gäbe es nicht mehr, nur noch den Pfahl (!), also irgendwann links in einen feldwegartigen Weg. Danke, das genügt.

    Wenn man im Urlaub ist, fröhlich ausgerichtet, abenteuerlustig, nicht gestresst, ist das gar kein Problem!

    Da Angela (und wir) vergeblich versucht hatten, die Gastgeber telefonisch zu erreichen, wusste ich nicht, wo wir im Notfall die nächsten drei Nächte schlafen sollten, sollten wir dieses diffizile Ziel nicht finden.

    Da las ich zufällig auf der steilen und unbefestigten Straße ein Schild an einer Einfahrt „abazia“ (10 mal 10 cm groß, also winzig!) und dachte mir nichts Schlimmes dabei, erzählte es aber der liebsten aller Ehefrauen, welche die Beschreibung unseres Quartiers auf den Knien jonglierte. Einige zwanzig Meter weiter fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Das muss es gewesen sein! Irgendwie hieß doch unser neuer Schuppen so oder so ähnlich; das kam auch der liebsten aller Ehefrauen im Nachhinein so vor.

    Eine Volldrehung auf einem zwei Meter breiten Weg mit Abhang nach einer Seite weiß jeder Autofahrer zu schätzen.

    Wir waren richtig. Die angekündigten Hunde waren da, ein Gutshof war da, sogar zwei liebe Sizilianer bestätigten, wir seien richtig.

    Sizilianer sprechen natürlich: Italienisch – und sonst nix. Was hilft mir mein Spanisch? Gunnix! Die Kenntnisse in Italienisch hatten sich wohl bei mir in dem Moment verflüchtigt, als ich mich aufs Spanische fixiert hatte. Ähnlichkeiten zwischen den Sprachen gut und schön, aber es sind immer nur Ähnlichkeiten und zwischen mucho und molto kann das italienische Ohr keine Einheit schaffen, und mir rutschen immer zuerst die spanischen Laute aus dem Sprechorgan.

    Abazia

    Abazia Floris, Colessano

    Zur Sache: Dieser Gutshof ist, wie man schon bemerkt haben kann, weit ab jeder Zivilisation. Womit ich nicht die Zivilisation als solche meine, sondern eher metaphorisch, also weit ab vom Schuss. Aber vieles gab mir zu bedenken: Der liebe Empfang, gut und schön; keiner fragte nach unserem Namen, keiner wollte einen Ausweis, dann gab es hier einen Kampfhund und einen Schäferhund, die beide sehr verschlafen taten. Dann gibt es hier eine Großfamilie, Opa, Oma, Mutter und vier Kinder, wir werden in einem „small Appartement“ untergebracht, welches weiß Gott nicht small ist, die Dame die sagte, sie sei nicht die Eignerin, reichte uns Kekse und Orangensaft am Abend, dann gibt es neben der Eingangstüre zum Appartement ein Loch von 10 cm Durchmesser in Höhe der Scheuerleis

    Blick

    Abazia Floris, Blick aufs Meer

    te, also wenn ich weiter suchte, fände ich noch mehr Eigenheiten, die mich dahin denken lassen (könnten), dass wir hier des Nachts mit Giftgas (über die Scheuerleiste) umgebracht, unsere Organe teuer ins Ausland (wohl noch Deutschland) verkauft werden und diese Mafiafamilie sich bereichert an unseren Lebern (eher noch an der der liebsten Ehefrau der Welt), an dem bisschen Bargeld, und das ganze ihren Kindern gutschreiben. Teufel, wo sind wir hineingeraten! Und es gibt hier keinen Internetan­schluss, über den ich das EUCH ALLEN als Hilferuf senden könnte.

    Heute jedenfalls haben wir eine kurze Fahrt nach Cefalù unternommen, gerade so weit, dass man den Ort am Felsen kleben sehen konnte (eine Bahnschranke war geschlossen und wir wollten noch Lebensmittel einkaufen für 2-3 Tage) (die letztlich auch diesen Mördern zugute kommen!).

    Und dann sitzen wir nachmittags vorbehaltlos im Garten, essen und trinken und lassen uns von der Dame des Hauses (falsche Schlange?) mit sizilianischen Kräckern und Orangensaft bewirten. Drinnen juchzte schon das Mördervolk und wir Opfer saßen harmlos im Garten und beschauten den beschaulichen Sonnenuntergang – der nicht, wie erwartet, über dem Meer, nein noch weit vor den grauen Bergen Palermos stattfand. Manchmal glimpste die Sonne hochrot zwischen den schmalen Wolken durch, bis ihr Verschwinden dann eine Kühle hervorrief, die uns ins Innere des Hauses zu gehen bewog.

    Drinnen ging das hexenhafte Spiel weiter: Das elektrische Licht wurde dunkler, dann wieder heller, von Vino und Birra angetan, achteten wir nicht mehr darauf, dass es plötzlich kühler wurde. Ich entsann mich des Odysseus, der zig Jahre zwischen Zyklopen, Hexen, Skylla und Charybdis und weiteren mediterranen Erscheinungen hin und her zog. Er hat sie alle überlebt. Aber sind wir Odysseus und Penelope?

    Ich entschloss mich – wie Odysseus, diese Nacht durchzuwachen (einmal im Leben ein Held!).

    Man wird sehen.

    Das war der siebte Tag (da hatte Gott die Welt erschaffen, mal sehen ob ich diese noch weiter erleben darf).

    Hier endet der Bericht . . . doch nicht.

    8. Tag CEFALÙ, Abazia, Donnerstag, 02.09.10

    Und es ward Tag, der 8. der Reise und wir freuten uns, noch zu leben.

    Dünne Wolken beschatteten die Sonne – fein!, nicht immer diese pieksenden sizilianischen Sonnenstrahlen.

    Und es war 08:00 an diesem 8. Tag und wir waren frisch und munter (22:30 abends ins Bett, kein TV, weil nicht vorhanden, beim Durchwachen hatte mich der Schlaf überrascht, die einzige Überraschung in der Nacht, dafür sehr angenehm).

    Diese tägliche und nächtliche Totenstille ist nervend. Ständig wartet man auf ein Geräusch, welches nicht kommt. Vogelzwitschern? Denkste! Wenn mal ein Windstoß kommt, dann knarrt mal die Tür verdächtig. Und ganz selten Hundegebell, da freut man sich: man ist noch nicht taub. Nachts konnte man aus den Fenstern, die nach Westen gingen, die Lichterkette bis Palermo sehen und obwohl durchaus nahe zwei Autobahnen verlaufen – kein Ton.

    Hoffentlich gewöhne ich mich wieder an den Mehringdamm.

    Erstes Frühstück selbstgemacht: Rührei mit krossem Schinken, Tee mit original Limone, Käse, Butter, Brot.

    Cefalù

    Cefalù

    15 km nach Cefalù. Halb Sonne halb Wolken, angenehm warm bis fast heiß. Nirgends findet man ein Thermometer. Aber einen Parkplatz, direkt am Strand, ein Polizist wies mich ein und daraufhin, dass ich nun Geld in einen Automaten stecken sollte.

    An den Strand. Dieser natürlich voller Badender, auch wenn sie dies nur in der Sonnte taten.

    Ein Aqua minerale con gas, kurz aqua frizzante, in die Hand und ab in die Gassen der Altstadt, die an einem Gibraltar-großen Felsen klebt, der sie teilweise zu erschlagen droht.

    Aber Menschen lieben offenbar große Gefahren, sie leben gerne an Vulkanhängen, auf Erdspalten, in Überschwemmungsgebieten und an Tsunamiküsten. Wehe, es passiert was, dann sind entweder die Götter oder die Politiker schuld.

    Dom

    Cefalù, Dom

    Touristiktrubel auch am Dom (Kathedrale, Basilika). Drin war gerade die Messe zuende und die schamhaften Touristen durften nach vorne kommen, um das Jesus-Mosaik in der Apsis zu bewundern (11. bis 13. Jhd.). Kühl war es in der Basilika.

    Davor, in einer Cafeteria den obligatorischen Cappuccino sowie ein Cornetto di Crema eingenommen. Nach genügender Andacht der Stätte, wandten wir uns nun der mediterranen Einkaufsstraße zu, deren jedes zweite Geschäft Schmuck, zugegeben besonders schönen, anbot. Ein triftiger Grund für die liebste aller Ehefrauen, die Gehwegsteine vor den Schaufenstern abzuwetzen. Glücklicherweise nicht die Klinken. Wer allerdings etwas kaufte, war ICH. Natürlich auf Geheiß der liebsten aller Ehefrauen, die plötzlich ausrief: Ist das nicht ein schönes Hemd? Und 50% herabgesetzt! Da konnte ich nicht anders, zumal, wenn ich als erster etwas kaufte, stand ihr die Möglichkeit dazu jetzt erst recht zu.

    Sie vertröstete mich, erst in Taormina wolle sie zuschlagen. Na, denn!

    Plötzlich war unsere Parkzeit abgelaufen, was wir zum Anlass nahmen, den Wagen Richtung Palermo zu lenken, die als besonders schön ausgezeichnete Küstenstraße SS 113 entlang.

    Ja, die Landschaft! Wenn nur die Menschen nicht wären, die ihren Abfall links und rechts am Straßenrand irgendwie verlören. Kann mir das nicht ganz vorstellen, aber die Einstein’sche Relativitätstheorie auch nicht, doch beides trifft zu. Nur dort, wo viele Touristen zu erwarten sind, da scheint die Straßenreinigung zu funktionieren. Nun, in Berlin ist das, genau besehen, auch nicht anders. Weiter die Spazierfahrt:

    In einem Ort namens Termini Imerese hatte ich wohl eines der nicht vorhandenen Hinweisschilder übersehen und so landete, fast strandete ich im Gassengeflecht dieser mittelgroßen Stadt, in der die Fußgänger absolutes Vorrecht zu haben schienen. Sie gingen in Dreierreihen nebeneinander, nur als wir fast ihre Hacken berührten und sie hinter sich ein surrendes Geräusch vernahmen, wandte sich erst einer, dann der andere, vielleicht auch noch der letzte dem –zugegeben schmalen- Bürgersteig zu. Irgendwie fand ich einen Weg zum Hafen und die Straße führte uns wirklich weiter, serpentinig aufwärts, immer Höher, an blühenden Parks vorbei, auf eine Anhöhe, was sage ich: Überhöhe mit grandiosem Blick zu beiden Seiten: Ganz weit hinten der Felsen, unter dem man Cefalù vermuten durfte, zur anderen nach der Bucht von Palermo.

    Auf einer Bank ein alter Sizilianer. Blickte freundlich. Ich winkte ihm mit Zigaretten zu, er winkte mich zu sich. Ich bot ihm eine Zigarette er mit Feuer. Signora, rief er in Richtung der liebsten aller Ehefrauen, die am Auto stand, Signora! und machte ein Zeichen zu kommen. Er umarmte die liebste aller Ehefrauen mit Inbrunst.

    Ja, er lebt hier, wo wir herkämen, was wir schon gesehen hätten. Ich stolperte ihm die Orte vor, Siracusa, Agrigento, Erice, nun Colessano. Und immer machte er: Aah, molto bene!

    Er fragte uns allerlei, ich hustete einige Brocken Italienisch oder was ich dafür hielt. Er schien uns nicht mehr gehen lassen zu wollen, waren wir vielleicht mal eine erwünschte Abwechs­lung, trotz schlechter Kommunikation unsererseits. Er sprach und sprach, vielleicht hatte er uns ja inzwischen die Kurzfassung seines Lebens erzählt, ich weiß es nicht, ich sagte immer Si! Dann rissen wir uns mit einem ARRIVEDERCI los und fuhren weiter unter den aufkommenden Wolken.

    Nicht weit, sahen wir eine Straße zu einer Marina führend. Hin. Parkplatz.

    Was uns seit Syrakus „verfolgte“, war eine Aneinanderreihung von Hochzeiten. In Syrakus mindestens drei, vor dem Hotel, auf der Piazza Archimede und noch irgendwo, in Agrigent am Ankunftsabend auf dem Platz vor der Restaurantterrasse, in Fontanasalsa war es zu abgelegen, aber hier in San Nicola nun wieder. Was will uns der Reiseveranstalter damit sagen?

    Wir jedenfalls sahen deutlich, dass die weißen Schleppen, die hier wohl Standard sind, unterhalb tiefschwarz waren. Die kann man ungereinigt nicht mehr per Ebay verkaufen.

    Palermo war um ein paar Kilometer näher gerückt, wir aber nicht scharf auf ihre Nähe, so dass wir nach Cappuccino und Pasta al forno das Weite suchten. Diesmal nahmen wir die andere Abfahrt von der Autobahn, die im Führer „Buonfornello“ genannt wurde.

    ZACK, waren wir zu Hause.

    Siesta.

    Ich zog mein neu erstandenes Hemd an (etwas eng um den Bauch) und wollte einen Spaziergang machen, die lange Einfahrt hinauf, dann ein wenig den Berg hoch. Mitten in dem Einfahrtsbereich, der durch einen Olivenhain führte, zog mich magisch ein hervorgehobener Platz an, in dessen Mitte ein Felsen gelb-weiß aufleuchtete. Da musste ich hin, Spaziergang hin oder her. Auf meinem Sitz für wenige Minuten, erkannte ich das Innerste des Seins, des Weltalls, der Natur. Der Stein war hart, das Weltall weit weg, mein Sein gerade hier und ich erkannte, dass von links von den Bergen dunkle Wolken aufzogen in Richtung Meer. Warmer Wind zerzauste meinen Mecki-Schnitt und blähte das neue Hemd, wo es noch blähbar war. Die liebste Ehefrau der Welt sollte auch an diesen schönen klimatischen Bedingungen teilhaben – sofern sie Ihre Siesta beendet hatte.

    Ich kam nicht in unser Appartement. Da es sehr gewindet hatte und die Tür zu unserem Appartement in den Angeln wackelte, hatte ich ihr versehentlich gezeigt, wie man den Ventilator davor stellt, damit sich die Türen nicht bewegen. Das hatte sie prompt befolgt.

    Klingel gab es nicht, nur die Aussicht, gehört zu werden – ich wollte ja einen längeren Spaziergang machen . . . Leise rief ich sie beim Namen. Nix. Sollte ich lauter rufen, könnte ich sie in ihrer Siesta stören und der Abend wäre gelaufen. Heldenhaft ging ich das Risiko ein.

    Und hatte Erfolg: „Was, jetzt schon zurück? Ich hatte gehofft . . .“

    Schließlich gingen wir bestückt mit den Dingen, die man im Garten braucht, Buch, Getränk, Autan, in den Garten auf die Liegestühle unter dem Maulbeerbaum. Über dem Meer, weitab von uns, bildete sich ein Gewitter und bald zuckten wie wild die Blitze, weit weg von uns. Wir kamen n

    icht zum Lesen. Die Wolken, die Blitze faszinierten uns. Da entdeckte uns der Sohn (Enkel?) der Familia sagrada, der Hausleute. Sofort verbreitete er drinnen, da sind die Fremden.

    Und schon bekamen wir einen Teller Minitomaten, kirschengroß. Zunächst dachte die liebste aller Ehefrauen, es wären Maulbeeren, da wir wieder unter dem besagten Baume saßen. Doch diese Minitomaten übertrafen alle Tomaten, die wir je gegessen.

    Dabei hatten wir gerade vorher Tomaten gekauft!

    Nun, Minitomaten im Mund stellten wir uns an die Mauer, die den Garten vom Olivenhain trennt und sahen: Einen Schimmel. Oben wolkendunkelster Himmel, unten der Schimmel.

    Bevor ich mein Handy aufnahmebereit machen konnte, war die vordere Hälfte des weißen Pferdes hinter einem Baum verschwunden. Dann sah die liebste Ehefrau der Welt etwas ihre

    Aufmerksamkeit erregendes: HIER, SCHAU MAL. Ich schaute. Eine Gans, auch weiß, die mit ihrem einen Auge uns zu fixieren schien. Foto/Handy bereit machen, knips. Die Gans ist im Kasten. Ich bewegte mich zehn Zentimeter in Richtung der liebsten aller Ehefrauen und sah: Eine zweite Gans. Ich sagte: Da ist ja eine zweite Gans neben der ersten. Sagte sie ja, du hast sie ja aufgenommen. Hatte ich nicht, da die zweite aus meinem Blickwinkel hinter einem Busch verborgen war.

    Das ist ein Beispiel dafür, wie der Blickwinkel verschieden platzierter Leute diese täuschen kann, wenn der eine meint, der andere sieht dasselbe. Teufel auch! ist diese Welt kompliziert. Aber das wusste schon Einstein, denn der hat alles relativiert. Vielleicht sollten wir das auch mal versuchen.

    Apropos Blickwinkel: Das Gewitter war über dem Meer. Dahin zogen auch alle Wolken, was jeder sehen konnte. Kaum hatte ich die Fotos der Gänse beendet und wir saßen noch so rum, mit

    Abazia Floris

    Blick auf jede Menge heißer Blitze überm Meer, da bemerkte ich, dass die dunkle Schicht über dem Meer nachließ. Dachte mir nichts Schlimmes dabei und versuchte die liebste Ehefrau von allen nett zu unterhalten, da kam eine Bö. Ein Brillenetui hob vom Tisch ab, der Maulbeerbaum ächzte, die Zigarettenschachtel flog vom Tisch. Nanu? Gewitter ist doch da draußen!

    Pah, sagte das Gewitter, ich werde doch sein dürfen wo ich will. Ich gebe euch zwei Minuten!

    Oh, sagten wir, wir sollten hinein.

    Eine Bö bescheinigte uns die Erkenntnis.

    Die ersten Tropfen erreichten uns ca. einen Meter vor der Türe, die fast wie von selbst aufflog. Wir schnell hinein, Türe zu!

    Wir mussten noch in den ersten Stock und hörten auf der Treppe ein Heulen. Kein Hund, kein Wolf, nein das Gewitter verlustierte sich. Oben, die klappenden Türen durchschritten, der erste Weg zum vorher geöffneten Fenster. Schnell zu. Aber das geht hier anders.

    Nicht einfach Griff nehmen und umdrehen, nein, erst Nippel durch Lasche, umdrehen und zwei Schritte links, einen rechts, bis das Fenster wirklich geschlossen ist.

    Jetzt kam das Gewitter. Ich konnte zuschauen, wie die Olivenbäume sich wanden und drehten, ihren Schopf den Winden auslieferten, fast wie ein Korkenzieher aus dem Boden gewunden wurden, sich dem Regen beugten. Am anderen Fenster sah ich, dass die uns umgebenden Berge verschwunden waren, am dritten, dass das Meer eine Einheit mit dem Himmel geschlossen hatte und es prasselte und der Sturm heulte durch unseren Kamin, dass man meinen konnte, er erzählte Geschichten über die stürmische Vergangenheit dieser gebeutelten Insel.

    Da fiel das Licht aus.

    Die liebste aller Ehefrauen rief nach Kerzen.

    Ich sah dem Inferno zu, von Fenster zu Fenster hüpfend.

    Was interessierte mich jetzt Licht, da ich dem Inferno so nahe war.

    Dann sah ich, dass die Wolken, die vorher vom Land aufs Meer schoben, nun in die entgegengesetzte Richtung stoben!

    Das Licht ging wieder an.

    Aus. An.

    Dann hatte alles draußen eine andere Farbe. Deutlicher, intensiver.

    Die liebste aller Ehefrauen hatte inzwischen die Jagd nach Kerzen aufgegeben.

    Statt Kerzen, leuchtete am Berge ein rotes Licht im Himmel, breit wie eine untergehende Sonne (nur hatte dieselbe sich schon vor Stunden verabschiedet), unvorstellbar wieso oder woher. Wir teilten uns den Rest der Schokolade und zogen uns zurück zur nächtlichen Siesta.

    9. Tag CEFALÙ, Freitag, 03.09.10, Abazia Floris

    Das Gewitter und der Sturm hielten die Nacht über an und uns in Atem, da es hier winselte, da verdächtig knackte und heulte und durch den Kamin brummte wie eine Irrer an einer Orgel. Endlich einmal Töne an dem verlassenen Ort!

    Um 09:00 war es 25°, drinnen wie draußen, draußen etwas feuchter, es hatte ja geregnet. Himmel bedeckt bis freundlich, ab und zu sah die Sonne nach uns. Eigentlich ein Reisetag. Also kutschierten wir in die Wildnis der Madonie-Berge. Schmale, asphaltierte Straßen, manchmal auch nur Gassen zu nennen, oftmals durch Verwerfungen verbeult zu Achterbahnen, aufgerissen, als ob die Seismik in dem Gebiet sagen wollte, sie wäre noch da und aktiv und was der Mensch baut, sei nicht von Dauer.

    Berg

    in den Madoniebergen

    Angesichts der Berge, der teils mit Oliven bebauten, teils brachliegenden Hänge blieb einem eh die Spucke weg, weil man nur mit offenem Mund durch das Gelände fuhr. Gelb leuchtende Hänge, manchmal grün gepunktet, oben an den Bergen Koniferenwälder. Jedes Feld eingezäunt, nichts für eingefleischte Wanderer, die müssen die Straßen benutzen. Serpentinen auf, Serpentinen ab. Kaum Verkehr. Dann auf die Autobahn Richtung ENNA / CALTANI­SETTA. Kurzfassung: Schneller Trip 65 km weit, hoffte, noch meinen Anblick von damals zu finden . . . teils Regenfahrt, auf jeden Fall die rhythmischste Fahrt bisher: Dah demm, dah demm, dah demm, etc., etc. etc. Grund: Weil diese Autobahn über große Teile auf Stelzen daherkommt und dahin führt, sind die Verbindungen zwischen den Asphaltschichten wegen Wärmeausdehnung und Kältereduzierung mit Rinnen aneinander gefügt. Irgendwie haben die Deutschen eine andere, weniger holprige und leisere Version erfunden. Nun Caltanisetta, Großstadtgetriebe, nee, bei der ersten Bar Stopp und Cappuccino plus Cornetto, dann wieder ab, selbe Ausfahrt, aber anderen Heimweg – serpentinig wie selten, bergig, kluftig, schönig. Immer mal kurz Halt, um OH! zu sagen (manchmal habe ich nach dem OH! noch eine Zigarette geraucht).

    Morgen 220 km über Messina nach Taormina.

    Was über die Unterkunft in der Voraussage stand:

    Das allein stehende Haus liegt 15 km westlich von Cefalù mit herrlichem Blick aufs Meer. Das Naturreservat der Madonieberge, das Wanderern viele Möglichkeiten bietet, endet hier. Das alte Bauernhaus ist vollständig renoviert und mit den antiken Möbeln der Familie ausgestattet. Unter dem Fußboden ist noch die Jahrhunderte alte Olivenpresse zu sehen. Frühstück wird in der Bauernküche und in wärmeren Zeiten unter einem Maulbeerbaum im Garten serviert. Alternativ kann man in einem voll ausgestatteten Appartement unterkommen, was sich besonders für längere Aufenthalte empfiehlt.

    Die Wahrheit über die Unterkunft:

    Abgelegener Gutshof, absolut ruhig, es gibt neben den im Führer erwähnten zwei Hunden: Schäferhundmischung und Staffordshire noch einen Schäferhund, der wohl den Haushältern gehört. Die Inhaber waren wohl verreist. Es gibt ein Haupthaus mit rechtwinklig angebautem Nebenhaus. Im Haupthaus wohnten die Haushälter (Vater Mario, Mutter Maria und drei (bis vier) Kinder. Das Einfahrtstor an der Straße ist immer offen, es steht ein winzigen Schild dort „abazia“ (nur von einer Seite kommend zu lesen), bis zum Haus geht ein Feldweg (bitte nur den linken „unteren“ benutzen, beim oberen setzt das Auto mehrfach deutlich auf). Ein Unterstand für drei Kfz. ist hinter dem Haus.

    Das Nebenhaus hat eine Eingangstür (besser –Tor) mit mittelalterlich großem Schlüssel. Da durch gelangt man in das „Foyer“, in welchem ein Künstler aus Ton gebackene Brüste ausstellt. Links vom Foyer geht es in die ehemalige Olivenpresse – sehenswert. Treppauf gelangt man (auch auf mittelalterlich hohen Stufen) in das Appartement: Ein neues Foyer eröffnet sich einem, links ging es zu unserem, rechts wohl zu einem zweiten Appartement. Unseres war am Ende des Nebenhauses: Ein großes Wohnzimmer (ohne TV) Fenster nach Westen (Abendsonne). Das ebenfalls große Schlafzimmer hat sein Fenster (mit Fliegengitter) nach Süden. Nach Osten geht die Küche und das Bad mit Dusche, WC, Bidet und Waschbecken.

    Die Küche hat einen Gasherd mit 4 Flammen, einen großen Kühlschrank, Doppelspüle und einen Tisch für 4 Personen. Alle Gebrauchsgegenstände vorhanden, leider kein Wasserkocher.

    Die Ausstattung ist rustikal, aber ausgesucht schön. Wenn der Strom ausfällt, geht er in wenigen Minuten wieder an. Der Blick geht auf die umliegenden Berge und Olivenhaine, vom Garten sieht man auch das Meer und die Küste nach Palma. Der Garten befindet sich vor dem Nebenhaus, mit Stühlen (auch Liegestühlen) und Tisch mit besagtem Blick auf das Meer.

    Wir wurden, dort sitzend, täglich mit Kleinigkeiten beglückt: Orangensaft und einheimische Kekse, ausgezeichnet schmeckenden Minitomaten etc.

    Dann gibt es vor dem Tor zum Haupt- und Nebenhaus ein kleines Haus, in dem sich offenbar zwei weitere Appartements befinden. Hatte mich mal verlaufen . . . Die haben eine eigene, zweigeteilte Terrasse, die Zimmer scheinen mir aber wesentlich kleiner zu sein als unsere.

    10. Tag: CEFALÙ – TAORMINA (04.-07.09.10)

    Samstag, 04.08.10 Abazis Floris

    Die Nacht gab es wieder Gewitter, merkten wir abends, als wir uns in den Garten setzten und nach einiger Zeit erst der Wind, dann die Kühle zunahm. Abend im Appartement verbracht, Lesen, Schreiben, Urlauben.

    So früh im Bett, so früh auf, Sonne, warm. Für die 220 km auf der Landstraße SS113 hatte man 4 Stunden veranschlagt, Landstraße wurde empfohlen, da unglaublich schön. Endlich der Blick beim Vorbeifahren auf Cefalù, den ich von damals kannte, von oben, hinten. Mehrere Stopps auf der Küstenstrecke, oft serpentinisch, und die Liparischen/Äolischen Inseln wurden  immer klarer am Horizont. Städtchen mit unaussprechlich langen Namen, immer wieder Serpentinen und zunächst gegen die Sonne – trotzdem unglaublich schön, weil mediterran, sonnig, warm und voller Blüten überall an den Straßen. Bei einem Stopp bei einer kleinen Bar an einer Kreuzung in Capo d´Orlando, dessen Barmann auch den Lebensmittelladen zu versorgen hatte, wurde uns klar, dass die restliche Strecke nach Messina – so schön sie auch sein mochte – besser per Autobahn zurückzulegen wäre. Als der Barmann seine einzige Kundin bedient und ihre Familiengeschichte in sich aufgenommen hatte, hatte er sich uns zugewandt und einen kleinen Snack, ein Cola und –das ist immer ein großer Aufwand- einen Cappuccino gefertigt. Ja, die nächste Auffahrt auf die Autobahn. Maut-Billett. Bei Abfahrt zu zahlen (€4,50 Messina Boccetta). Diese Ausfahrt hatte ich mir ausgesucht, weil sie direkt zum Hafen führt, dort, wo die Entfernung zum italienischen Festland am kürzesten ist. Übrigens befinden sich hier auch die menschenfressende Skylla und der verschlingende Strudel Charybdis aus Homers Odyssee. Ein Städtchen auf dem Festland heißt heute noch Scilla und die Charybdis ist der riesige Strudel an der Engstelle zwischen Festland und Sizilien, weil dort ein Sog entsteht, der so manchen Schiffer hinabzog. Und wer dem Sog ausweichen wollte, wurde von Skylla gefressen. Diese beiden muss man doch gesehen haben, wenn man schon im Messina ist!

    Uns leuchtete eine goldene (Else würde man in Berlin sagen), also ein güldenes Frauenzimmer als Eingangsfigur zum Hafen entgegen. Ansonsten war Hafengegend und wie in allen Hafenstädten nicht sehr erhebend. Die Straße (SS114) nach Taormina war leicht zu finden und wir genossen die etwas schäbigen Vororte von Messina. Dann eine formidable Küstenstraße, dem heutigen Tourismus angepasst. Wieder ein Stopp am grauen Kieselstrand, gegenüber Reggio di Calabria, die italienische Stiefelspitze in voller Größe. Fußspitze in die Straße von Messina getupft (natürlich nicht, ohne eine Zigarette zu verqualmen). Weiter, denn bald sollte Taormina auftauchen (ca. 50 km). Schöne Küstenstraße – die sind überall auf der Welt schön, da die meisten Menschen Wasser, Strand und eine gut asphaltierte Straße schätzen.

    Samstag, 04.08.10 Taormina
    Steil, serpentinig und überaus verquer ging es hoch nach Taormina.

    Vor lauter fußgehenden Touristen kommst du in Taormina kaum vorwärts, auch Autos halten mitten auf der Kreuzung, laden ein oder lassen einsteigen, oder warten erst einmal, ob sich jemand zum Einsteigen findet. Geduld ist gefragt, die wir Deutschen offenbar zu wenig haben. Das Hotel (Hotel La Pensione Svizzera) lag in einer engen Einbahnstraße, keine Chance zu parken, wenn man nicht schon die italienische Eigenschaft kannte oder übernommen hatte, wer zuerst da ist, ist eben zuerst da. Und da wo ein anderer ist, kann ich nicht hin. Wir parkten also notgedrungen falsch (deutsch: verboten, italienisch: lasciare).

    Hotel sauber, im TV drei deutsche Sender, keine Minibar. Bad alles da.

    Der Spaziergang über den CORSO UMBERTO I, dauerte länger als gedacht, da die liebste Aller Ehefrauen alle 76 Schmuckgeschäfte des Corsos eigenäugig begutachten wollte. Gut nur, dass wir vorher an der PORTA MESSINA, der geschäftigsten Kreuzung Taorminas, im TROCADERO Abendessen hatten. Wir begegneten 3 Hochzeitspaaren auf dem Corso. Auf dem Rückweg riss es die liebste aller Ehefrauen in die Kirche Sta. Catarina. Sie zündete eine Kerze an. Das geht heute so, dass man in den Schlitz „Offerta“ eine Münze wirft, woraufhin eine der elektrischen Kerzen blinkt, damit man erkennt, welches die seine ist, bevor sie anbleibt – wie lange, weiß keiner, höchstwahrscheinlich ist ein Sensor eingearbeitet, der genau mitteilt, wann man die Kirche verlässt. Kurz nach der Münzvernichtung geschah Wunderbares: Als wir uns der momentanen Stimmung hingaben, begann ein Pianist zu spielen. Es mag etwas von Schubert gewesen sein. Mag es an uns, dem ausgezeichneten Pianisten, an der Madonna, an der Stimmung des Tages oder an allem gelegen haben: Es war so schön, dass einem hätten die Tränen kommen können (oder sind?).

    Im Palmenhof unseres Hotels noch einen Drink (ehrlich: zwei!).

    Taormina

    Taormina, Blick aus Hotelfenster

    Blick aufs Meer, genauer aus großer Höhe auf zwei Küsten mit nächtlich frappierender Beleuchtung: Die Küste Richtung Messina und gegenüber die Küste des Festlandes Kalabriens! Dann mal das TV-Gerät an. Es konnte besser nicht sein, versehentlich RAI UNO eingeschaltet und Verdi´s RIGOLETTO erhalten. Live-Übertragung aus Mantua, mit Placido Domingo als Rigoletto (Domingo, früher Tenor, heute Bariton) Leider nur den ersten Akt. Später ZDF eingeschaltet, da lief es zeitversetzt wieder, mit dem Hinweis, dass es zeitversetzt live sei und der zweite Teil morgen kommt, 23:50.

    Schöner Abschluss eines schönen Tages Nummer 10.

    11. Tag: TAORMINA, Sonntag, 05.09.10

    Zu früh für die Urlaubsbusse, die ab 10:00 beim Griechischen Theater eintreffen, waren wir ihnen zuvor gekommen. Ein deutliches Eintrittsgeld spricht aber auch für die fiskalische Unterhaltung dieses Ortes. Stufe für Stufe und Schritt für Schritt genossen wir die verschiedensten Panoramen. Im Hintergrund unweigerlich der unvergleichliche Ätna, der immer, auch heute (und morgen) eine wolkige Leuchtspur in die Höhe entlässt, am Tage als leichte bräunliche Zuglinie, an anderer Stelle, dem zweiten Austrittsloch, als Dampfwolke, die kaum, ob der Höhe, von anderen Wolken unterscheidbar scheint. Doch wenn es ansonsten keine Wolken gibt und dort ist eine, ist sie garantiert von diesem Riesen, der den ganzen Horizont einnimmt.

    Taormina

    Taormina, Amphitheater

    Nach langem Genuss kam der Entschluss: Mit Taxi zu S. Madonna di Rocca zu fahren (eine Anhöhe über Taormina), mit Blick auf die Stadt und das Theater weit unten.

    Taormina

    Blick von San Rocca auf Amphitheater

    Ist man schon soweit, muss man unbedingt weiter nach Castelmola, (die nächste Anhöhe mit Blick auf  die beiden darunter!).

    Unser Taxifahrer war lieb. Und gewinnsüchtig. Er setzte uns bei der Rückfahrt am Excelsior ab, weit weg vom Ausgangspunkt, weil er da einen Kunden hatte, so dass wir noch einmal den Corso Umberto durchlaufen mussten. An der Porta Messina nahmen wir einen Imbiss, um dann im Hotel ein bisschen unter Palmen zu genießen.

    Während der Siesta: Aus dem Fenster Richtung Norden erblickte ich nicht nur die beiden Ufer (Siziliens und Kalabriens) sondern auch ein unter dem am Hang liegenden Hotel befindliches Fußballfeld, über das die Funivia, der Aufzug, bzw. die Seilbahn von Mazzaro nach Taormina hochkommt. Hier wird professionell Fußball gespielt! Italienisch, lautstark.

    Als wir  um 17:30 das bestellte Foto und die Sonnenbrille für die liebste aller Ehefrauen abholen wollten, war der Laden geschlossen (Öffnungszeiten 09:00-20:00).

    Nun, die Inhaberin ist wohl mal für große Tiger oder Liebhaberin eines Quickies. Nach einer halben Stunde im Café gegenüber, mit absolut unerwartetem Publikum und seltsamen Leuten auf der Gasse (Via Theatro Greco), verließ uns die Lust am Warten. Soll die Verkäuferin doch machen, was sie will. Das tat sie auch, wie sie uns am nächsten Tage erzählte.

    Wir gingen kurzentschlossen zu Nino auf die Terrasse. Er soll gute Scaloppine haben. Hatte er. Den Rest des Abends: Teils unter Palmen im Giardino des Hotels, teils auf dem Zimmer mit Rigoletto. Bei Rai Uno nicht gefunden, dafür später im ZDF. Alles bestens, bis 01:05 ein heftiger Schlag an unsere Tür geschah, Rigoletto ausgemacht; 01:15 wäre eh zuende gewesen.

    Diese Banausen. Die hellhörigen Wände.

    Gut, dafür noch ein bisschen Küstenlichter von Sizilien links und Küstenlichter von Kalabrien rechts zur Zigarette und Aqua minerale.

    12. Tag: Montag 06.09. Taormina Hotel „La Pensiona Svizzera“

    Früh auf und –stück. Noch einmal (gerne) Eintritt für das Griechische Theater, weil so schön!

    Wir saßen (wie immer schon) auf der obersten Reihe im Schatten und überblickten und genossen still alles.

    Punkt zehn Uhr kamen die Touristenbusse mit Führern, die jeder eine andere Nummer in die Luft hielten, zum Glück etwas zeitversetzt, so dass nicht alle gleichzeitig quatschten (Ende der Stille).

    Die ersten hatten das Plätzchen im Schatten, die anderen mussten (trotz Zeitversetzung) Plätze in der Sonne einnehmen. Ein Fotograf nahm schnell die letzten Stühle von den Vorstellungen der Abende zuvor von der Bühne, da sie ihm genau im Visier zum Ätna standen, ästhetisch –auch von uns aus- korrekt.

    Die ältere Dame in rosa Kleid und weißem Hut, die wir am Eingang überholt hatten, lehnte sich an die Bühne und blickte auf den entfernten Ätna. Jungfrauengleich schlang sie die Beine umeinander und schien sehr verzückt. Vielleicht war sie auch schon einmal dort und erinnerte sich . . .

    Wir gingen noch einmal zum Sitz der liebsten aller Ehefrauen, auf dem man halb liegend auf der Mauer, an den Handlauf vor dem Abgrund gelehnt, den grandiosen Blick auf die Stadt und den Ätna genießen kann, verweilten, nachdem wir die grässliche Wasserflasche entfernt hatten, die einer der Besucher missachtend auf der Brüstung stehen gelassen hatte und deren Anblick die Ästhetik seit unserer Ankunft irritiert hatte.

    Nachdem sich das Theater gefüllt hatte, wie es sich die alten Griechen sicher gewünscht hätten (sie hatten ja keine Touristikbusse mit Leuten, die sich aufführten), wurde es uns ohne Aufführung langweilig und wir kämpften uns durch die aufstrebenden Massen nach unten. Es war elf Uhr und wir dankbar, dass wir gehen durften.

    Jetzt Frustkauf? Nein, Freudenkauf. Wir waren entkommen und nun begann bei uns die gewonnene Freiheit, ihren Tribut zu fordern: Erst die Sonnenbrille von gestern und das Foto vom Ätna mit dem Excelsior Palace, darf es vielleicht noch ein Hemd sein? Darauf Verschnaufpause vor der Kirche S. Catarina, in der gestern für die liebste aller Ehefrauen Piano gespielt wurde, heute war jemand anders dran. Davon später.

    Siesta im Hotel. Sonja aus Reutlingen gefragt, ja, mit dem Bus alle halbe Stunde für €1 runter nach Letojanni, dort kann man am Gestade spazieren gehen.

    Jetzt der Abend:

    Bus für €1 verpasst, weil eine Email nicht rauswollte (weil Outlook sich aufgehängt hatte).

    Taxi nach Letojanni. €15.

    Letojanni

    Bucht von Letojanni

    Dort gab es jedenfalls eine lange Strandpromenade im Schatten zum Spazierengehen. Etwas Laufen, ohne hoch und runter, einfach nur geradeaus und zurück mit Unterbrechungen. Die erste war ein Café wie für Einheimische. Eis, Cremeschnitte, Bier. €7, überreizt. Bisschen gehen, bis an die Stelle, wo die Promenade aufhörte und ein Fischer sein Boot mit Hilfe anderer einrichtete, Fischernetz der eine, der andere schaufelte den Steinstrand weg, der dritte war wohl nur für die Konversation da. Ein vierter und fünfter riefen von hinten den dreien zu, was sie zu tun hätten, eingespielte Vorbereitungen zum Fischfang eben.

    Der Strand war teilweise noch von einigen Badenden besucht, die nach der Stunde, die wir dort verbrachten, einhellig das Gefilde verließen, wie auf ein Geheiß: jetzt gibt es Futter.

    Es war punkt 18:00.

    Ehrlich gesagt, war uns auch nach Futter.

    Ein Kioskbetreiber verkaufte sich uns als Taxifahrer und nahm sogar den gleichen Tarif wie seine hauptamtlichen Kollegen. Hinauf! Er wunderte sich sehr, wie jemand schon vor 30 Jahren hier gewesen sein will, da er diese Zahl in seinem Alter nicht wiederfindet.

    An alter Stelle genachtmahlt (Trocadero). Ausführlich, Pasta, Vino, Birra, Grappa, Caffé latte.

    Dann wollte die liebste aller Ehefrauen sich endlich einmal ins Nachtleben von Taormina stürzen. Leider war ich auch gut drauf, weshalb ich sie auf dem Weg ins Nachtleben auf eine Gemme aufmerksam machte, die mir gefiel. Jetzt war das Tor zur Hölle geöffnet. Dies wurde angeschaut, das begutachtet, jenes erwägt, und dann doch das andere in den Fokus genommen. Schließlich war es ein Ring, der –zugegebenermaßen- toll ist.

    Mehr sage ich nicht.

    Jetzt, zum Beruhigen noch ein wenig den Corso entlang, an der Piazza del Duomo erklang ergreifende Musik, erst Mandolina italiana, dann Piano internationale, ach wie schön in der Sommernacht – noch einen Drink? Naturalmente. Bedienung und Aufmachung der Drinks war viersternig, die Preise siebensternig. Aber dafür hatte man das Gefühl, einmal am gehobenen Nightlife Taorminas teilgehabt zu haben.

    Von warmer Nacht vollgesogen ins Hotel.

    Was über das Hotel im Führer stand:

    Das charmante, kleine Hotel ist seit 1925 im Familienbesitz und besticht durch seine Lage an der Via Pirandello, einer der schönsten Aussichtsstraßen von Taormina. Ins Zentrum, zur Seilbahn und zum Griechischen Theater kann man zu Fuß gehen. In den von Palmen beschatteten Garten gelangt man durch ein schmiedeeisernes Tor. Das Frühstücksbuffet wird im Garten oder im Aussichtspavillion serviert.

    Die Wahrheit über das Hotel:

    Die Beschreibung stimmt perfekt. Angenehmes, sauberes Hotel, leider keine Minibar, eine Dame der Rezeption sowie der Inhaber sprechen Deutsch. Ebenfalls Sonja, die im Frühstücksraum tätig ist. TV mit drei deutschen Sendern (ZDF, 3Sat, VOX).

    Bier: Heineken, €3,00. Parkgebühr €12,00/Tag.

    NACHTEIL: Wir wurden im 4. Obergeschoss untergebracht, ohne Aufzug und ohne jemanden, der den einen schweren Koffer hoch tragen konnte. Das sollte man Leuten über 60 Jahren nicht antun!

    13. Tag: Taormina – Catania – Berlin, Dienstag, 07.09.2010

    Heute fliegen wir heim – eigentlich auch eine schöne Vorstellung. Über das Kofferpacken ist es müßig, Gedanken auszutauschen. Ein sonniger Morgen versuchte uns über die Heimreise hinwegzutäuschen, doch im tiefsten Innern, wie eine Glaubensgewissheit herrscht das Wissen vom Abschied einer Reise. Sonja bedachte uns wohl beim Frühstück, man erinnert sich, die Dame aus Reutlingen, die unten in Giardini Naxos mit italienischem Mann und Sohn lebt. Sie will unbedingt mal nach Berlin.

    Kurzes Gespräch mit ihr über die italienische Fahrweise aller Verkehrsteilnehmer: Dem auslandsungeübten Deutschen erscheint die italienisch Fahrweise wie ein einziges Chaos. Das ist es auch, aber ein ungemein geordnetes: Wer aus einer untergeordneten Straße in eine übergeordnete fährt, weiß das, fährt aber trotzdem hinein, besonders wenn er vor dem anderen ist, der natürlichermaßen das Nachsehen hat, es aber hinnimmt, denn er hat Adrenalin, Schweiß und Hupe gespart, da er eh nichts ändern kann. Der deutsche Übergeordnete hätte gehupt, Adrenalin verprasst, Zornesschweiß vergossen und sich sofort – und später seine Frau geärgert.

    Wir hatten Stunden an einer der unübersichtlichsten Kreuzungen der Welt verbracht, wo fünf Straßen zusammenkamen, am steilen Berg, die übliche italienische Mischung aus Motorrollern (auch Damen über siebzig – ohne Helm), PKW´s allen Alters, den witzigen Dreiradlieferwagen und aufgeblasenen Touristenbussen sowie öffentlichem Busverkehr. Erfreuliches Chaos, vor allen Dingen, wenn Einheimische die Mitte der Kreuzung nutzten, um einzukaufen, oder ihre Verwandten auszuladen. Polizia stand daneben, aber die kennt ja den Zustand – und die Leute. Ein Chaos folgte aufs andere, gehupt wurde selten, meistens von Touristenbussen, doch die Betroffenen scherten sich den Deibel, sondern hielten als Zugabe noch ein Schwätzchen, wenn es sein musste, auch noch mit der Polizia. Grundsatz: Erlaubt ist, was machbar ist, keiner will einen Unfall, weil der sehr komplizierte Folgen hat, aber jeder will auch vorteilhaft fahren. Die italienische Mentalität sorgt für die notwendige Gelassenheit, die deutsche hätte da ihre Schwierigkeiten, da bei uns das angeborene Rechthaben Gaspedale, Adrenalin und Hupen befördert.

    Unzählbare haben uns während der Reise rein rechtlich die Vorfahrt genommen, haben uns ausgebremst und in vermeintliche Weißglut gebracht. Man nimmt das hier mediterran hin und freut sich, zurück in Deutschland dann mal so richtig auf die Hupe gehen zu können.

    Man könnte schon was von den Italienern lernen. Aber muss man das?

    Um den Tunneln zu entgehen, fuhren wir über Giardini Naxos auf die Autobahn.

    Im Golf von Taormina sahen wir einen weißen (Pseudo-)Segler mit 4 Segeln vor Anker. Welcher Segler hat vor Anker liegend alle Segel geheisst? Die zögen ihm den Anker aus dem Grund. Es waren auch nur Fake-Segel, also optische, zu keinerlei Sinn, außer im Hafen zu protzen.

    50 km gut ausgebauter Autobahn bis Catania. Bald wären wir da.  „Bald“ ist ein Wort, das man sich auf den sizilianischen Autobahnen angewöhnt. Denn ganz, ganz selten steht einmal ein Schild mit der Kilometerangabe zu weiteren Orten als der nächsten Ausfahrt und dann kann es passieren, dass genau das Schild mit der Angabe über den gesuchten Ort überwuchert ist von den schnell wachsenden Pflanzen des Mittelstreifens. Übrigens sind die Zahlen so klein, dass man sie beim raschen Vorbeifahren eh nicht erkennt.

    Oh Germania, was hast du doch für eine tolle (Autobahn-)Organisation!

    Na ja, und dahin soll es jetzt ja gehen.

    Autobahn bis fast an den Flughafen. Jetzt galt es zunächst unseren Hermes, den lieblichen Punto abzugeben. Ich erinnerte mich so etwa an die Stelle, wo wir ihn abholten, 3 Minuten zu Fuß zum Flughafen. Abgabe problemlos. Dann auf zum Flieger, der uns Heim bringen sollte: Allerdings erst in 2½ Stunden. Warten ist eines der häufigsten Ereignisse im Leben: An Ampeln, Bahnübergängen, auf den Bus, das bestellte Essen, die liebste Ehefrau der Welt, den Ober, den Arzt, das Aufhören von Schmerzen, auf Beförderung und Begnadigung. Leben ist Warten. Als ich die Überlegungen beendet hatte, mussten wir durch die Sperre, unser Flug ging bald. Irgendetwas piepste beim Durchgang durch das elektronische Tor immer wieder. Ich wurde abgeführt. Ein Schuh piepste nicht, dafür der andere. Jetzt musste ich beide ausziehen, sie wurden gescannt. NIX. Dafür durfte die liebste aller Ehefrauen unser beider Sammelsurien aus den Körbchen sowie das Handgepäck organisieren. Schweißgebadet suchten wir das Weite, besser das Gate des Abfluges. Da saßen sie schon alle, die nach Berlin wollten. Ich hoffte vergebens, einen deutschen, vielleicht sogar berlinerischen Laut zu hören. Ganz Sizilien reiste nach Berlin!

    Start über das Meer, eine große Schleife, und was soll ich sagen, doch wirklich über die Bucht mit dem Pseudosegler und hinweg über Taormina, das ich alleine schon an dem Fußballplatz wieder erkannte, der unter unserem Hotel lag.

    Air Berlin bietet Berliner Currywurst an (€ 6,50) die musste ich einfach probieren. Sie war ausgezeichnet! So hat man sich wieder auf die Heimatstadt eingepegelt.

    Jetzt freu ich mich auf ein Bier in Vogt’s Bierexpress auf dem Mehringdamm.

    – ENDE –
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