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  • egot24 15:50 am 21. August 2011 Permalink | Antworten
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    Bierexpress am Mehringdamm 

    „Sind’se in Berlin, kommen’se zum Mehringdamm! Da erleben’se den weltbekannten Bierexpress, gleich neben dem Curry 36. Dufte Kneipe. Hier verkehrt alles mit Rang und Namen aber ebenso auch ohne beides. Nehmens’e mich. Hab ´nen Namen, aber keinen Rang. Will ja keinen benennen, aber hier war jeder schon. Selbst unbekannte Leute nehmen die Kneipe in Angriff. Und det zu Recht!“

    Dies schrieb ein unbekannter Autor schon vor vielen Jahren.

    Und ich kann dem nur zusprechen, die Kneipe lohnt sich, es ist immer etwas los, tolle Leute von hier, von dort, selbst aus Amerika, England, Kroatien und Russland kommen sie extra hierher. Hier treffen sie auf Publikum, von dem sie immer gedacht hatten, das gibt es nicht. Da sitzt mal ein Schauspieler neben dir, dann einer aus deinem eigenen Land, von überall her treffen sich die Menschen, um hier zusammen zu sein, zu reden, zu trinken, zu lachen. Und: Essen darfst du mitbringen, von nebenan, Curry36 oder von der anderen Seite: Mustafa’s Gemüsedöner oder sonst wo. Hier sein ist alles, kommunizieren kannst du so viel du willst. Kannst auch in die Wii-Lounge gehen und ein bisschen spielen oder von den Spielautomaten dein Glück fordern.

    Der zugereiste Inder spielt gerne am Automaten, der Spanier sitzt vorm Lokal unter der Markise und liest sein Buch, der Franzose hat sich eine japanische Frau angelacht und freut sich, wenn du beiden ins Englische übersetzen hilfst. Vor kurzem fragte mich freundlich ein Husky, wo denn sein Eskimo-Herrchen geblieben sei. All so was gibt es im Bierexpress. Tagtäglich, allabendlich, und sogar nächtlich.

    Dann noch die Geschichten, die die Einheimischen bieten:

    Hörenswert, fast schon lesenswert: Da knallt hier immer ein Typ rein, ziemlich unauffällig, mit roter Mütze und erzählt von einem rauschebärtigen „Taliban“, den er kennengelernt hätte, der Haban heißt und der sich hier in langem Mantel ziellos herumtreibt.

    Er spricht von aufkeimenden oder versinkenden Existenzen, die den Boulevard beleben.

    Es gibt Geschichten: Der Trinker, der hier sein Heil sucht, obwohl er es schon heillos vertrunken hat; die ehemalige Kiez-Größe, deren Krone schon lange in der Vergangenheit versunken ist, der sogenannte Professor, der seinen Titel nur seinem Erscheinungsbild zu verdanken hat und das Genie, das hier ständig aufläuft, um die wahren Werte seiner Unscheinbarkeit glorreich anzupreisen. Das gibt es zwar in jeder Großstadt, aber so, wie hier, am Mehringdamm in Berlin, ist das noch nie gesichtet worden. Und die Spitzen all dieser Größen treffen sich wo? Im Bierexpress. Kommste nicht drum rum. Biste mittendrin. Nun, alles gehört dazu. Kreuzberg ist keine Waschküche sondern ein Meltingpot, heißt wohl Schmelztiegel oder so.

    Hier treiben sich Leute herum, von denen Sie noch nie gehört haben und Leute, die Sie aus dem Fernsehen kennen oder sogar aus der Politik. Alles Berliner. Oder gewordene. Wer in Berlin lebt, wird schnell ein Berliner, wer in Kreuzberg lebt, wird noch schneller Kreuzberger. Weil Kreuzberg gut tut. Und was gut tut, merkt schnell ein Tourist und fühlt sich wohl. Besonders im Bierexpress.

    Traf ich vor kurzem hier draußen einige Iren. Die saßen da und tranken. Nach einiger Zeit hatten sie Hunger (was ja verständlich ist). Sie fragten, ob es etwas zu Essen gäbe. Nein, meinte die freundliche Bedienung. Nebenan! Sie meinte entweder Curry 36 oder Mustafa’s Gemüsedöner. Freundlich, wie Iren nun mal sind, fragten sie, ob sie sich was holen könnten und hier weiter trinken. Wie lautete wohl die Antwort? Nun: Jawohl! Die Iren blieben, bis die Tische hochgestellt wurden, lachten und sangen Lieder, deren Texte keiner verstand, aber deren Inhalt durch das gesteigerte Gelächter immer zweideutiger, mir dadurch klarer wurde.

    Bierexpress ist einzigartig! Und wer es nicht glaubt, soll einfach mal herkommen! Die Zeit ist reif! Übrigens nennt man den Kreuzberger „Bierexpress“ in Texas schon „BX“. Let’s go!!!

    Und morgen sitzt hier vielleicht die weltberühmte Sängerin Anna N. mit einer Currywurst. Wollen Sie da fehlen?

    Bierexpress am Mehringdamm. Das ist die Adresse. Taxi und U-Bahn direkt vorm Haus. Tolle Cocktails gibt es auch noch – und wenn Sie wollen, ein erfrischendes Gespräch mit der Wirtin.

    -weitere Geschichten-

     
  • egot24 13:40 am 15. June 2011 Permalink | Antworten
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    Karneval der Kulturen am Mehringdamm 2011 

    Ein spezieller Ein- und Ausblick von oben.

    Es war schon heftig, die Musik von gegenüber, von nebenan, von rechts und links, von dort und da – alles auf  „unserem“ Mehringdamm, dem „Ku’damm von Kreuzberg“. Die letzten Jahre war der Mehringdamm am Pfingstsonntagnachmittag zwar auch für den Verkehr gesperrt und war als Zwischenspurt zwischen dem Festplatz und der Umzugsmeile genutzt. Sicher hatte der eine oder andere anliegende Gewerbetreibende ein paar Cocktails angeboten, ein bisschen eigene Musik vorm Haus, da stand auch mal ein Eiswagen.

    Der Mehringdamm war noch befahrbar, die Massen strömten von der U-Bahn zum Festplatz, dem Blücherplatz. Wie jedes Jahr.

    Etwas war jedoch anders:
    Der Spätkauf des Metropol Hostel baute auf der Ecke links in der Einfahrt neben dem Finanzamt ungeheure Mengen Alkoholika auf, hinter der Einfahrt rechts baute ein wohl Privater ein Musikzelt und meterweise Getränkeangebote auf, auch ein Grill qualmte, wie nur ein Grill qualmen kann. Laute Musik erscholl aus der Einfahrt.
    Samstag war in der Einfahrt große Party.

    Sonntag: Gegen 14:00 Uhr wurde –wie jedes Jahr- die Kreuzung Mehringdamm gesperrt, aus den U-Bahnstationen quoll jede Menge Schaulustiger, um sich an der Umzugsmeile Gneisenau-/Yorckstraße noch ein Plätzchen zu sichern.

    Das Gewusel der Leute nahm zu, einige gingen zum Festplatz andere kamen zurück, alles ganz entspannt. Immer mehr Bierflaschen in den Händen immer jüngerer Leute, Zeitgeist, Zeitungeist – wer weiß. In Holland ist das verboten und wird schwer geahndet, wie uns Holländer erzählten.

    Sonntagmittag bahnte sich etwas Neues an:

    Zusätzlich zur Einfahrt wurden nun ca. 20 m Tische entlang des Finanzamtes aufgebaut, Kisten geschleppt, zwei Grillstationen angeschlossen, Fähnchen gehängt.

    Das Gedränge nahm zu, ebenso der Lautstärkepegel der Musikanlagen gegenüber. Bald sollte noch ein anderer Pegel steigen, einige begannen schon mit der Einleitung, manche mögen ihn auch schon jetzt erreicht haben.

    Eine solche Party wie hier gegenüber, gab es noch nie – die Straße war voll wie noch nie.

    Die Straßenreinigung sollte um die Situation seit Jahren wissen, sie hätte vielleicht vorsorglich einige große Müllcontainer aufstellen können. So aber sind alle Müllbehälter überfüllt, der Abfall liegt am Boden und wo schon was liegt, wird kräftig dazugeworfen. Viele suchen ja nach Abfallbehältern, aber wenn keine da sind . . .

    So sah es gegen 17:00 Uhr aus:

    Nein, mit der Lautstärke hatten (wir zumindest) kein Problem. Doppelfenster mindern. Und wir wissen schließlich, wo wir leben. Anders die Neuzugezogenen. Sie wollen mitten in einem tollen Kiez leben, aber ihre Ruhe haben. Sie sind für Lebendigkeit, aber nur dann, wenn sie es wollen. Da werden hier im Kiez Altbauwohnungen saniert und als Eigentum verkauft. Die Käufer hören von dem tollen Kiez, sollten sich vielleicht auch informieren, was und wie es da zugeht, aber nein, sie kommen z.B. aus Schwaben und wollen ihre schwäbische Ruhe im aufregenden Kiez. Kannste nix machen. So sind die Leute.

    Letztlich ist es unbeschreiblich, was sich hier – unweit vom Festumzug (ca. 90 Meter entfernt) abspielte.
    Es war eine Partymeile für sich, was sich in diesem Jahr hier entwickelte.
    Auch zum Festplatz hin strömten noch die Leute:

    Party en Gros, der Mehringdamm nicht mehr nur Zulaufsteg zum Umzug, sondern ein erheblicher Erlebnis- und Spaß-Laufsteg, der den Umzug gar nicht brauchte, für sich selber feierte und den grandiosen Festumzug einfach 90m links liegen ließ. Die Wogen tanzten im Hof des Finanzamtes, immerhin zu hörenswerter Musik und nicht das andauernd dumpfe DUM-DUM-DUM-DUM, wie es die Love-Parade stundenlang bereithielt.

    Streetdancer und Akrobaten nutzten den Platz auf dem Mehringdamm und boten ein tolles Programm, auch eine junge Dame mit Fußball zeigte ihr ballartistisches Können:

    Mit Braekdance, akrobatische Kunststücken, Artistik vom Feinsten unterhielt die Gruppe mit nur kurzen Pausen stundenlang das Publikum. Hoffe, sie fanden genug Anerkennung im herumgereichten Hut.

    Immer neue Straßenhändler gesellten sich dazu, jeder wollte einen schnellen Euro verdienen:

    Gegen 20:00 Uhr war die Party gegenüber heißgelaufen, der Müll tat sein Bestes, sich zu verbreiten:

    Mehringdamm voller Leben.

    Und die Flaschensammler hatten alle Hände voll zu tun:

    Das Wetter war gut, die Stimmung noch besser und so ließ man sich häuslich nieder, tratschte, sang und verbreitete gute Stimmung.

    Viele blieben bis spät in die Nacht.

    Einige vom Umzug suchten noch einen Umtrunk:

    Den fanden sie ganz bestimmt noch.

    Jetzt wurde es dunkel, aber feiern kann man auch dann. So taten es noch einige.

    Mal kurz aus dem Fenster geschaut (01:56): Jede Menge noch los, keine Volksaufläufe mehr, eher Gelblicht der Straßenreinigung, Blaulicht von Polizei und Rotkreuzwagen (wohl Schnapsleichen), Menschen, die von Hand die Fußwege vom Müll befreien.

    Je später die Nacht, desto promilliger, ach was, prozentiger die Dauertrinker.

    Und schon gab es Zoff! Geschrei direkt vorm Haus. Ich konnte beobachten, wie die Polizei geschwind auf den Herd des Geschehens zulief: „Spätkauf 36“, der kästenweise Bier vor der Haustür verkauft und – natürlich – Caipi.

    (Wie die zu ihrem Namen kamen, ist unklar, weder ist es die Hausnummer 36 noch der Stadtteil „Kreuzberg 36“, vielleicht in Anlehnung an „Curry 36“?).

    Genau beim „Spätkauf 36“ hatte sich eine Gewaltaktion entwickelt. Ein BRAVO für unsere Polizei, ca. zwölf Beamte (Abteilungen A2, A3) waren rasch zur Stelle, trennten wohl sieben ineinander verkeilte Streithähne schnell und sauber voneinander, zwei Frauen schrien noch vor Angst. Ein Großes Lob der Polizei. (Ich habe mit Absicht keine Fotos gemacht).

    Nachdem alles einigermaßen beruhigt war, stellten sich einige Unbeteiligte, dafür Besoffene, Bierflaschen schwenkend in sicherer Entfernung hin und provozierten die Polizei („Ich kenne den, der Deine Frau fickt!“). Die Beamten reagierten überlegen und ruhig, gingen auf die Deppen gar nicht ein. So schnell sie gekommen waren, waren die Beamten nach der Klärung wieder weg. Hochachtung!

    Gelblicht der Straßenreinigung, etwas Blaulicht der Polizei und dreier Rettungswagen (wohl nur Schnapsleichen). Und überall noch kleine Grüppchen Unermüdlicher in Feierlaune. Die Gespräche wurden deutlich lauter, die Bewegungen fahriger. Flaschenklirren.

    Irgendwann waren die einzigen Geräusche die der Straßenreinigung.

    Montags war alles wie geleckt.

    © Toge Schenck 2011

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  • egot24 20:46 am 21. May 2011 Permalink | Antworten
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    Linke auf dem Mehringdamm 

    21.05.2011

    Eine Woche nach der Demo der Rechten kamen die Linken. Angekündigt. Und wieder hatte ich das Glück, zumindest das Ende der Demonstration zu beobachten, nachdem vorher in der rbb-Abendschau verkündet wurde, dass diese Demo bislang friedlich geblieben war. Eine Stunde vorher hatten sie Parolen auf der Kreuzung Gneisenaustr./Mehringdamm gebracht, waren dann aber nach Süden gen Tempelhof gezogen.

    Plötzlich war die Demo vor unserem Haus: Polizeigebleitet, aber Polizei mit Helmen in den Händen, nicht auf dem Kopf und bei weitem nicht in der Menge wie letzte Woche:

    Aufschrift auf dem Transparent: Gegen Faschismus und Staatsgewalt.

    Eigentlich Blödsinn, denn was hat (unsere) Staatsgewalt mit Faschismus zu zun?

    Gemeint war (wie dann aus Sprüchen hervorging), dass man meinte, die Polizei dürfe eine Demo der Rechten erstens nicht gestatten, zweitens nicht schützen. Wie stellt sich die Antifa das vor? Einseitiges Verbieten? Entweder Demonstrationsrecht oder nicht! Wenn dann gegen herrschendes Gesetz verstoßen oder Gewalt angewendet wird, dann muss die Polizei (Staatsgewalt) einschreiten.

    Hier noch atmosphärische Aufnahmen (wenn auch unprofessionelle):

    Die Aufstellung der Polizei hatte schon eine andere Qualität als vorige Woche: Nachzulesen und zu schauen unter: Nazis auf dem Mehringdamm

    Dann wurde die Demo durch den Veranstalter beendet, es wurde zum ruhigen Heimgehen aufgerufen und es boten sich lockere Bilder:

    Zum Abschluss wurde noch ein vermutlich südamerikanischer Song gespielt, dann ging locker und lautlos die Demo in die Vergangenheit.

    Notwendiges Nachwort: Demo ist nicht gleich Demo. Aber alle Teilnehmer, Befürworter und Gegner sollten Ruhe und Respekt vor dem anderen bewahren. Um das zu gewährleisten ist die geschmähte Staatsgewalt in Form von Polizei dabei! Was wären die Bürger ohne Polizei? Hilflos ausgeliefert. Das war das Wort zum Sonntag.

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  • egot24 14:39 am 16. May 2011 Permalink | Antworten
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    Nazis auf dem Mehringdamm 

    14. Mai 2011

    OIOIOIOIOI, war heute am Mehringdamm was los!

    Samstag und mal schönes Wetter, wie man es sich wünscht, ich stand in meinem Erker und rauchte eine. Da sah ich den einen und anderen und sogar noch die nächsten Einsatzwagen der Polizei vorfahren. Einige versteckten sich hinter dem Finanzamt. Andere hielten auf dem Mehringdamm. Standen so rum. Ich ging kurz runter, um mir was zum Frühstück zu besorgen. Da  hatte sich vor unserem Haus und auf dem gesamten Mehringdamm etwas deutlich verändert. Alles voller Polizei, die Straße abgesperrt. Man hörte laute Rufe.

    Dann ging es richtig los: Lautsprecherdurchsagen, skandierte Sprüche. Und ich war mitten drin und konnte nichts sehen. Ich ging in Richtung der Geräusche, Richtung Finanzamt. Alles gesperrt, auch für Fußgänger und Radfahrer. Die skandierten Sprüche konnte ich nicht genau verstehen. Auf einmal waren wesentlich mehr Leute als vorher auf der Straße, es erschallten Rufe „Nazis raus!“ Ich entschied mich, wieder in meiner Erker zurückzukehren.

    Oben angekommen, machte ich die Fenster auf. Da kam eine Horde Radfahrer an, wild schreiend, hin zur mit Polizeifahrzeugen verbarrikadierten Fläche. Vor unserem Haus Unmengen Leute. Und immer wieder skandierte Sprüche, die ich auf die Entfernung nicht verstand. Ich sah folgendes:

    Genauer hingesehen, sah ich, dass sich, getrennt von einer Gitterabsperrung eine verhältnismäßig kleine Gruppe aufgeschart hatte, mit Berlin Fahnen in der Hand:

    Auf dem vorderen Transparent stand: „Wahrheit macht frei!“

    Neonazis, die so tun als ob sie Berlin vertreten (Fahnen). Gegenüber die anderen, schnell per SMS, Handy, Facebook etc. hinzugerufene Leute verschiedenster Couleur: Linke, auch normale Zuschauer aber auch „Autonome“, die eh auf Krawall aus sind. Hier in Kreuzberg (alles Linke und Grüne) wollen die Rechten demonstrieren? Reine Provokation. Die Polizei hat nun die Aufgabe, diese (von wem auch immer genehmigte) „Veranstaltung“ vor Übergriffen (besonders der Autonomen) zu schützen! Mitten unter den Nazis stand ein Lautsprecherwagen und verbreitete alte deutsche Lieder.

    Man sieht, sie stehen direkt am Eingang eines U-Bahnhofes. Plötzlich – wie auf ein Zeichen hin – rennen sie alle zum dortigen U-Bahnhofeingang und verschwinden darin:

    und kommen direkt wieder aus dem anderen Eingang raus:

    und sammeln sich vorm „Bierexpress“ und Curry 36:

    Damit hatte die Polizei nicht gerechnet und musste nun schnell handeln: DENN SIE MÜSSEN JA DIE RECHTSEXTREME DEMO SCHÜTZEN!!!

    Die Autonomen und alle, die gegen die Rechten waren, sind schnellstmöglich auch zu dem Punkt gelaufen, haben sich auch Reibereien mit der Polizei eingehandelt:

    Schließlich sah es so aus: Die Nazis mussten die Berliner Fahnen herunternehmen. Der Veranstalter sagte die Demo kurzfristig ab. Nur: Die Nazis kamen nicht weg, waren umzingelt von Leuten. Da baute die Polizei eine Gasse zum gegenüberliegenden U-Bahneingang, worin die Nazis sich zurückzogen, nicht ohne mit Tomaten und Plastikflaschen beworfen zu werden.

    Wir erfuhren dann, dass auf der U-Bahnstation die Leute aus einigen Zügen nicht aussteigen durften, die Züge wurden durchgewunken; in einen der nächsten kamen dann die Nazis rein. Keiner durfte in der Zwischenzeit in den Bahnhof oder aus ihm heraus.

    Hier noch ein Foto der Absperrkette:

    Kurze Zeit später war alles wieder Friede, Freude Eierkuchen, wir saßen drüben im Bierexpress, tranken uns einen und zählten die Tomatenflecken auf der Fahrbahn.

    Nachschrift: Von der Polizei erfuhr ich, dass es einige aggressive, gewalttätige Linke gegeben hatte, die wegen Flaschenwerfens und Schlägerei vorübergehend festgenommen wurden.

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  • egot24 02:18 am 20. January 2011 Permalink | Antworten
    Tags: , , Curry 36, Finanzamt, Konjunkturpaket 2, , Steuergelder   

    Berlin Kreuzberg, Finanzamt 

    Wer liebt schon sein Finanzamt? Man liebt seine Kinder, seinen Job und vielleicht auch seine Frau.

    Das Finanzamt ging mir nie durch den Kopf, keinen Gedanken verschwendete ich daran. Warum soll ich auch einen Gedanken an irgendein Amt aufbringen?

    Bis ich jemanden traf. Beim Bier in der Kneipe, natürlich im Bierexpress am Mehringdamm, direkt neben Curry 36. Erst hatten wir uns nix zu sagen, dann fing einer von uns an, über Wetter, das Bier oder waren es die Preise?

    Er erzählte, er lebe mit Blick auf das Finanzamt. Ein wunderschönes Finanzamt. Früher sei es eine Kaserne gewesen, ein schöner Bau mit Türmen und Schießscharten, ein Bau der Abwehr. Heute sei es eben Finanzamt, ein Bau der Einnahme.

    Es dauerte eine zwanzigstel Sekunde, bis ich den Witz verstand.

    Und er wohnte gegenüber, ständig den Blick darauf, auf seine Türme, dessen mittlere zwei Fahnenstangen beherbergten. Daran hingen, manchmal flogen sie auch, Fahnen. Die deutsche und die berliner Fahne, an allen Feiertagen, bei Staatsbesuchen und wichtigen Anlässen. Er habe sich immer gefreut, wenn die Fahnen im Winde wehten, wenn er aus seinem Fenster schaute; dann hätte er immer gewusst, ah, jetzt ist ein Feiertag oder ein Staatsbesuch. Und da das Finanzamt auf der Strecke vom früheren Flughafen Tempelhof zum Regierungsviertel lag, konnte er sicher sein, nichts zu verpassen. Zum Beispiel die langen Eskorten von Polizisten auf Motorrädern, irgendwo dazwischen ein schwarzes Fahrzeug (da saß wohl der Prominente drin oder es war ein Trick und der gefährdete Prominente war in Tegel gelandet und fuhr mit der U-Bahn zum Kanzleramt), jedenfalls gewann er dem Anblick des Finanzamtes mit seinen Fahnen einen Mehrwert (Finanzsprache) ab und genoss ihn.

    Er schaute mich an und ich sah, wie seine Stirn in Falten ging.

    Dann, sagte er, war es Herbst, Scheißwetter, das Finanzamt sah zum Kotzen aus, der Sturm rüttelte an meinen Fenstern. Da sah ich, wie einer der beiden Fahnenstangen im Sturwind wankte, was heißt wankte, sie schwankte hin und her, ich dachte schon, sie würde den Turm umreißen. Ich suchte die Nummer vom Finanzamt, ließ mich mit der Verwaltung verbinden, schilderte meine Beobachtung, sagte dass die nördliche Fahnenstange aber ganz bedrohlich schwankte und ich es ja nur gut mit dem Finanzamt meine.

    Er schwieg und zündete sich eine Zigarette an, da wir im ersten Stock des Bierexpress saßen, in der Raucherlounge.

    Er wartete auf mein UND? Als es nicht kam, erzählte er trotzdem weiter:

    Ab sofort wurden keine Fahnen mehr aufgehisst. Der Hausmeister hatte fahnenfrei.

    Nach drei Monaten aber geschah es, dass mein Bierkumpan beobachtete, dass drei Leute auf den Türmen herumkraxelten, wild gestikulierend, hoch und runter zeigend, Maßbänder zückend, wichtig auf diesen und jenen Punkt deutend.

    Was soll die Geschichte, die er loswerden will, dachte ich und bestellte mir automatisch noch ein Bier.

    Dann, sagte mein Kumpan, dann, nach weiteren zwei Monaten sah ich ein Batallion von Arbeitern auf dem Dach und dem Turm des Finanzamtes. Sie stoben nur so herum, einige bauten die Fahnenstangen ab, andere waren tüchtig mit anderen Dingen beschäftigt. Auf der Straße vor dem Finanzamt fuhr ein Kran auf. Er hievte zwei nagelneue Fahnenstangen hinauf und holte die alten herunter. Dann hievte er andere, zunächst unkenntliche Dinge hinauf.

    Er sah mich traurig an und bevor ich ihm ein Bier bestellen konnte, bestellte er selber eines.

    Langweilig? fragte er mich. Nein, um Gottes willen!

    Dennoch redete er weiter: Als es fertig war, was die da angestellt hatten, sah ich, dass zwei neue Fahnenstangen da standen und zwei Treppen mit Geländer, die vorher nicht da waren, damit man leichter an die Anknüpfungspunkte für die Fahnen kommt. Ich freute mich. Ab jetzt werde ich wieder Fahnen flattern sehen und wissen, es ist Feiertag oder Staatsbesuch!

    Wie fragend blickte er zu mir.

    Jetzt fragte ich: Und?

    Er machte eine Kunstpause und sagte dann: Seit drei Jahren sehe ich keine Fahne auf dem Turm. Die nördliche Fahnenstange wackelt bei Wind immer noch bedrohlich und rumort im gesamten Hause, die Treppen sind nie bestiegen worden, der Hausmeister hat lebenslang fahnenfrei. Dafür haben sie in der Zwischenzeit das Dach neu gedeckt und das gesamte Gebäude ein halbes Jahr innen und außen frisch renoviert.

    Dann sagte er resignierend: Das Konjunkturpaket II machte es möglich.

    Und – nach einer Pause: Kein Wunder, es ist ja das Finanzamt, da sitzt ja die Kohle.

    Komm, sagte er, ich lade dich zum Bier ein, irgendwie muss das ja über unsere Steuergelder wieder reinfließen! Ich habe das Finanzamt so geliebt!

    Leider habe ich ihn nicht wiedergesehen.

    Man hat mir später erzählt, er sei der ehemalige Hausmeister des Finanzamtes gewesen.

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  • egot24 02:09 am 16. January 2011 Permalink | Antworten
    Tags: , Curry 36, , ,   

    Curry 36 – Doppelfolge 

    Curry 36 (offizielle Version)

    In Kreuzberg, gleich am Mehringdamm
    da stehen tausend Menschen an,
    da trifft sich ganz Berlin
    und jeder muss dahin

    Die Currywurst ist so perfekt
    schon beim Gedanken daran leckt
    die Lippen einfach Jedermann
    die Würstchen kommen blendend an

    Ob Tag ob Nacht, die Lampen glüh’n
    und Massen sieht man dorthin zieh’n
    die Warteschlange reicht vom Stand
    viel hundertmeterweit ins Land

    Senf, Ketchup, Mayonnaise fließt,
    die Schaschliks werden aufgespießt,
    Mund wässrig, Augen quellen über:
    Das Curry-36-Fieber.

    Die Polizei, die Feuerwehr
    sie kommen zügeweise her
    die Bein’ im Bauche warten sie
    doch dann geht’s ab tataa-tatü

    Die warme Wurst, sie darf nicht kalten
    heiß muss sie bis zur Wache halten
    dafür ist jedes Mittel recht
    (doch schmeckt die Wurst auch kalt nicht schlecht)

    Auch Touri-Gäste, Notarztwagen
    sie halten, um für ihren Magen
    die beste Currywurst zu holen
    klasse Geschmack für wenig Kohle

    Und das Geheimnis dieser Küche?
    Nicht nur die würz’gen Wohlgerüche
    auch für die satten Sprüche preis ich
    das dufte Curry 36

    © Toge 2003

    Curry 36 (private Version)

    Heut Nacht, Berlin am Mehringdamm
    stand ich für Currywürstchen an
    Die schaffen dort sehr fleißig
    im Curry 36

    Die Wurst war gut, das Bier wurd’ warm,
    sprach mich ein Herr im Mantel an
    ob ich der letzte in der Reih’
    ich sagte, dass ich satt schon sei,

    dass ich die Wurst genossen.
    Ihn hat es nicht verdrossen,
    bestellte gleich der Würste drei
    mit Ketschup, es war schon halb zwei;

    ein neuer Tag, so dacht ich grade,
    da trank er seine Schokolade.
    Jetzt fängt mein neues Leben an,
    sagt er, und gleich darauf begann

    zu reden er, er sagt, er sei
    der Chef der Bundesdruckerei.
    Doch diese will man jetzt verkaufen
    und er will sich draufhin besaufen.

    Mit Schokolade? Aber ja!
    Denn Alkohol, der würde gar
    Vom Ösophagus die Varizen
    und somit ihn sehr tödlich triezen.

    Zu deutsch, da schwebt ein Blutgerinn-
    sel mitten ihm im Halse drin
    und tränke er jetzt Alkohol
    sofort ereilt der Tod ihn wohl

    Sein Hausarzt schrieb ihn heut malade
    und darum trinkt er Schokolade
    wovon genug gelagert, weiß ich
    hier gleich im Curry 36.

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    • android tablet asus 20:07 am 20. Juni 2012 Permalink | Antworten

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