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  • egot24 15:50 am 21. August 2011 Permalink | Antworten
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    Bierexpress am Mehringdamm 

    „Sind’se in Berlin, kommen’se zum Mehringdamm! Da erleben’se den weltbekannten Bierexpress, gleich neben dem Curry 36. Dufte Kneipe. Hier verkehrt alles mit Rang und Namen aber ebenso auch ohne beides. Nehmens’e mich. Hab ´nen Namen, aber keinen Rang. Will ja keinen benennen, aber hier war jeder schon. Selbst unbekannte Leute nehmen die Kneipe in Angriff. Und det zu Recht!“

    Dies schrieb ein unbekannter Autor schon vor vielen Jahren.

    Und ich kann dem nur zusprechen, die Kneipe lohnt sich, es ist immer etwas los, tolle Leute von hier, von dort, selbst aus Amerika, England, Kroatien und Russland kommen sie extra hierher. Hier treffen sie auf Publikum, von dem sie immer gedacht hatten, das gibt es nicht. Da sitzt mal ein Schauspieler neben dir, dann einer aus deinem eigenen Land, von überall her treffen sich die Menschen, um hier zusammen zu sein, zu reden, zu trinken, zu lachen. Und: Essen darfst du mitbringen, von nebenan, Curry36 oder von der anderen Seite: Mustafa’s Gemüsedöner oder sonst wo. Hier sein ist alles, kommunizieren kannst du so viel du willst. Kannst auch in die Wii-Lounge gehen und ein bisschen spielen oder von den Spielautomaten dein Glück fordern.

    Der zugereiste Inder spielt gerne am Automaten, der Spanier sitzt vorm Lokal unter der Markise und liest sein Buch, der Franzose hat sich eine japanische Frau angelacht und freut sich, wenn du beiden ins Englische übersetzen hilfst. Vor kurzem fragte mich freundlich ein Husky, wo denn sein Eskimo-Herrchen geblieben sei. All so was gibt es im Bierexpress. Tagtäglich, allabendlich, und sogar nächtlich.

    Dann noch die Geschichten, die die Einheimischen bieten:

    Hörenswert, fast schon lesenswert: Da knallt hier immer ein Typ rein, ziemlich unauffällig, mit roter Mütze und erzählt von einem rauschebärtigen „Taliban“, den er kennengelernt hätte, der Haban heißt und der sich hier in langem Mantel ziellos herumtreibt.

    Er spricht von aufkeimenden oder versinkenden Existenzen, die den Boulevard beleben.

    Es gibt Geschichten: Der Trinker, der hier sein Heil sucht, obwohl er es schon heillos vertrunken hat; die ehemalige Kiez-Größe, deren Krone schon lange in der Vergangenheit versunken ist, der sogenannte Professor, der seinen Titel nur seinem Erscheinungsbild zu verdanken hat und das Genie, das hier ständig aufläuft, um die wahren Werte seiner Unscheinbarkeit glorreich anzupreisen. Das gibt es zwar in jeder Großstadt, aber so, wie hier, am Mehringdamm in Berlin, ist das noch nie gesichtet worden. Und die Spitzen all dieser Größen treffen sich wo? Im Bierexpress. Kommste nicht drum rum. Biste mittendrin. Nun, alles gehört dazu. Kreuzberg ist keine Waschküche sondern ein Meltingpot, heißt wohl Schmelztiegel oder so.

    Hier treiben sich Leute herum, von denen Sie noch nie gehört haben und Leute, die Sie aus dem Fernsehen kennen oder sogar aus der Politik. Alles Berliner. Oder gewordene. Wer in Berlin lebt, wird schnell ein Berliner, wer in Kreuzberg lebt, wird noch schneller Kreuzberger. Weil Kreuzberg gut tut. Und was gut tut, merkt schnell ein Tourist und fühlt sich wohl. Besonders im Bierexpress.

    Traf ich vor kurzem hier draußen einige Iren. Die saßen da und tranken. Nach einiger Zeit hatten sie Hunger (was ja verständlich ist). Sie fragten, ob es etwas zu Essen gäbe. Nein, meinte die freundliche Bedienung. Nebenan! Sie meinte entweder Curry 36 oder Mustafa’s Gemüsedöner. Freundlich, wie Iren nun mal sind, fragten sie, ob sie sich was holen könnten und hier weiter trinken. Wie lautete wohl die Antwort? Nun: Jawohl! Die Iren blieben, bis die Tische hochgestellt wurden, lachten und sangen Lieder, deren Texte keiner verstand, aber deren Inhalt durch das gesteigerte Gelächter immer zweideutiger, mir dadurch klarer wurde.

    Bierexpress ist einzigartig! Und wer es nicht glaubt, soll einfach mal herkommen! Die Zeit ist reif! Übrigens nennt man den Kreuzberger „Bierexpress“ in Texas schon „BX“. Let’s go!!!

    Und morgen sitzt hier vielleicht die weltberühmte Sängerin Anna N. mit einer Currywurst. Wollen Sie da fehlen?

    Bierexpress am Mehringdamm. Das ist die Adresse. Taxi und U-Bahn direkt vorm Haus. Tolle Cocktails gibt es auch noch – und wenn Sie wollen, ein erfrischendes Gespräch mit der Wirtin.

    -weitere Geschichten-

     
  • egot24 13:40 am 15. June 2011 Permalink | Antworten
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    Karneval der Kulturen am Mehringdamm 2011 

    Ein spezieller Ein- und Ausblick von oben.

    Es war schon heftig, die Musik von gegenüber, von nebenan, von rechts und links, von dort und da – alles auf  „unserem“ Mehringdamm, dem „Ku’damm von Kreuzberg“. Die letzten Jahre war der Mehringdamm am Pfingstsonntagnachmittag zwar auch für den Verkehr gesperrt und war als Zwischenspurt zwischen dem Festplatz und der Umzugsmeile genutzt. Sicher hatte der eine oder andere anliegende Gewerbetreibende ein paar Cocktails angeboten, ein bisschen eigene Musik vorm Haus, da stand auch mal ein Eiswagen.

    Der Mehringdamm war noch befahrbar, die Massen strömten von der U-Bahn zum Festplatz, dem Blücherplatz. Wie jedes Jahr.

    Etwas war jedoch anders:
    Der Spätkauf des Metropol Hostel baute auf der Ecke links in der Einfahrt neben dem Finanzamt ungeheure Mengen Alkoholika auf, hinter der Einfahrt rechts baute ein wohl Privater ein Musikzelt und meterweise Getränkeangebote auf, auch ein Grill qualmte, wie nur ein Grill qualmen kann. Laute Musik erscholl aus der Einfahrt.
    Samstag war in der Einfahrt große Party.

    Sonntag: Gegen 14:00 Uhr wurde –wie jedes Jahr- die Kreuzung Mehringdamm gesperrt, aus den U-Bahnstationen quoll jede Menge Schaulustiger, um sich an der Umzugsmeile Gneisenau-/Yorckstraße noch ein Plätzchen zu sichern.

    Das Gewusel der Leute nahm zu, einige gingen zum Festplatz andere kamen zurück, alles ganz entspannt. Immer mehr Bierflaschen in den Händen immer jüngerer Leute, Zeitgeist, Zeitungeist – wer weiß. In Holland ist das verboten und wird schwer geahndet, wie uns Holländer erzählten.

    Sonntagmittag bahnte sich etwas Neues an:

    Zusätzlich zur Einfahrt wurden nun ca. 20 m Tische entlang des Finanzamtes aufgebaut, Kisten geschleppt, zwei Grillstationen angeschlossen, Fähnchen gehängt.

    Das Gedränge nahm zu, ebenso der Lautstärkepegel der Musikanlagen gegenüber. Bald sollte noch ein anderer Pegel steigen, einige begannen schon mit der Einleitung, manche mögen ihn auch schon jetzt erreicht haben.

    Eine solche Party wie hier gegenüber, gab es noch nie – die Straße war voll wie noch nie.

    Die Straßenreinigung sollte um die Situation seit Jahren wissen, sie hätte vielleicht vorsorglich einige große Müllcontainer aufstellen können. So aber sind alle Müllbehälter überfüllt, der Abfall liegt am Boden und wo schon was liegt, wird kräftig dazugeworfen. Viele suchen ja nach Abfallbehältern, aber wenn keine da sind . . .

    So sah es gegen 17:00 Uhr aus:

    Nein, mit der Lautstärke hatten (wir zumindest) kein Problem. Doppelfenster mindern. Und wir wissen schließlich, wo wir leben. Anders die Neuzugezogenen. Sie wollen mitten in einem tollen Kiez leben, aber ihre Ruhe haben. Sie sind für Lebendigkeit, aber nur dann, wenn sie es wollen. Da werden hier im Kiez Altbauwohnungen saniert und als Eigentum verkauft. Die Käufer hören von dem tollen Kiez, sollten sich vielleicht auch informieren, was und wie es da zugeht, aber nein, sie kommen z.B. aus Schwaben und wollen ihre schwäbische Ruhe im aufregenden Kiez. Kannste nix machen. So sind die Leute.

    Letztlich ist es unbeschreiblich, was sich hier – unweit vom Festumzug (ca. 90 Meter entfernt) abspielte.
    Es war eine Partymeile für sich, was sich in diesem Jahr hier entwickelte.
    Auch zum Festplatz hin strömten noch die Leute:

    Party en Gros, der Mehringdamm nicht mehr nur Zulaufsteg zum Umzug, sondern ein erheblicher Erlebnis- und Spaß-Laufsteg, der den Umzug gar nicht brauchte, für sich selber feierte und den grandiosen Festumzug einfach 90m links liegen ließ. Die Wogen tanzten im Hof des Finanzamtes, immerhin zu hörenswerter Musik und nicht das andauernd dumpfe DUM-DUM-DUM-DUM, wie es die Love-Parade stundenlang bereithielt.

    Streetdancer und Akrobaten nutzten den Platz auf dem Mehringdamm und boten ein tolles Programm, auch eine junge Dame mit Fußball zeigte ihr ballartistisches Können:

    Mit Braekdance, akrobatische Kunststücken, Artistik vom Feinsten unterhielt die Gruppe mit nur kurzen Pausen stundenlang das Publikum. Hoffe, sie fanden genug Anerkennung im herumgereichten Hut.

    Immer neue Straßenhändler gesellten sich dazu, jeder wollte einen schnellen Euro verdienen:

    Gegen 20:00 Uhr war die Party gegenüber heißgelaufen, der Müll tat sein Bestes, sich zu verbreiten:

    Mehringdamm voller Leben.

    Und die Flaschensammler hatten alle Hände voll zu tun:

    Das Wetter war gut, die Stimmung noch besser und so ließ man sich häuslich nieder, tratschte, sang und verbreitete gute Stimmung.

    Viele blieben bis spät in die Nacht.

    Einige vom Umzug suchten noch einen Umtrunk:

    Den fanden sie ganz bestimmt noch.

    Jetzt wurde es dunkel, aber feiern kann man auch dann. So taten es noch einige.

    Mal kurz aus dem Fenster geschaut (01:56): Jede Menge noch los, keine Volksaufläufe mehr, eher Gelblicht der Straßenreinigung, Blaulicht von Polizei und Rotkreuzwagen (wohl Schnapsleichen), Menschen, die von Hand die Fußwege vom Müll befreien.

    Je später die Nacht, desto promilliger, ach was, prozentiger die Dauertrinker.

    Und schon gab es Zoff! Geschrei direkt vorm Haus. Ich konnte beobachten, wie die Polizei geschwind auf den Herd des Geschehens zulief: „Spätkauf 36“, der kästenweise Bier vor der Haustür verkauft und – natürlich – Caipi.

    (Wie die zu ihrem Namen kamen, ist unklar, weder ist es die Hausnummer 36 noch der Stadtteil „Kreuzberg 36“, vielleicht in Anlehnung an „Curry 36“?).

    Genau beim „Spätkauf 36“ hatte sich eine Gewaltaktion entwickelt. Ein BRAVO für unsere Polizei, ca. zwölf Beamte (Abteilungen A2, A3) waren rasch zur Stelle, trennten wohl sieben ineinander verkeilte Streithähne schnell und sauber voneinander, zwei Frauen schrien noch vor Angst. Ein Großes Lob der Polizei. (Ich habe mit Absicht keine Fotos gemacht).

    Nachdem alles einigermaßen beruhigt war, stellten sich einige Unbeteiligte, dafür Besoffene, Bierflaschen schwenkend in sicherer Entfernung hin und provozierten die Polizei („Ich kenne den, der Deine Frau fickt!“). Die Beamten reagierten überlegen und ruhig, gingen auf die Deppen gar nicht ein. So schnell sie gekommen waren, waren die Beamten nach der Klärung wieder weg. Hochachtung!

    Gelblicht der Straßenreinigung, etwas Blaulicht der Polizei und dreier Rettungswagen (wohl nur Schnapsleichen). Und überall noch kleine Grüppchen Unermüdlicher in Feierlaune. Die Gespräche wurden deutlich lauter, die Bewegungen fahriger. Flaschenklirren.

    Irgendwann waren die einzigen Geräusche die der Straßenreinigung.

    Montags war alles wie geleckt.

    © Toge Schenck 2011

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  • egot24 11:40 am 27. January 2011 Permalink | Antworten
    Tags: , Kneipe, ,   

    Yorckschlösschen 

    alles ist voll, verrucht, verraucht,

    die Kneipe ist am Bersten

    das, was der Mensch so manchmal braucht

    findet er hier am ersten:

    Tratsch, Weiber, Alkohol und Jazz

    Walküren, Pomeranzen,

    und wird’s ihm heiß unterm Gesäß

    dann schwingt er’s Bein zum Tanzen

    da gibt’s den Arzt, den Philosoph,

    den Stänkerer, den Stieren,

    man streitet übers Apostroph

    und lästert bei den Bieren

    und ist die Nacht verdampft im Schwall

    unzähliger Geschichten,

    wir woll’n nicht geh’n! auf keinen Fall!

    ein letztes Bier noch sichten!

    steht dann das letzte Bier bereit

    und sagt uns: „Auf! Verzichten!“

    da stellen wir die Beine breit

    und sagen: „Nein! Mitnichten!“

    doch! greift uns Flügelpaargefieder

    dann gehn wir heim

    und ganz geheim

    im Zimmer greifen wir zur Feder

    und wie von wolkenem Katheder

    entzünden wir die schönsten Lieder!

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  • egot24 17:00 am 17. January 2011 Permalink | Antworten
    Tags: Comedy, Ein Sommernachtstraum, Fiktion, Jugendtheater, Komödie, Pyramus, Schülertheater, Shakespeare, , Thisbe, Zettels Traum   

    Ein Sommernachtsgraun 

    (frei nach Shakespeare) © Toge Schenck 1982
    anlässlich der Aufführung einer Jugendbühne

    Personen:

    Hein Bruch – Glaser
    Nikolaus Zettel – Drucker
    Fränzi Pneu – Reifenprofilierer
    Friedrich Flick – Schneider
    Thomas Schwitz – Schweißer
    Holger Span – Schreiner

    VORSPIEL

    Zettel: Mein lieber Span, lass es Dir sagen, nur die Kunst macht aus uns wahre Menschen. Alle Probleme eskalieren ins nichts vor ihr, sie ist ein wahres Refektorium, zugleich forciert sie uns aufs neue.

    Span: (stottert) D-du hast l-leicht reden.

    Zettel: Ja, Reden ist meine Passionierung, meine Leidenschaft.

    Span: Mi-mir scha-schafft es n-nur L-leiden.

    Zettel: Wenn Du ho-ho-hobeltest, wie Du sprichst, wärst Du ein schlechter Schreiner. Wie geht’s Geschäft?

    Span: Besch-besch-bescheiden.

    Zettel: Wie bei mir. Das Druckerhandwerk ist zum Tode verurteilt. Denn, wie der Dichter sagt:

    Wer schon ein Buch hat, kauft sich keines mehr.
    Wer jetzt noch schreibt, der lässt es besser bleiben,
    denn durch den Rundfunk und den Fernseher
    erfährt man so und so, was Leute treiben.

    Na, wie war ich?

    Span: Besch-besch-beschämend gut.

    Zettel: Sicherlich. Aber was nützt mir eine artifizielle Tendenz, wenn sie sich nicht explodieren kann vor einem unmäßigen Publikum, was nützen die schönsten Perlen, wenn sie keiner einzigen Sau vorgeworfen werden? Lass uns ein Theater gründen!

    (Geräusch zersplitternden Glases)

    Ah! Der Glasermeister. Schon von weitem glasklar zu erkennen.

    Auftritt
    Bruch: Zum Teufel, dass ich mich auf ein solches Handwerk einließ. Ich hätte Schreiner werden sollen, wie Du, Span.

    Zettel: Kein Mensch könnte dann durch Deine Fenster hindurchsehen und Du würdest auf ihnen sitzen bleiben, Bruch.

    Span: D-d-da hat er recht.

    Auftritt
    Pneu: Was war das für ein Höllenlärm? Ach so, Bruch! Seid gegrüßt. Span, Zettel. Wieder auf der Suche nach einer Muse? Nach welcher heute?

    Zettel: Nach einer die mich unanständig, äh – unablässig küsst.

    Bruch: Wie wärs mit Thalia?

    Span: Kenn ich die Da-dame?

    Bruch: Wohl kaum, die Musen lebten im alten Griechenland.

    Span: Und solch a-alte Scha-scha-schachtel will er kü-küssen?

    Zettel: Durchaus, denn solch ein Kuss, der transpiriert enorm. Und da wir alle künstliche Handwerker sind, beschloss ich, auf die Idee zu kommen, wir bilden ein theatralisches Theater.

    Bruch: Na, der Kuss hat gesessen!

    Pneu: Nicht schlecht. Wir brauchen nur ein Stück.

    Zettel: Ein Stück und auch ein Publikum!

    Pneu: Bruch, hast Du nicht neulich erzählt, Du hast ein Stück verfasst?

    Bruch : Nun ja, eher ein Stück-chen – zu meiner Schulzeit . . . Doch ist mir die Idee, noch bevor ich sie hatte, schon gestohlen worden, von einem englischen Dichter.

    Zettel: Egal – wir führens auf!

    Span: Und wa-wann? und w-wo? und vor we-wem?

    Zettel: Ich habe gehört, in interpolierter Kürze trifft sich hier ein Publikum – ganz zufällig – und vielleicht können wir ihm, wenn es sowieso schon da ist, das Stück heimlich vorführen?

    Bruch : Das klingt vernünftig. Versuchen können wir es.

    Span: In Kürze, da-das ist ja schon ba-bald! Wie sollen wir das schaffen?

    Zettel: Wir verteilen heute noch die Rollen, geht das, Bruch?

    Bruch: Das geht. Wir brauchen noch zwei Schauspieler dazu. Vorschläge?

    Zettel: Ich kann auch Doppelrollen spielen. Mein Talar reicht für zwei!

    Bruch: Im Stück kommt keine Doppelrolle vor!

    Zettel: Ich mach auch die Regie!

    Bruch: Die kommt im Stück auch nicht vor. Zwei Schauspieler noch!

    Pneu: Wie wärs mit dem Schneider Friedrich Flick, der ist sehr gut im Verstellen und macht skandalöse Szenen.

    Bruch: Gut. Flick nehmen wir.

    Pneu: Dann wäre da noch Thomas Schwitz, der Schweißermeister, der hat ein ausgeprägtes Rollenverhalten, außerdem kann er ausgezeichnet den Dummen spielen wenn’s drauf ankommt und im Mimen von Kranksein macht er uns allen etwas vor.

    Bruch: Einverstanden. Ich schreib ihn auf die Liste. Span, du sagst den beiden Bescheid, wir treffen uns in zwei Stunden hier zur Rollenverteilung.

    Span: (stottert) Ich glaube, es ist besser, du machst das selber, denn ich schaffe das nicht in der kurzen Zeit.

    Bruch: Hast recht.

    alle ab bis auf:

    Zettel: Ich mach auch die Dramaturgie, das dramatische Element hat mich schon immer drangsaliert und aspiriert. Mein entymologisches Sprachgefühl ist mir implanat und drängt spontan und ambulant aus mir heraus.
    Der Reim ergibt sich mir profan
    die Sprache hats mir angetan
    die Wortwechsel sind penetrant
    im Referiern bin ich galant
    im Profundieren auch charmant
    im Coloriern sehr obsolet
    das Performiern mir bestens steht.
    Ich kann den Tölpel wie den Held
    katastrophieren wies gefällt
    die Stimm erheb ich katatonisch
    im Leisen bin ich telefonisch
    das Lispeln züngelt sich brachialisch
    im Wispern stamml ich bestialisch
    die Gesten drängen spastometrisch
    die Mimik zeigt sich unfrenetisch
    im Sprunge zeigt sich apokryph
    nomenklaturisch wie ich lief
    wenn einer Alles kuliniert
    ist er fürs Schauspiel präforiert

    (ab)
    -Ende Vorspiel-

    Akt 1:

    Bruch: Sind wir alle da?

    (Rufe: Ja, ich bin da, ja, ich, ich auch!!)

    Zettel: Halt, so geht das nicht! Ich präponiere, wir annoncieren uns interpunktuell und-

    Bruch: Herr Druckermeister Zettel! – Bitte!!

    Zettel: Also, ich schlage vor, wir haken uns gleich- und gegenseitig auf der Liste ab, damit jeder, der nicht präsentiert, also nicht da ist, sich zu erkennen gibt.

    Bruch: Hier ist die Liste, die jeden nennt, der geradezu geeignet ist, im Festspiel mitzuspielen, das wir am Feierabend – das heißt, am Feiertage abends – aufführen wollen.

    Zettel: Doch erst und primär, lieber Glasermeister Bruch, kündige uns im Abfluß die Handlung, dann rufe die Namen derer, die dort agitieren und komm zu Stuhl.

    Bruch: Die jammernswerte Komödie von Pyramus und Thisbe mit greulicher Todesfolge.

    Zettel: Ein starkes Stück, und ich assimiliere, es ist ein lächerliches dazu.
    Nun ernenne die jämmerlichen Mitwirker. Meister, verbreitert euch.

    Bruch: Antwortet, wie ich rufe. Nikolaus Zettel, der Drucker.

    Zettel: Deklassiert mir die Rolle und dann apostrophiert weiter.

    Bruch: Du spielst Pyramus.

    Zettel: Oh! Wer ist Pyramus. Ein Liebhaber oder ein Verbrecher?

    Bruch: Ein Liebhaber, der mörderisch liebt und sich höflich ersticht.

    Zettel: Wenn ich das akkumuliert spiele, wird das Tränen fördern, und wenn ich dabei voll interveniere, muss das Publikum seine eigenen Augen fixieren: Ich werde Stürme ausüben und massiv lamentieren. . . Jetzt zu den anderen. Doch meine Protenz ist mehr tyrannischer Natur: Als Herkules brillierte nur so mein kostbares Genie. Oder in einer Rolle, die alles kurz und klein schlägt.
    „Wie ein Felsen zitternd rüttelt
    und das Schloss im Gitter schüttelt,
    es erbricht – und unvermittelt
    öffnet trübes Kellertor,
    so bereist am Strahlehimmel
    galoppieret Phöbus‘ Schimmel
    laut und leise mit Gebimmel,
    bringt den Tagesheld hervor.“

    Das war saftig! – Jetzt ernenne die restlichen Aktionäre. Das war eines Helden bürtig – ein Liebhaber ist immer bedauerlich.

    Bruch: Fränzi Pneu, der Reifenpolierer!

    Pneu: Hier, Herr Bruch.

    Bruch: Du mußt es mit der Thisbe aufnehmen.

    Pneu: Wer ist Thisbe? Ein streitsüchtiger Ritter?

    Bruch: Das ist das Mädel, das Pyramus lieben muss.

    Pneu: Nein, bitte keine Weiberrolle, mir kommt doch gerade der Bart!

    Bruch: Dem tut das nichts. Du wirst mit einer Maske spielen und kannst Sopran sprechen wie du willst.

    Zettel: Wenn Masken kontaminieren, lass mich die Thisbe auch spielen! Ich kann unverschämt fein reden, gebt Obacht: „O Pyramus, Geliebter mein, hier ist dein liebes Thisbilein!“

    Bruch: Um Gottes willen! Du musst unbedingt bei Pyramus bleiben, Pneu bei Thisbe.

    Zettel: Nun gut. Nun referenziert weiter.

    Bruch: Friedrich Flick, der Schneidermeister!

    Flick: Ja?

    Bruch: Für dich ist Thisbes Mutter. – Thomas Schwitz! Der Schweißermeister!

    Schwitz: Ja doch, hier!

    Bruch: Du machst Pyramus‘ Vater, ich selbst bürde mir Thisbes Vater auf. Wo steckt der Schreinermeister Span? Du hast den Löwen auf der Rolle. So, ich glaube, das Stück ist untergebracht.

    Span: (Stottert) Hast du den Text vom Löwen aufgeschrieben, bitte gib ihn mir, ich lerne so langsam.

    Bruch: Das kannst du improvisieren, es ist nichts als Brüllen.

    Zettel: Ich kann besser impromovieren. Lasst mich den Löwen auch noch spielen! Ich will brüllen, dass jeder vor Glück stirbt, ich will brüllen, dass es dem Publikum nach mehr verlangt und es deklariert: „Noch mal brüllen, noch mal brüllen!“

    Bruch: Wenn du das allzu fürchterlich machst, verschreckst du die Damen!

    Span: (Stottert) Das wäre unverantwortlich

    Bruch: Span macht den Löwen.

    Zettel: Aber ich kann meine Stimme so fokussieren, das ich sanft wie ein säugendes Täubchen brülle, ich will brüllen wie eine Nachtigall.

    Bruch: Du kannst außer Pyramus keine andere Rolle spielen, denn Pyramus hat ein hübsches Gesicht, ist ein netter Kerl, der dem Sommerabend gut zu Gesicht steht, ein lieblicher Frauenheld. Du siehst, die Rolle ist dir auf den Leib gedrechselt.

    Zettel: Gut, ich spiele sie. Aber in welchem Bart lege ich sie an?

    Bruch: Ganz wie du willst.

    Zettel: Dann werde ich ihn im strohfarbenen intimieren, oder im dreckig-orangenen, oder im ketchupfarbenen, oder im zitronen-senf-farbenen.

    Bruch: Sieh nur zu, dass dir nicht vom Färben die Haare ausgehen und du mit nacktem Kinn dastehst. – Also, Leute, hier sind eure Rollen und ich bitte, ersuche, ermahne euch, flehe euch an, sie bis morgen Abend auswendig zu lernen. Wir treffen uns hier bei Mondschein zur ersten Probe.

    Zettel: Ich konstituiere inzwischen eine Liste aller obligablen Requisiten.

    Bruch: Ich bitte euch, seid pünktlich und lasst mich nicht im Stich.

    Zettel: Wir werden uns ad hic präsentieren und dann wird eine Probe abheben, dass der Mond obszön wegschaut. Gebt euch Mühe seid perfektionär! Jetzt heißt es: bieg oder brich!

    Akt 2:

    Zettel: Seid ihr alle da?

    Bruch: Bis aufs Haar. Der Platz ist bestens geeignet für die Probe, ein Prachtstück von Bühne. Die Spieler kommen von dort, und wir werden jetzt alles genau so ablaufen lassen, wie vor dem hohen Publikum später.

    Zettel: Herr Bruch – wenn es konvertiert –

    Bruch: Was willst du denn, du Sprechmaschine?

    Zettel: Ich will aussprechen, was nicht anspricht in dem Pyramus-Stück: Selbiger Pyramus soll sein Schwert ziehen, um es kunstfertig und morbid in sich selber zu versenken (laut Ovid). Doch wird das den Damen kaum konzertieren. Was hast du darauf zu retournieren?

    Bruch: Donner und Dorette, ein glitschiger Punkt.

    Span: (stottert) Ganz einfach: Wir lassen das Totmachen weg!

    Zettel: Elimentieren? – Keine Silbe! Mir prozessiert eine ganz neue Idee: Entwerfen wir einen Prolog und lassen ihn dementieren, dass unsere Schwerter keiner Fliege was zu leide tun können und dass Pyramus ja gar nicht wirklich stirbt, besonders nicht, wenn wir versichern, dass ich, Pyramus, gar nicht Pyramus bin, sondern in Wirklichkeit Nikolaus Zettel, der Drucker. Das wird ihnen die Furcht verscheuchen.

    Bruch: Gut, Verfassen wir einen solchen Prolog – in Versen und Reimen?

    Zettel: Nicht doubeln, Verse genügen!

    Span: (stottert) Ob die Damen sich nicht doch vor einem Löwen ängstigen?

    Schwitz: Den Verdacht habe ich auch.

    Zettel: Du bist immer gleich so verdächtig! Also gut, ventrilieren wir das ganze in Ruhe: Überlässt man die Damen einfach dem Löwen, könnte Weißgottwas geschehen, denn es gibt kein sittenwidrigeres Wildbret als den Löwen, zumal lebendig. Man muss mit allem rechnen.

    Schwitz: Ganz einfach: Ein zweiter Prolog sagt, dass es kein Löwe ist.

    Zettel: Besser, man nennt seinen Namen, und sein Gesicht ist im Schlund des Löwen sichtbar und er versucht so oder so den Irrtum zu konzidieren „Gnädige nächtliche Damen“ oder „Schöne, reichhaltige Damen, ich möchte nicht versäumen, dass sie etwa vergessen und Angst verspüren, denn ich gäbe mein Leben darum. Wenn sie glauben, ich wäre schon als Löwe zur Welt gekommen, wäre es das Ende meines Lebens. Nichts dergleichen bin ich ein Mann, und Männer kennen Sie bereits“. Dann stellt er sich vor und empfiehlt sich als Schreiner.

    Bruch: So kann man es machen. Doch gibt es noch zwei harte Nüsse zu knacken: Wie bekommt man den Mond auf die Bühne, denn Pyramus und Thisbe sollen sich im Mondschein begegnen.

    Span: Scheint der Mond noch, wenn wir spielen?

    Zettel: Einen Kandelaber, einen Kandelaber!

    Flick: Ja, genau! Im Kandel-, im Kalender steht, er scheint am Abend.

    Bruch: Gut, dann lassen wir denn Vorhang offen und geleiten den Mond hinein.

    Zettel: Man könnte aber auch jemanden in der Maske eines Dornbuschs expellieren lassen, mit einer Laterne in der Hand, der sich zum Entsteller des Mondes erklärt und postuliert sich stationär.

    Bruch: Dann ist aber auch noch dieser Punkt: Wir brauchen eine Mauer auf der Bühne, denn Pyramus und Thisbe lieben sich durch den Ritz in einer Wand.

    Schwitz: Im Leben nicht, schaffen wir’s, eine Mauer auf die Bühne zu tragen!

    Zettel: Einer von euch muss die Wand präventieren, und hat er sie richtig verputzt mit Leim und Mörtel, ist sie vergegenwärtigt. Dann soll er mit den Fingern seinen Schlitz aufhalten, wodurch die beiden flüstern können.

    Bruch: So könnte es seine Ordnung haben. Stellt euch hierher, ihr Ausgeburten eurer Mütter und probt eure Rollen. Pyramus, du beginnst. Wer seinen Text aufgesagt hat, geht nach hinten, woher ihr auch auftretet nach eurem Stichwort. Pyramus und Thisbe, kommt vor.

    Pyramus: „Wie blütensüß dein Atem zu mir stinkt“

    Bruch: Dringt, Junge! Dringt!

    Pyramus : „. . . . . . dein Atem zu mir dringt. Ich sehn mich nach dem Arm der mich umschlingt. Ich höre eine Stimme hinter mir. Ich geh mal weg und bin gleich wieder hier.“ (ab)

    Thisbe: Bin ich jetzt dran?

    Bruch: Ja sicher bist du. Verstehe: er geht nur ab, um sich einen Krach anzuschauen, den er hörte, und kommt dann wieder.

    Thisbe: „Berauschter Pyramus in weißer Lilien Pracht,
    du rosenrote Nelke, hängst am Strauch
    wie eines Steinmetz Bild zum Preis der Nacht.
    Du bist ein Pferd so treu und gut im Bauch.
    Ich treff dich Weib, beim Barte des Propheten. . .“

    Bruch: Halt! Stop! „Beim Grabe des Propheten!“ Aber das ist nicht dein Text, Kerl, das sagt doch Pyramus zu dir. Du haspelst das Stück in einem hinunter, springst in andere Rollen. Pyramus, he, Zettel! Dein Auftritt, das Stichwort war schon längst: „treu und gut im Bauch“

    Pyramus: Ich bin schon da! Doch Meister Bruch
    fürs Erste ist es hier genug
    Der Platz ist nicht stellar belaubt
    Die Tropfen prallen mir aufs Haupt
    Wenn ihrs nicht merkt, so also wisst
    dass es aus vollen Kannen pi-nkelt
    die Haare stehn mir abgewinkelt
    mir schlottert schon mein Beingerüst.
    Lasst uns im Hüttchen weiterproben
    Nicht nur das Gute kommt von oben.

    Bruch: Wolln wir hoffen, dass in einer Stunde der Wetterdienst die Wolken verschoben hat, sonst findet sich nie und nimmer ein Publikum ein.

    alle ab

    Akt 3:

    Alle kommen lärmend auf die Bühne, Zettel sieht auf seine Armbanduhr.

    Zettel: Verdammt, der Wecker hat Regen inhaliert! Vielleicht ist mehr als eine halbe Stunde intraveniert! (Blickt gegen Scheinwerferlicht ins Publikum)
    Stop. Ruhe. Mich fleucht, das Publikum ist bereits präventiert.
    Da sitzen doch Leute oder interniert mich das grelle Licht?

    Bruch: Richtig. Das scheint das angesagte Publikum zu sein, das rein zufällig hier heute anwesend sein soll. Sagte ich es euch nicht?

    Span: Pu-Pu-Publikum? Schei-scheint so als sitzt es schon da.

    Zettel: Reversiert euch, zurück hinter den Auftritt, vielleicht haben sie uns noch nicht insistiert.

    Schwitz: Bestimmt nicht, denn wenn wir sie kaum sehen, wie sollen sie uns sehen bei so viel Gegenlicht.

    Bruch: Zettel, es wird Ernst! Du beginnst. Mit dem Prolog.

    (alle ab bis auf)

    Zettel: Verflixt, den wollte ich noch auswendig expirieren, bevor das Publikum kommt. Nun habe ich ihn nur partinös, marginell im Präsens.
    Ich muss ihn ablesen.

    (Bruch macht ein Zeichen)
    Moment. Ich muss mich nur kurz exsculptieren

    (zieht einen Zettel aus der Tasche und blättert ihn umständlich auf)
    Mein Name gewinnt an Gestalt.

    1.Prolog

    Zettel: Wenn wir mißfallen ist‘s aus gutem Willen
    Wir meinen‘s äußerst gut mit euch Auch nicht
    die kleinste Freude soll euch fehlen im Stillen
    hoffen wir daß euchs am Spaß gebricht
    zu keiner Zeit seid ihr mit Lust gefüllt
    es fallen auch die Tränen, werdet sehn,
    das Künstlerauge strahlt, es hat erfüllt.
    Verführet steht ihr da Und das Verstehen
    versteht sich selber Daß wir fertig sind
    zeig ich euch hiermit an Wer wagt, gewinnt.

    (Zettel in den Hintergrund – Bruch Auftritt, die anderen neben Zettel)

    2.Prolog

    Bruch: Macht euch die Neugier glühn, was dort geschieht?
    Ich klär euch auf, damit ihr nicht erschreckt.
    Der da ist Pyramus, wie man leicht sieht,
    und Thisbe ist im prächt‘gen Kleid versteckt.
    Der Herr mit Leim und Mörtel voll behängt,
    ist Wand, und hat das Liebespaar zu trennen.
    Ihr Schlitz ist jene Hand die so verrenkt,
    durch den sie Dinge stammeln, die den Mund verbrennen.
    Der Busch mit Arm und der Laterne dran – seht auch den Hund!,
    der Busch ist ihm vonnöten –
    verewigt Mondenschein, denn der vernahm die Liebenden
    beim Grabe des Propheten.
    Doch dort, ein ungetümer Löwe scheucht – weil sie allein, noch ohne ihren Held – klein Thisbe fort, sie trippelt und entfleucht, worauf ihr Mantel, plumps, zur Erde fällt.

    Jetzt kaut das blutge Maul vom Löwen stumm
    mit Wollust auf dem teuren Mantel rum.
    Dann findt jung Pyramus die Fetzen rot
    und glaubt vertilgt die Thisbe treu und brav,
    drauf säbelt er die Brodel-Brust sich tot
    und Thisbe kommt und glaubt, sie sieht nicht recht
    greift seinen Dolch und fällt in ewgen Schlaf.
    Dies alles zeigen euch in aller Breite
    im Spiel und in der Rede diese Leute.

    SPIEL

    Wand: In diesem Spiel ist es vonnöten,
    daß ich, Schwitz, muß die Wand vertreten.
    Und diese Wand, das merkt euch bitte,
    hat auch ein Loch in ihrer Mitte,
    wodurch die Thisbe und der Pyramus
    versuchen neben Flüstern manchem Kuß.
    Der Mörtel, auch Bewurf genannt,
    versichert euch: ich bin die Wand.

    Und meine Finger ich so halt,
    damit ihr seht, das ist der Spalt.

    Pyramus: O Nacht, O Nacht, so schwarz verfärbt, du bist immer nur dann da, wenn der Tag nicht ist! O Nacht, aach Nacht, so höre meine Bitte:
    Vernäh‘m ich doch schon Thisbes Trippelschritte!
    Und Wand, O Wand, du lieb – und süßlich Wand!
    Warum mußt man dich hierher grade baun?
    O Wand, reich mir die staubge Mörtelhand,
    zeig mir dein Loch, denn ich will dich durchschaun.
    O liebste Wand, bist mir das beste Stück!
    Ich seh etwas! Doch Thisbe seh ich nicht.
    Du schlimme Wand, du bringst mir heut kein Glück!
    Na wart! Ich schlag dir mitten ins Gesicht!

    Thisbe: Lieblichste Wand, so oft hast du geächzt,
    wenn Pyramus den Abschied nahm von mir,
    wenn meine Zung‘ nach Pyramus gelechzt,
    und wenn mein Haar verklebte fest an dir.

    Pyramus: Ein Stimmchen naht sich mir und ich will gehen,
    ob durch den Schlitz ich Thisbes Mund kann sehn.
    Thisbi o Thisbilein.

    Thisbe: Geliebter Py! Bist dus? Ganz sicherlich?

    Pyramus: Glaub, was du willst, doch ich versichere dich,
    ich bin dir Romeo und Julia.

    Thisbe: Und ich, bis ich verende, Helena!

    Pyramus: O küss mich durch den Schlitz, ich bin betört!

    Thisbe: Ich dring nicht durch, die blöde Wand da stört.

    Pyramus: Wir holens nach, beim Grabe des Propheten.

    Thisbe: Ich trab gleich los, ich will mich nicht verspäten.

    (am Grabe des Propheten)

    Löwe: Du zart Geschlecht, ihr fürchterlichen Frauen,
    von Mäusen ganz verängstigt schon,
    erbebt und zittert vor dem rauhen Ton
    des Löwen, den ihr mächtig könnt hier schauen.
    Ich geb’s ja zu, dass ich nur Schreiner bin,
    kein böser Löwe oder gar Löwinn.
    Denn trät ich grausam vor euch her,
    ich hätt selbst Angst, das glaubt mir sehr.

    Mond: Am Kopf hier oben seht die Hörner blitzen.
    Ich bin ein Mond, das heißt, ich hab ei’n sitzen, äh –
    Was ich sagen will, ist alles ganz simpel, und das heißt, die Laterne ist der Mond, das heißt, der Mond stellt die Laterne dar, und ich bin ein Mann und zugleich ein Mond mit einem Hund und einem Gehörn.

    Thisbe: Hier ist das Grab, doch wo treibt mein Geliebter. . .

    Löwe: (brüllt) Uuuuhhh! (Thisbe verliert Mantel, ab)

    Stimmen: Gut gebrüllt, Löwe!! (Löwe zerreißt Mantel, ab)

    Pyramus: Dank, liebster Mond, für deine Sonnenstrahlen,
    die du so sorglos aus dir hast erpreßt,
    dein buntes Licht erhellt mir meine Qualen,
    zu finden, wo sich Thisbe suchen läßt.

    Verdammt – mein Knie!
    Steh auf – und sieh!
    Welch grauenvoller Graus!
    Ihr Augen, blickt.
    bin ich verrückt?
    Thisbe, wie siehst du aus?

    Dein Mäntlein fein
    ganz blutig – nein!
    Ich sterbe noch vor Schmerz.
    Du Schicksalsschnur
    erdolch mich nur
    erschieß, ertränk mein Herz!

    Warum bautest du Löwen, o Natur?
    Ein schnöder Löw hat Thisbe defloriert.
    Sie ist – nein, war! – die reinste Kreatur,
    die lieb- und leiblich hat die Welt geziert.

    Stürtzt, Tränen, los!
    Du Schwert, durchstoß
    den Bauch dem Pyramo!
    Ob rechts, ob links
    das Herz – noch springts
    nun sterb ich so und so.

    Habs hinter mir
    tot lieg ich hier
    mein Seelchen fliegt zu Gott.
    Der Mund macht schlapp
    der Mond haut ab
    tot bin ich, tot, so tot.

    Thisbe:

    Er schläft und träumt.
    Was, tot? Mein Freund?
    Steh auf, sag ich, steh auf!

    Du sprichst so stumm,
    bist tot – wie dumm!
    Mein Gott, ich gebe auf.

    Dein Lilienmund
    dein Augenrund
    so gelb im Mondenglühn

    die Kirschennas
    das Kinn so blaß
    ihr Haare, schnittlauchgrün.

    Herbei herbei,
    ihr Parzen drei
    legt kalte Hand an mich

    Was soll ich tun
    mit diesem nun
    Schicksal, bist jämmerlich!

    Zunge erlisch
    Dolch mach und stich
    in tiefen Busenschnee.

    Adieu ihr Herrn,
    Thisbe stirbt gern,
    ade, au weh – ade!

    Thisbes Mutter:
    Oweh oweh – ich seh
    meine Thisbe in Blutes Schnee

    Thisbes Vater:
    Ach du mein Gott!
    Wir kamen flott
    doch nicht in der Zeit
    zu retten die Maid

    Thisbes Mutter: Au wei au wei! Entfährt mir ein Schrei

    Pyrams Vater:      Ei der Daus! – Alles ist aus! – Mir wird so ziemlich flau – wie sag ich’s meiner Frau?

    (zum Publikum)
    Doch Euch bitt ich,
    seid nicht zittrig
    Wars auch der Dramatik viel
    es war doch nur ein Possenspiel
    Es ist vollbracht
    und nun gut Nacht
    Das Spiel zu enden
    klatscht mit den Händen!

    -Ende-

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  • egot24 14:46 am 17. January 2011 Permalink | Antworten
    Tags: , , Billard, , Darts, Fußball, Großleinwand, , , Raucherlounge, , Wii   

    Vogt’s Bierexpress 1+2 

    Vogt’s Bierexpress 1

    In Kreuzberg, dort am Mehringdamm
    da fängt so recht das Leben an
    der Bayer kommt, sogar de Hess
    und trifft sich im Vogt’s Bierexpress

    zum Fußball oder nur zum Bier
    es ist einfach gemütlich hier.
    Großleinwand-Fußball wird gebracht
    wenn’s sein muss, spät bis in die Nacht.

    Die Currywurst von nebenan,
    die darf man hier verzehren
    es ist nur ratsam, dann und wann
    dazu ein Bier zu leeren.

    Wer rauchen will ist kein Verbrecher
    im ersten Stock steh’n Aschenbecher!
    So lebt sich’s gut und ohne Stress
    am Mehringdamm, im Bierexpress

    Dort kann man trefflich Billard spielen
    mit Pfeilen um die Wette zielen,
    und oben gibt’s -ich lern es nie-
    ne separate Launch-Wii.

    Hier trifft sich manche Prominenz
    und manches Original
    man zeigt hier Fußballkompetenz
    beim Bierchen allemal

    und Biere gibt’s hier manche Sorten
    das findet man nicht allerorten
    und Cocktails, die man weltweit kennt.
    Der Service: Freundlich-kompetent

    Und fragt man mich, ob ich was wüsste,
    wo unbedingt man hingeh’n müsste,
    den schau ich an und sage kess:
    Ja, Mehringdamm, Vogt’s Bierexpress!

    Vogt’s Bierexpress 2

    Der Bierexpress, am Mehringdamm gelegen

    der zieht so manche Leute an – weswegen?

    Liegt’s an der Werbung? an der Wirtin? oder daran,

    dass vor der Tür der Ausgang ist der U-Bahn?

    Nein, weit gefehlt! Aus all Berliner Kreisen

    sieht man die Gäste hierher freudig reisen.

    Zum Beispiel: Detlef kommt von weit hierher,

    auch Jonas fällt es manchmal ziemlich schwer,

    die weite Strecke leicht zu überbrücken,

    doch lässt er sich sein Ziel niemals verrücken!

    Auch Norbert – er hat Kneipen um die Ecke –

    und geht trotzdem täglich die weite Strecke

    hierher, um hier in Ruh’ zu schnabulieren,

    mit Gästen klönen und zu fabulieren,

    auch Jürgen und Gerlinde finden stetig

    den Weg hierher – sie hätten es nicht nötig:

    sie wohnen über einer Kneipe gar!

    Auch Ulle, der sich nie an eine Bar,

    gestellt hat, fühlt sich äußerst pudelwohl,

    selbst einer, der ´ne zeitlang Alkohol

    vermieden hat, sie alle treffen sich

    im Bierexpress, oft gar an einem Tisch!

    Was soll die Frage nach wieso? warum?

    das Bier schmeckt hier, die Stimmung – und darum

    geht halb Berlin hierher in’s Bierexpress!

    Vergessen alle Sorgen, aller Stress!

    (c) Toge Schenck 2011
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  • egot24 02:09 am 16. January 2011 Permalink | Antworten
    Tags: , , , ,   

    Curry 36 – Doppelfolge 

    Curry 36 (offizielle Version)

    In Kreuzberg, gleich am Mehringdamm
    da stehen tausend Menschen an,
    da trifft sich ganz Berlin
    und jeder muss dahin

    Die Currywurst ist so perfekt
    schon beim Gedanken daran leckt
    die Lippen einfach Jedermann
    die Würstchen kommen blendend an

    Ob Tag ob Nacht, die Lampen glüh’n
    und Massen sieht man dorthin zieh’n
    die Warteschlange reicht vom Stand
    viel hundertmeterweit ins Land

    Senf, Ketchup, Mayonnaise fließt,
    die Schaschliks werden aufgespießt,
    Mund wässrig, Augen quellen über:
    Das Curry-36-Fieber.

    Die Polizei, die Feuerwehr
    sie kommen zügeweise her
    die Bein’ im Bauche warten sie
    doch dann geht’s ab tataa-tatü

    Die warme Wurst, sie darf nicht kalten
    heiß muss sie bis zur Wache halten
    dafür ist jedes Mittel recht
    (doch schmeckt die Wurst auch kalt nicht schlecht)

    Auch Touri-Gäste, Notarztwagen
    sie halten, um für ihren Magen
    die beste Currywurst zu holen
    klasse Geschmack für wenig Kohle

    Und das Geheimnis dieser Küche?
    Nicht nur die würz’gen Wohlgerüche
    auch für die satten Sprüche preis ich
    das dufte Curry 36

    © Toge 2003

    Curry 36 (private Version)

    Heut Nacht, Berlin am Mehringdamm
    stand ich für Currywürstchen an
    Die schaffen dort sehr fleißig
    im Curry 36

    Die Wurst war gut, das Bier wurd’ warm,
    sprach mich ein Herr im Mantel an
    ob ich der letzte in der Reih’
    ich sagte, dass ich satt schon sei,

    dass ich die Wurst genossen.
    Ihn hat es nicht verdrossen,
    bestellte gleich der Würste drei
    mit Ketschup, es war schon halb zwei;

    ein neuer Tag, so dacht ich grade,
    da trank er seine Schokolade.
    Jetzt fängt mein neues Leben an,
    sagt er, und gleich darauf begann

    zu reden er, er sagt, er sei
    der Chef der Bundesdruckerei.
    Doch diese will man jetzt verkaufen
    und er will sich draufhin besaufen.

    Mit Schokolade? Aber ja!
    Denn Alkohol, der würde gar
    Vom Ösophagus die Varizen
    und somit ihn sehr tödlich triezen.

    Zu deutsch, da schwebt ein Blutgerinn-
    sel mitten ihm im Halse drin
    und tränke er jetzt Alkohol
    sofort ereilt der Tod ihn wohl

    Sein Hausarzt schrieb ihn heut malade
    und darum trinkt er Schokolade
    wovon genug gelagert, weiß ich
    hier gleich im Curry 36.

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    • android tablet asus 20:07 am 20. Juni 2012 Permalink | Antworten

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