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  • egot24 13:51 am 23. February 2020 Permalink | Antworten
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    Biertonne vorm BX 

    2016-08-27

    Berthold Daffke und Donald McDonald
    Die Biertonne, an der man stehen muss, seitdem das ganze Haus eingerüstet ist, ist
    unbezahlbar.
    Dort trifft man Leute, die man nie an schön gestalteten Tischen mit ebenso schön gestalteten
    Stühlen treffen würde.
    Ich erinnere mich an einen Abend vor langer Zeit, da war das Haus noch nicht eingerüstet,
    könnte sein vor drei oder vier Jahren, da stand an der Tonne. Er nannte sich Berthold
    Daffke, war ursprünglich Berliner Bauart, versprang sich versehentlich nach Belgien und
    Burkina Faso, damals noch Obervolta, und als die afrikanische Hitze seine Fußsohlen zu
    verbrennen drohten (der wahre Grund war sein Aufbegehren gegen die Beschneidung der
    kleinen Mädchen und die darauf folgende Verfolgung seitens der Mütter, die den Vätern
    unbedingten Gehorsam zu schulden glaubten), sprang er einfach über Burundi nach
    Barbados. Dort fand er Frieden, da er eine junge Frau namens Elisa traf, die ihm sagte, er
    müsse alles nicht immer ernst nehmen. Diese Aussage nahm er ernst und dachte darüber
    nach, warum ihn seine Eltern nicht Ernst genannt hätten, sondern Berthold. Er kam zu
    keinem Schluss, außer zu dem, dass alles egal ist.
    Jetzt begriff er seinen Nachnamen. Nichts ist ernst, alles ist Daffke, also so, wie es ist, ob
    sinnvoll oder nicht – eben nur so, wie es ist, aus Eigensinn, nur zum Spaß.
    Jetzt klärte er mich auf über die Welt: Gott oder wer auch immer schuf sie zu seinem Spaß.
    Entweder es läuft oder nicht. Er fand die Aussage der heutigen Jungend „sinngreifend“,
    wenn diese „Wir wollen Spaß!“ rufen. Spaß ist zwar nicht immer witzig, aber besser als jede
    verbissene Mentalität.
    Von Barbados kam er nach Berlin zurück, traf auf die Spaßgesellschaft, trieb mit ihr sein
    Spiel, trank aus fremden Gläsern, setzte fremde Brillen und Hüte auf, trat bei Gottschalk und
    Jauch auf, einfach aus Spaß.
    Bis er im hohen Alter von 48 Jahren merkte, dass Spaß keine Freude macht.
    Zu Hause sammelte er seine eigenen, unsinnigen Aufzeichnungen, sandte sie einem der
    größten Verlage zu und bekam den Nobelpreis für sinnlose Literatur.
    Donald McDonald
    Vor sechs oder sieben Abenden hat mir doch mein Abendfreund Väinö Hattikönen, der
    bewusste Finne, die Geschichte der Erfindung Hägars Hängarmatti in aller Breite erzählt.
    Jetzt stand der Schotte Logan McAllister neben mir, dem ich diese Geschichte schottisch
    kurz erzählte. Logan sagte, er wolle in zwei Tagen Berlin und Umgebung in Gesamtheit
    erkunden. Nicht, wie der Holländer im Wohnwagen, sondern mit Mini-Tipi-Zelt (für 39,99 bei
    ebay) im Smart verstaut.
    Logan erzählte in Steno (für junge Leute: Stenografie war früher mal eine Sparschrift: Heißt,
    lange Wörter wurden nachvollziehbar in kurze Zeichen gefasst), also Logan erzählte in
    schottischer Kurzform (ich erlaube mir eine verständliche Ausführung):
    Er erzählte, dass er in Ausstellungen immer hereinkam, wenn er am Einlass behauptete,
    seine Frau sei drin, die gerade Großmutter geworden wäre. In einigen Fällen hätte er,
    mangels deutscher Sprache auch gesagt, seine Frau wäre gerade Mutter geworden.
    In Gaststätten schlemmte er und meinte nachher, er müsse sich vom Automaten nebenan
    Geld besorgen. Innerhalb Berlins lief er immer Taxen (oder Taxis) hinterher, weil er mehr
    sparen konnte, als wenn er hinter Bussen herlief.
    Ich dachte, ach ja, nicht nur in Schwaben gibt es sparbewusste Menschen.
    Und nun kam die Aufklärung über die Hängematte (natürlich mit kurzen, sparsamen Worten):
    Never Finland hammock. Scots Hammock.

     
  • egot24 13:48 am 23. February 2020 Permalink | Antworten
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    Berlin kann so schön sein 

    2016-11-07

    Ja, unsere Stadt kann schön sein, auch wenn Horden losgelassener Briten, aus
    Londons Umfeld oder Birmingham lauthals dem Alkohol frönen, den Verkehrslärm
    locker übertönen und Grund und Boden durch ihr Hüpfen erschüttern, dass die
    Mauern in ihren Festen erzittern.
    Auch meine Tonne zitterte mit, der gesamte Untergrund, sodass mein Sudoku in
    Schieflage geriet, mein Bier fast überschwappte.
    Freude schöner Götterfunke. Oder Suffgeilheit.
    Ich mag es nicht ermessen.
    Wir nahmen den Bus den Ku´damm hinauf, liefen ihn abwärts bei blendendem
    Sonnenschein (wirklich blendend, denn die Sonne steht blendend tief. Was machen
    Autofahrer bei so niedrigem Sonnenstand, der unter der Sonnenblende
    hindurchscheint? Ich hoffe: Bremsen.
    Diese tiefstehende Sonne im Rücken gingen wir den besagten Damm zurück, ließen
    uns also hinterrücks bescheinen, betrachteten grandiose Mode, unglaublichen
    Goldschmuck, hochwertige Schuhe und weitere unsägliche Auslagen in den
    Schaufenstern des verheißenden Glückes.
    Angesteckt von soviel Konsumwelt, ließen wir uns es nicht nehmen, im sechsten
    Stock des KaDeWe, in der High Society Lounge einen Imbiss zu uns zu nehmen.
    Neben uns saß eine Dame, der die verschiedensten Gerichte von verschiedenen
    Küchenmeistern auf der Etage mit großer Huld angebracht wurden. Stammgast
    offenbar. (Heute gendermäßig wohl „Stammgästin“).
    Habe vergessen, ob ich diesen Imbiss bar bezahlen konnte oder zu meiner
    Scheckkarte greifen musste.
    Schön die Sonne, der Ku´damm, der Imbiss. Besonders schön die Unterhaltung mit
    der liebsten aller meiner Ehefrauen.
    Dann an der Tonne. Ein Bier, ein Tee, eine kleine Unterhaltung mit Jutta.
    Auf geht die Tür und eine Horde losgelassener Briten betritt den Vorhof, grölen
    unerbittlich, schlagen auf den Tisch, singen sich eins, zwei, drei.
    Zeit für nach Hause.

     
  • egot24 13:45 am 23. February 2020 Permalink | Antworten
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    Anreize 

    2016-06-16

    Die Tonne gibt mir Anreize
    Stand ich an der Tonne – es war langweilig.
    Langweilige Tage haben es in sich – nicht nur, dass sie langweilig sind, sie gehen
    einem auf den Geist.
    Was macht der Geist? Er schafft sich Anreize.
    Vor lauter Langeweile sucht der Geist, sich mit etwas zu beschäftigen. Dazu braucht
    man ihn nicht extra aufzurufen. Ganz von alleine wirft er Netze aus, um interessante
    Dinge einzufangen. Und sei es, dass er in der eigenen Vergangenheit fischt.
    Da findet er die Doktorspiele, die man mit sechs in einem Zelt mit einem potenziellen
    Geschlechtspartner absolvierte, jugendliche Sünden, z.B. das Einwerfen von
    Fensterscheiben mit Schneebällen, den gemeinschaftlichen Fliederdiebstahl zum
    Muttertag, herbstabendliches Umherstöbern mit Taschenlampen im Nebel,
    philosophisch geprägte Spaziergänge mit einem Freund, Tod und Teufel in der
    Literatur und im tatsächlichen Leben.
    Der Geist steht nie still. Er wogt und schwebt wie er will. Bei mir so, bei Dir anders.
    Da heraus kann man sich die Entwicklung erklären, die die Menschheit bisher
    machte. Ich meine die freundliche, geistige und wissenschaftliche. Mit allen
    Errungenschaften in Kultur, Wissenschaft, Medizin etc.
    Der andere Teil der Menschheit, die der dumpfbackigen, nicht entwicklungsfähigen
    Disposition einiger unserer Mitbewohner, holt ihre Anreize aus unausgegorenen,
    unüberlegten Empfindungen, die ihnen ihre eigene Unfähigkeit zu Denken zulässt.
    Höchster Anreiz sollte das Denken sein. Eine Eigenschaft, die dem Menschen
    vorbehalten ist. Und der er geflissentlich nachkommen sollte.
    So gehe ich von der Tonne und weiß nicht, ob sie mir diese Gedanken eingeflüstert
    hat. Woher hat sie dieses Wissen?
    Mit diesem Anreiz gehe ich jetzt ins Bett.

     
  • egot24 13:38 am 23. February 2020 Permalink | Antworten
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    An der Tonne 

    2015-12-21

    An der Tonne:
    Margarethe
    Wir kamen vom Abendessen im „Primavera“, wo wir -dank lauer Witterung- zum Kaffee
    draußen gesessen hatten.
    Getrennte Wege ab der Kreuzung Mehringdamm, meine Tonne rief ebenso laut wie Ingrids
    Bett. Kaum war ich im BX, kam Ingrid von den getrennten Wegen hinzu und meinte, ihr Bett
    riefe bei weitem nicht so laut wie meine Tonne und sie möchte noch einen Wein. Freut mich
    doch! Draußen, an der Biertonne stand eine junge Frau. Sie nannte sich Margarethe.
    Ich denke sofort an das Gretchen von Goethes Faust. „Heinrich, mir graut vor Dir!“
    Die Geliebte vom Heinrich stand also neben uns. Was sie im Leben tat, wollte sie uns nicht
    enthüllen. Ich vermutete, sie zu einer Arztpraxis gehörig zu finden. Meinst du, ich bin eine
    Praxisgehilfin? Nein, sagte ich und dachte, sie wäre evtl. Ärztin.
    Sie sprach viel und ließ Unterbrechungen nicht zu: Warte, warte, warte, und Stopp, ich bin
    an der Reihe und ähnliche Bemerkungen liefen ab, wenn mal was zu ihren Äußerungen
    hinzugeben wollte. Ihre Sprache war gewähltes Berlinerisch, genauer gesagt Potsdamerisch.
    Alles sehr verbindlich und scheinbar nicht auf sich bezogen. Sie, mit ihren 40 Jahren wusste
    alles, was auf der Welt passiert und konnte es auch auf ihre Weise darstellen. Alles auf sich
    selbst bezogen. (Auf wen denn auch sonst?)
    Im weiteren Verlauf des Abends begab es sich, dass ein orthopädisch behandelter Mann in
    bestem Alter dazu kam und sie sich durch ihr Fachwissen outete. Ärztin hatte ich ihr schon
    abgesprochen, da sie (kassen-) ärztlich sehr unorthodox sprach.
    Ein 23-jähriger gesellte sich zu uns und überzog uns mit seinen beflissenen, 23-jährigen
    überfließenden Gedanken. Margarethe widmete sich ihm, hörte ihm auch sekundenweise zu,
    tat aber das ihrige, um ihn von der Schöpferkraft ihres Alters zu überzeugen. Er wird schon
    noch die Ansicht ändern, dass er keine Verantwortung tragen will, wie er sagte. Allerdings
    blieb er bei seiner 23-jährigen Anschauung.
    In solchen Fällen zucke ich die Schultern und meine, er wird seinen Weg schon gehen
    müssen, welchen auch immer.
    Sie stieß wie ein Adler immer wieder auf ihn hinunter. Er lachte. (Was will ich mit deinem 40-
    jährigen Geschwätz?).
    Überzeuge mal Jugend vom Alter oder Kriminelle vom Gesetz!
    Keiner kennt das Andere und will es meist auch nicht wissen.
    Das Schöne am Abend: Eine selbstbewusste Frau, redegewandt, etwas eigentümlich,
    trinkfreudig und eigentlich liebebedürftig. Vielleicht zu selbstbewusst, zu selbstbezogen,
    keiner hat sie bisher zu knacken vermocht (ihr Innerstes!). Sie wünscht es sich, wie sie mir
    sagte. Dann gab sie mir eine tiefe Umarmung. Sie ist ja auch lieb, wenn auch eigentümlich
    und sonderbar. Aber wer ist das nicht?
    Menschen sind schon eine eigene, herrliche Spezies.

     
  • egot24 13:22 am 23. February 2020 Permalink | Antworten
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    Altern 

    19.05.17

    Bereits gestern, als ich an der Tonne vorbeieilte, um meiner Frau ein stringent
    notwendiges Medikament zu holen, hörte ich den lauten Ruf meines Namens.
    Ich winkte zurück und folgte meiner Priorität.
    Heute, entspannt und auf weitere Entspannung aus, ging ich spät, sehr spät an die
    Tonne.
    Noch bevor ich die Tonne erreichen konnte, hörte ich schon laut meinen Namen
    rufen. Ich sagte Norbert H, ich käme gleich, wolle mir nur drinnen ein dringendes
    Bedürfnis bestellen. Kaum war ich draußen, scholl es, wie ich dazu käme ihn zu
    ignorieren, tags zuvor. Was, Du übergehst mich für ein Medikament? Nein, für meine
    Frau die dieses dringend benötigte.
    Jetzt wurde es lustig. Die Frau von Norbert schaltete sich ein: Das ist doch ein
    Argument, Norbert.
    Nein, er hätte mich ja begrüßen können, wenn wir schon mal in Berlin sind.
    Hätte ich auch, aber die Dringlichkeit ging vor.
    Ich bin 66, mitten im Leben, und soll mir von meinem Körper vorschreiben lassen,
    was ich kann und was nicht?
    Wenn du gewisse Dinge nicht mehr kannst, lasse sie bleiben.
    Wenn ich es aber will?
    Musst Du es wollen?
    Ich weiß doch, was ich früher alles konnte. Warum heute nicht mehr?
    Weil du vielleicht alt wirst?
    Nein, ich will das alles noch können.
    Kannste aber nicht. Akzeptiere das einfach.
    Nein, sehe ich nicht ein; sollen doch andere alt werden, warum ich?
    Weil du im Leben bist?

     
  • egot24 13:15 am 23. February 2020 Permalink | Antworten
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    Alte Dame an der Tonne 

    2015-12-28
    Die alte Dame und die Tonne
    Nein, nicht spät abends war es, als ich mal an der Tonne vorbeischaute.
    Tochter und Mutter? Oder Enkelin und Großmutter?
    Die Alte sprach mit klarer Stimme und ziemlich bestimmt. Oder bestimmend? Ich hörte
    nebenbei das Gespräch der Damen. Obwohl man auf die alte Dame herabschauen musste,
    konnte man, was ihre Aussagen betrafen, zu ihr hochschauen. Sie war wohl 1m 60 hoch,
    schaute gerade mal über die Tonne hinweg.
    Ihre deutlichen und klar vernehmbaren Äußerungen hatten etwas von Schliff an sich. Die
    Tochter, oder wie sich später herausstellen sollte, eine Freundin, sprach ebenso korrektes
    Hochdeutsch. Und das mitten in Berlin. Thema war der Mehringdamm, besonders diese
    Stelle zwischen Curry 36 und Mustafas Dönerkebab. Ab und zu war sie, die ältere Dame,
    hier und hatte hier auch schon manches Bier getrunken. (Später erfuhr ich, es war Malzbier).
    Sie schaute gerade hinaus in die Welt hinein und höher, als man es ihr zutrauen mochte.
    Irgendwann mischte ich mich (ungefragt natürlich) ein. Die blitzeblanken Äuglein strahlten
    mich an, als ob sie fragen wollte, wer sind Sie denn, der mich ungefragt anspricht. Wer je in
    diese Augen geschaut hat, musste wissen, dies ist ein glasklarer Mensch mit glasklaren
    Ansichten.
    Dann lachte sie hell und sagte, sie würde mir beileibe nicht ihr Alter erzählen.
    Das tat sie dennoch, denn sie warf ins Gespräch, 1924 sei sie geboren. Hab mich total
    verrechnet und hielt sie für 81; Mensch, dachte ich, und dann so gut drauf!
    Nichts, was sie sagte, war belanglos. Alles hatte Sinn und Klarheit. Auch die Freundin war
    desselben Schlages, wenn auch um zig Jahrzehnte jünger.
    Alles, was ich vorher oben im BX und innendrin erfahren hatte, verblasste vor dieser kleinen
    Person mit großer Persönlichkeit.
    Burk hatte uns innen seine Weltsicht erklärt, mit Bernd hatte ich große Themen gestreift,
    vorher, oben, war auch nicht viel los, doch hier draußen, an der Tonne freute sich die Welt
    durch die kleine, ältere Dame.
    In Ilmenau geboren, der Stadt, für die unser alter Goethe Bergbau-Beauftragter wurde,
    Weimar ist um die Ecke. 28mal weilte Goethe in dieser Stadt. Sie ist absolut sehenswert, das
    Gasthaus Zur Post liegt zentral und ist empfehlenswert, Gastronomie eingeschlossen.
    Jedenfalls, als wir dort waren.
    Nun, das focht unsere ältere Dame nicht an, denn sie war in jungen Jahren nach Osnabrück
    ausgelagert worden und hat kaum noch Erinnerungen an Ilmenau. Ständig schaute sie mit
    ihren blitzenden Augen zu mir hoch. Keine Brille, kein Hörgerät, standhaft und
    selbstbewusst, draußen an der Tonne.
    So möchte ich in ihrem Alter auch noch sein – falls ich es erreiche!
    Und noch draußen an der Tonne stehen können!
    Möglichst mit einem Bier.
    Mal sehen.

     
  • egot24 13:46 am 9. March 2016 Permalink | Antworten
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    Ca’n Pastilla, Mallorca 2016 

    2016-04-02 bis 18-02 Mallorca Can Pastilla

    Do. 04.02.16 Mallorca 1

    Drauf auf die Insel der Deutschen!
    10 Jahre Entzug waren genug!
    Vor 37 Jahren zum ersten Male den Duft der Insel genossen, die Sonne im Winter, später öfter sogar für 3 Monate genossen, Hotelgästen die Insel gezeigt für Autokosten und Essen.
    Also zum Flieger. Mit dem Taxi. Scheißwetter hier.
    Zum Abschied eine Currywurst im Flieger.
    Bei Marseille verschwand die weiße Watte unter uns und das Mittelmeer zog uns zur Insel. Flugkapitän Becker machte viele witzige Ansagen, z.B.: „Die Passagiere auf der rechten Seite werden einen tollen Ausblick nach rechts auf Palma haben. Wenn die Passagiere der linken Seite nach rechts schauen, sehen sie die Mitpassagiere, die rechts raus schauen.“
    Taxi nach Can Pastilla (3 km, also knapp über Kurzstrecke). Einheitspreis EUR 15. Dafür verpasste er unser Apartmenthaus und musste nochmal zurück. Er hatte uns nicht geglaubt, dass wir das Haus kannten. Dafür hat er uns erzählt, dass es wundervolle Fahrradwege nach Palma gibt, neu angelegt, immer direkt am Strand entlang.
    Apartment: 2 Zimmer, Küche, Bad, 47 qm mit Balkon im 8. Stock mit wundervoller Aussicht auf die Bucht von Palma, auf die Bergkette von Alfabia. Und Sonne!
    Blick auf die Buchten
    Spaziergang, Drink, Einkauf, Essen gehen im Fischrestaurant der kleinen Bucht.
    Dann holte uns nicht der Jetlag, aber doch die Klimazonenveränderung ein, Müdigkeit machte sich breit und das Apartment rief laut nach uns. Ich schaffte gerade noch diese Zeilen.

     

    Fr. 05.02.16 Mallorca 2

    Englisches Frühstück im britischen Cafe am Fuße unseres Hauses an der kleinen Bucht. Spanische Zigaretten in mallorquinischer Tabaccheria. Deutscher Spaziergang durch mallorquinische Landschaft, holländisches Bier kauften wir beim Senegalesen. Multikulti hat auch hier schon längst Einzug gehalten.
    Buchtausgang
    Die mir altbekannten Gebäude stehen noch, nur sind andere Geschäfte und Bars darinnen.
    Neu waren die Geräusche: Das überlaute Piepsen bei Rückwärtsfahrt von Bobcats – kleinen Bauschauflern für Straßenbau. Gut, Hunde haben auch früher schon gebellt, was das Zeug hielt, doch dachte ich, die wären schon im Himmel. Nein, sie sind wieder auferstanden und tönen wie eh und je. Dann: Wenn man in der Vorsaison verreist, muss man mit Bautätigkeiten jeglicher Art rechnen, die naturgemäß mit Geräusch verbunden sind.
    Doch statt dass alle gleichzeitig tönen, haben sie sich abgesprochen: Entweder piepst die Rückwärtsfahrt oder, wenn dies verstummt ist, bellen die Hunde wie verrückt; sind diese heiser, fangen die Bauarbeiter an zu hämmern bis ihnen die Arme schwer werden, dann lösen sie die rückwärtsfahrenden, laut piependen Baufahrzeuge an. In dieser oder ähnlicher Reihenfolge geht es weiter. Egal, wo du auch bist.

    Dann kommt der Punkt, an dem du entweder die Hunde, die Bauarbeiter oder das Piepen vermisst. Entzug ist angesagt.

    Gut, geht man nach Hause oder doch erst mal ins Restaurant an der kleinen Bucht Cala Estancia und bestellt aus Frust erst mal ein Bier und dann ein frugales Mahl, dann noch einen Cientotres, der hier aus der Flasche am Tisch eingeschenkt wird, bis du STOP sagst. Danach gehst du beschwingt in dein Apartment, schaltest das TV ein und schaust sogar noch genüsslich DSDS.

    Ob es genauso war, weißt du am nächsten Tag nicht mehr.

     

    Sa. 06.02. Mallorca 3

    Was war gestern noch? Mein Gott, habe ich gut geschlafen!
    Neuer Tag, neue Erlebnisse und vielleicht neue Erkenntnisse.
    Rennt mir was im Kopf rum mit DSDS, beim riesigen Frühstück an der Cala Estancia. Wieso habe ich einen solchen Appetit?
    Heute mal Palma.
    Palma
    Kenne ich von vor dreißig Jahren. Heute mal neu kennenlernen. Die liebste aller Ehefrauen fand sich bereit, mich zu begleiten. Nein, nicht sie hat sich dort Schuhe gekauft, ich war es!
    Vor dreißig Jahren war das Cafe Lirico ständig voller Einheimischer, die bezahlten Bons mussten und wurden auf den Boden geworfen werden, der weiß von den Zetteln strotzte. Reden, Lachen, Gelaber drinnen und draußen. Heute strotzte nur die Leere. Der Cortado schmeckte wie damals.
    Das Wetter war grandios: Kein Wind, Sonne hinter leichtem Dunst, 20 Grad, Wohlfühlwetter.
    Die Kathedrale war wie meist geschlossen, so dass man nach den gefühlten 120 Stufen aus Enttäuschung diese grandiose Kirche links liegen ließ, um den Ausblich von der Aussichtsterrasse zu genießen.
    Wo zum Teufel ist die Bushaltestelle? Die Gassen wurden immer enger, die Orientierung ließ nach, auch die von einem mitfühlenden Ober geschenkte Straßenkarte half so richtig. Füße finden ihren Weg und so ging es auch wieder nach Hause.
    Appartmenthaus
    Dort herrschte schon Abendstimmung. Wind kam auf und trieb Wellen in die kleine Bucht, die Landungsscheinwerfer der ankommenden Flieger wiederholten sich, um hinter immer demselben Gebäude zu verschwinden, im 5-Minuten Takt. Jetzt war es schon richtig dunkel und ich sah sie wieder, die Taschenlampen, die keine sein können bei der Helligkeit, die sie verstrahlen. Eine auf hiesiger Seite der Bucht, eine auf der anderen. Was machten, was suchten sie? Für mich ein Rätsel: Sie strahlten ins Wasser, meist aber am steinig befestigten Ufer entlang, als ob man verlorenes Kleingeld suchte. Entzieht sich meiner Vorstellungskraft.
    Von wo ich das beobachtet habe? Von meiner selbst erwählten Tonne auf unserem Balkon im 8. Stock.
    Diese Tonne hat zwar einen Vorteil zu meiner Berliner Tonne: Hier härt man Meeresrauschen, schaut weit aufs Mittelmeer und auf unzählbare Segel, doch wen soll ich im 8. Stock neu kennenlernen?
    Von der hiesigen Tonne sehe ich Lichter unten (Land und See) und oben (Sterne und Flugverkehr). Sogar links und rechts; denn dort haben die Inhaber der Apartments auf den Balkonen sogar bewegte Lichter installiert, um vorzutäuschen, dass dieses Apartment bewohnt ist.
    Nun ist auch dieser Tag zuende. Morgen, denke ich, gibt es neue Glanzlichter.

     

    So. 07.02. Mallorca 4

    Es stellte sich heute heraus, dass meine hiesige Tonne gar keine echte Biertonne ist; eher eine Sitztonne, heißt, man kann an ihr sitzen und sie ist auch gar keine Tonne, sondern ein banaler Balkontisch, auf den man jedenfalls stehenderweise sein Bierglas abstellen kann. Will man aber nicht bei Regen und Wind.
    Rainy day heißt auf Mauritius: Man bleibt zu Hause und suckelt an den Vorräten.
    Rainy day auf Mallorca heißt: Ist gleich vorüber, außer es kommt noch schlimmer. Sturm hat die Sonne weggeblasen, die See schäumt, der Balkontisch, sorry, die Tonne wackelt. Plötzlich Sonne. Wolken ziehen ab, Windstille bricht lautlos ein. Jetzt kann man raus, alles friedlich.
    Ausblick
    Denkste. Warst gerade mal eine Stunde Frühstücken und Einkaufen, gingst mit den Tüten nach Hause, schon flog dir der Hut vom Kopf und die Einkaufstüten aus der Hand, besonders die mit den Eiern, denn die gibt es hier nicht in Pappschachteln, sondern lose und wenn die kleine Tüte dir ans Knie schlägt, haste ein oder zwei Eier weniger.
    Halbe Stunde später war schönstes Frühlingswetter, Sonne, kaum Wind aber: Hohe Wellen, davon viele, weshalb nun auch Unmengen von Wind- und Keitsurfern in den Buchten ihren Tanz aufführten.
    An meiner Balkontonne haben wir Lorenzo (de Mancor del Valle) nicht kennengelernt, sondern im Restaurant, welches wir von unserer Tonne jeden Tag und Abend sehen. Er ist die Seele des Lokals, nicht der Inhaber!
    Lorenzo ist 75 Jahre alt und ein Kellner, wie man ihn sich nur wünschen kann.
    Spürt er, dass man ihn nicht nur als Kellner „benutzt“, bekommst du seine ganze Zuwendung. Dann kriegste auch aufs Haus einen sechsfachen Cientotres.

     

    Mo. 08.02. Mallorca 5 (Rosenmontag)

    Knalliger kann Sonne nicht sein. Daheim werden die Fastnachtsumzüge wegen Sturm abgesagt.
    Hier bei bestem Wetter eine neue Erfahrung:
    Die Pieper sind nicht nur Rückwärtsfahrer. Endlich habe ich den manchmal zehnminütigen Piepton ausgemacht: Wir wohnen in einem Hause dem Yachthafen gegenüber. Dort gibt es naturgemäß auch einen Hebe- und Transportkran für die Umsetzung von Booten vom Trockendock ins Wasser. Dieser piept solange er in Aktion ist.
    Nun kann ich den Piepton zuordnen und kann ihn überhören.
    Ein zweiter Erfolg begab sich, als ich mir den Parkplatz vor dem Hafen ansah, um zu checken, ob wir unseren noch zu mietenden Leihwagen dort kostenfrei parken können. Lehnte ein Einheimischer an seinem Auto auf dem Parkplatz. Sprach ihn an, ja, aparcar es libre. Und ich erwähnte, dass wir uns einen Wagen mieten wollten. Ja, dort drüben bei Señora Maria gibt es Mietwagen und dieser Parkplatz wird regelmäßig von Polizei angefahren. Der ist sicher.
    Maria machte es möglich, dass wir morgen einen Wagen bekommen.
    Nach diesem dritten Erfolg dachte ich, jetzt müsse mal was Negatives kommen. Zuviel Gutes verheißt Schlechtes.
    Ich sollte mich irren.
    Aber zunächst beobachteten wir die Surfer und Segler in der großen Bucht und den Typ, welcher in der kleinen (ruhigen) Bucht versuchte, seiner Partnerin diese offenbar neue Sportart beizubringen (stehend auf einem Brett mit einem Paddel). Nach ihrem zweiten Fall ins Wasser legte sie sich rücklings aufs Brett und ließ Sportart Sportart sein.
    Jetzt zur ewigen Hauptsache: Was essen wir?
    Nun gibt es unzählige Imbisse, Bistrots, Restaurants hier. Von denen hat derzeit Zweidrittel geschlossen. Doch auf unserem Informationsgang hatten wir zwei (sogar offene) deutsche Lokale gefunden. Eines leuchtete mit dem Angebot Rindsroulade. Da ich gestern rein zufällig in Rosins Restaurants gesehen hatte, wie er Roulade machte, war für mich klar: Heute Roulade.
    Dabei war es keine deutsche Roulade. Nach spanischem Smalltalk kam heraus, dass Christiane Österreicherin ist.
    Die Roulade war perfekt. Noch ein Erfolg!
    Jetzt werde ich skeptisch. Was kommt als nächstes?
    Endlich mal ein Misserfolg: Der Käse entsprach nicht den Anforderungen der liebsten aller meiner Ehefrauen.
    Dafür hatte unser Laden noch auf, in welchem wir noch das Restliche zum Glücklichsein kaufen konnten.
    Appartement war schön warm (nenne ich jetzt nicht Erfolg). TV war interessant, besonders dadurch, dass die Sender des Satellitenfernsehens immer an anderem Sendeplatz waren und man schön zappen darf, bis man seinen Wunschsender fand. Wieder mal Misserfolg. Endlich!

     

    Di. 09.02. Mallorca 6

    Kein Rainy Day, ein Stormy Day. Sonne knallt hinter leichtem Dunst, Meer war noch ziemlich ruhig.
    Stormy Day ein Autotag. Mit Auto sollte man fahren können. Konnten wir nicht – doch, die ersten zwei Kilometer. Tank war leer (wir müssen es genauso abgeben!). Kannte eine Tankstelle in der Nähe. Die Zapfsäulen waren versperrt, der Tankwart erklärte, die Software spinne, sie warten auf Wartung. Kann 15 Minuten dauern. Oder 30.
    Wir entschieden uns zu warten. 26 Autos fuhren unbetankt weiter. Nach 33 Minuten der Ausruf, jetzt sei es soweit.

    Eines der ruhigsten, beschaulichsten Orte vor 30 Jahren war Porto Colom an der Ostküste, ein Fischerdorf, weit ab vom Tourismus. Eine Kneipe am Hafen. Zwei, drei Segler im Hafen. Damals hatte ich diesen Ort als ersten Punkt ausgewählt, als ich mit Hotelgästen Rundfahrten machte. Natürlich gegen Bezahlung, Essen frei.
    Porto Colom
    Heute ist die Beschaulichkeit eingeholt von heutigem Tourismus.
    Dafür sind die Straßen sehr gut ausgebaut. Wetter lässt sich nicht ausbauen, es kommt wie es will.
    Sturm mit Sonne auf herrlichen Straßen in herrlicher Umgebung.
    Zu Hause dann ordentliches Wetter: Sturm blies die Wellen über die Wellenbrecher, auch die Gischt über unser geparktes Auto, der Sturmwind zog uns fast die Jacken aus, draußen auf dem Meer zogen riesige Schaumteppiche entlang, die Trennscheiben zwischen den Balkonen erzitterten.
    Selbst unsere ruhige Innenbucht wurde meschugge und zeigte Schaumkronen.
    Jetzt dachten wir an die abgesagten Rosenmontagszüge und retteten uns nach Hause.
    Aus dem warmen Appartement im 8. Stock schaut man gerne hinaus in stürmische See.
    Wehe, wer jetzt den Naturgewalten ungeschützt ausgesetzt ist.
    Wie wir heute Vormittag der Naturgewalt, kein Benzin zu haben.

    Mi. 10.02. Mallorca 7

    Gestern hat sich der Wind aufgebaut, der heute Morgen dicke Brecher liefert. Gestern war Sturm, heute früh nur leichte Brise. Deshalb sind auch keine Wind- oder Keitsurfer unterwegs, sondern jede Menge Wellenreiter. Grandiose schaumgekrönte Wellen. In der „großen“ Bucht hunderte dunkler Punkte, die plötzlich, wie von Geisterhand von den Schaumkronen in heiklem Tempo vorangetrieben wurden. Bedauerlicherweise immer wieder zurück zum Strand, dann müssen sie immer wieder rausschwimmen. Nix für mich!
    Wir setzten uns ins Automobil und ließen erst mal die Scheibenwaschanlage mit Wasser auffüllen. Das Salzwasser, welches auf unserem vorgelagerten Parkplatz in großen Duschen aufgeschlagen war, hatte jede Sicht hinter Salzschicht verdammt. Wir hatten zwei Liter Wasser dabei. Mit diesen zwei Litern Trinkwasser bekamen wir die Scheiben nicht frei, kurz drauf war die Salzschmiere schön überall verteilt.
    Jetzt aber konnte es losgehen: Die Insel erkunden.
    Da fiel uns ein, große Lust zu weiten Fahrten, ein bisschen die nahe Gegend erkunden, mal sehen, ob das, was wir von Früher kannten, entweder noch da und wenn ja, wie es noch da ist.
    Dort oben, bergauf hinter El Arenal gab es freie Pampa, Sträucher, Gebüsch und wildes Rosmarin.
    Heute touristisch überbaut, Reihenhäuser billig und Villen teuer, nur die Abrisskante zum Meer hin blieb wie sie war: unberührt.
    In unserem Apartment unter dem Dach bekommen wir immer hautnah mit, wenn der Wind eine gewisse Stärke annimmt, dann klackert oben auf dem Dach irgend eine lose Tonne und rumpelt mehr oder weniger stark.
    Hier, an der Abrisskante vom Fels zum Meer erfuhren wir die Wetteränderung beim Aussteigen aus dem Auto: Keine Knallsonne, sondern Knallwind, der meine Türe zuzuhalten versuchte. Dennoch stiegen wir aus und kämpften uns vorbei an den Villen und Reihenhäusern zu eben dieser Kante mit einem tollen, insularen Ausblick. Links Afrika, vor uns in der Ferne unser Appartementhaus.
    Na ja, wenn wir heute 20 km gefahren sind, war es viel. Aber bei dem Wind . . .
    Eine große Aufgabe stand mir noch bevor: Den Karton voller Lebensmittel (und Bier!) aus dem Auto nach oben bringen. Zum Glück ging der Aufzug.
    Wir haben jeden Tag eine neue Überraschung: Das erste und zweite deutsche Fernsehprogramm sind beim SAT-TV jeden Tag auf derselben Taste auf der Fernbedienung. Alle anderen wanderten von Tag zu Tag auf einen anderen Platz. Sicherlich schrieben wir uns die Kanäle auf, doch immer lagen sie woanders. Zwei Tage konnten wir SAT1 empfangen, danach war der Sender verschwunden – wir zappten bis 680.

    Abendessen aus dem Karton selbst gezaubert. Meine hiesige Tonne vernachlässige ich nicht, denn dort nehme ich Wetter hautnah wahr mit einem Bier in der Hand, also das da unten, wo die Wellen nach wie vor blöde auf Felsen platschen.

     

    Do. 11.02. Mallorca 8

    Grelle und heiße Sonne empfing uns am Morgen, grell, weil das Mittelmeer die Strahlung wie ein Spiegel verdoppelte.
    Nun hatten wir die Automiete verlängert, also war Fahrt angesagt. Porto Pollenca war eigentliches Ziel, doch eine Heimfahrt am Nachmittag gegen die tiefstehende Sonne wollte ich vermeiden. Neuer Plan: Valdemosa, Stadt von Chopin und George Sand. Dass Valdemosa einen eigenen Hafen 450 Meter tiefer unten hatte, war mir unbekannt, doch die liebste aller Ehefrauen hatte die Idee, diesen vortrefflichen Hafen zu besuchen. Hätte sie den Schwindel erahnt, wäre sie locker über ihre Eingebung hinweggegangen. Nach wenigen hundert Metern begann das schwindelerregende Ereignis: Immer am Abgrund entlang, 6 km abwärts. Wie lang 6 km sein können, erfährt man erst, wenn man diese 6 km in steilsten Serpentinen mit oft nur einspuriger Fahrmöglichkeit absolviert und die unterdrückten Angstschreie der liebsten aller Ehefrauen immer wieder erahnt. In jeder der engen Serpentine kommt naturgemäß ein Auto entgegen oder an den Schmalstellen. 112 Kurven, die meisten mit Blick in den Abgrund wollten überwunden werden. Mein Lenkrad hatte schon Muskelkater, die Lenkung wollte auch schon den Dienst verweigern.
    Da waren wir unten.
    Die letzte Engstelle, eine Brücke zum Hafen mit einem einzigen Cafe, ca. 20 Häuser, an die Felsen geklebt, scheinbar unbewohnt; die acht Boote alle an Land, abgedeckt. Der Parkplatz größer als der Hafen (50 mal 20 m), die Tische vor dem Cafe fas alle belegt von den sieben Leuten, die sich hierher verirrt hatten. Hinter uns 450 m hohe Felsen, vor uns das Mittelmeer, Richtung Barcelona. Etwas weiter rechts liegt Marseille, ganz rechts stößt man auf Korsika. Was für ein grandioser Hafen, dem die ganze Welt offen steht.
    Port de Valldemosa
    Nach Cortado und Tee (Erholung tat not) wieder die 112 Kurven, diesmal aufwärts, du siehst den entgegenkommenden Verkehr nicht, weil so steil; und wieder, just in Serpentinen und an Engpässen kommt der Gegenverkehr – richtig, es gibt ja auch nichts anderes, wo man sich treffen könnte.
    Endlich wieder oben, erst mal einen Parkplatz gesucht für eine Entspannungszigarette. Der Schwindel forderte seinen Tribut.
    Mindestens alle 10 km triffst du auf Gruppen von Rennradlern. Triffst du auf einzelne, sind die entweder abgehängt oder fahren dem Tour de France Sieg entgegen.
    Dass die Landschaft superschön ist, brauche ich hier nicht zu erwähnen.
    Auf dieser Bergpartie nach Andraitx geben Kurven sich die Hand. Genau gesagt: eine 40-er Strecke; biste mal auf 50, kannste gleich wieder abbremsen. Doch diese Ausblicke! Natürlich nur für den Beifahrer!
    Habe früher mal auf ähnlicher Strecke unzählige Unfallwagen in den Schluchten gesehen.
    Da ich dieses noch schreiben kann, liegt unser Mietwagen nicht zerquetscht in einer solchen.
    Schrecklich schön, diese Gegend, vor allem viel Natur, und man kommt sich so klein vor, wie man ja auch ist.
    Zurück in unserer nicht so schrecklich-schönen Welt genossen wir den Ausblick auf was Flaches, unspektakuläres, eben Meer, Buchten und aus den schrecklichen Bergen geschnittene Steine, zu Häusern zusammengesetzt.
    Keine Serpentinen mit fürchterlichen Abgründen. Die Segelschule war wieder mit neun Schülern auf der beruhigten See, die Wellenreiter hatten wieder mal die Surfer abgelöst, da Wind kaum wehte, jetzt konnten wir in Ruhe auf unerem Balkon im 8. Stock unser Essen einnehmen und die wechselnden Lichtstimmungen wahrnehmen.
    Dann kam die Meldung, dass man die von Einstein vorausgesagten Gravitationswellen entdeckt hatte.
    Nun erinnerte ich mich an den Roman von Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“, als der Endcomputer auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und den Rest die Antwort gab: „42“
    Diese Wellen machen nichts anderes, als bei ihrem Eintreffen alles zu dehnen oder zu stauchen. Keiner merkt was davon. Das ist 42. Vielleicht auch 42,5.
    Jetzt schlafe ich beruhigt ein.
    Nein, unberuhigt, da wir beide (die liebste aller meiner Ehefrauen und ich) zusammen 120 Euro für Datenübermittlung verbraucht haben und sie (1&1) uns die Verbindung vorsichtshalber sperren.
    Dabei hatten wir gestern mit 1&1 telefoniert und offenbar nichts klargestellt . . .
    Später stand ich an meiner Mallorca-Tonne, freute mich über den nächtlichen Anblick der Buchten und der Lichter drumherum bei meiner heutig vorletzten Zigarette und wusste, dass wir von diesem Rotwein, den wir gestern gekauft und heute geschlürft haben, morgen noch eine Flasche kaufen werden (Monologo, Rioja, crianza 2013).
    Er hatte eine Halsbinde, die die Kassiererin mit besonderem Schlüssel entfernen musste.
    Sie wird sich morgen wieder an uns erinnern müssen.
    Wann komme ich endlich ins Bett?

     

    Fr. 12.02. Mallorca 9

    Glücklicherweise fuhren wir in den Norden der Insel. Der Süden war eingetaucht in graues, stürmisches Wetter. Die Strecke Alcudia – Port de Pollenca bot sich wie immer wunderschön, der kleine Abstecher nach Formentor mit den herrlichen Aussichten erhellte die Seele.
    Port de Pollenca
    Dann quer durch die Insel, teilweise auf Nebenstraßen in die graue Südhälfte mit Starkwind.
    Unser neuer Italiener schuf uns wohle Gefühle (er kommt aus Palermo, sie aus Peru).
    Nun, mehr war heute nicht drin. Doch: Ein exzellentes Steak und Spaghetti Carbonara, angerichtet von einem Sizilianischen Koch.

     

    Sa. 13.02. Mallorca 10

    Heute noch mal Auto. Wohin? Banal, mal um die Ecke, Port de Andraitx.
    Andraitx
    Hochtourismus, sprich reichste Leute. Die haben heute gefehlt, dafür waren wahnsinnige Böen angesagt. Diese zogen mir, statt des Hutes, fast meine Basecap aus Leder aus.
    Jetzt fuhren wir in die Umgebung, herrlich ursprünglich oder gar urig.
    Calvia ist der Ort, wo Klaus Ludwig (ehemaliger Rennfahrer „König Klaus“) eine Dependance unterhält. Oft, wenn ich ihn anrief, sagte er, er wäre eben dort und lässt sich den Bauch bei 22 Grad bescheinen. Wenn es bei uns minus Grade hat. Ein Ort mit viel Historie.
    Calvia
    Dort am Ort einen Cortado, Fotos, dann heim nach Can Pastilla.
    Wetter: 21 Grad, bewölkt.
    Daheim: Can Pastilla düster und wieder sonnig.
    Die Möven überflogen sich gegenseitig. Die schwarzen Taucher überboten sich, im Schlamm zu suchen, die Sonne unterlag dem weltlichen Wetter.
    Hertha verlor 0:2 gegen Stuttgart.
    Da kam hier gerade die Sonne raus und beschien die Küste.
    19:00 hatte ich genug und ging in die britische Kneipe am Rand der Bucht.
    Das war ein witziger Griff: Der Chef (Sir Allen) ein Schotte, Gäste sozusagen Einheimische, aber Briten, die hier schon lange leben. Alle aus dem Norden Englands. Schalk in den Augen, doch sehr reserviert. Habe mich eingebracht, wie ich mich einbringe, also normal fragend und fordernd. Meine Neugier treibt mich. Was denn sonst?

    Ich fand den Abend schön. Die hiesig Lebenden finden es na ja, könnte besser sein, nehme an, die pekuniäre Lage spielt eine Rolle. Im Winter verdienste nicht das wie im Sommer. Kann man wissen, sollte es aber auch. Hier sind viele gescheitert! Habe das in alten Jahren erfahren, die ich mal hier war und dieselben Leute aus der Branche sprach.
    Und wisst ihr was? Es geht immer weiter.
    Warum auch nicht? Leben geht ja auch immer weiter, ob auf Mallorca oder im sonnigen Germany.
    So wie die Wissenschaft auch immer weiter geht und nun offenbar die fast nicht erkundbaren Gravitationswellen entdeckt hat!
    Mir gegenüber steht ein Teller mit Mandarinen, Äpfeln und einer Zitrone.
    Draußen rauscht das Meer. Die Nacht ist da. Und das Meer rauscht ununterbrochen.
    Das haben wir Menschen nicht drauf.
    Jetzt gehe ich schlafen.

     

    So. 14.02. Mallorca 11

    Es gab so manchen Windtage. Heute hatten wir einen Wellentag, kaum Wind, dafür sich überschlagende Wellen, die mit donnernder Wucht auf die Wellenbrecher schlugen und alles weiß verquirlten.
    Wir schoben eine ruhige Welle, wir erholten uns vom Urlaub, genossen den Ausblick auf immer neue Wellenkonstellationen, saßen und aßen und schauten und lasen, hoch über der kochenden See.
    Hinzu kam, dass der Rest der Insel unter dunklen Wolken schlummerte, nur bei uns war Sonne und unter ihr fiel das Schwitzen nicht schwer. Hinten, in der großen Bucht, schossen die Wellenreiter auf den Strand zu. Heute fehlten alle windabhängigen Wassersportler, kein Segelboot zu sehen, keine Windsurfer.
    Sie machten Pause wie wir.
    Diese machten wir mit dem süffigen Rotwein „Monólogo“, frischen Tapas und süßen Mandarinen.
    Schon dämmert es, die weißen Lichter um den Hafen gehen an, es folgen später die gelben Lichter der Uferstraße.
    Sir Allen hatte auch Licht an und ich tauschte mal meine hiesige Tonne mit seiner. Nun, die Briten gluckten zusammen, sprechen ihren eigenen Dialekt. Ein Pint und ein 103 (Cientotres = spanischer Weinbrand), drauf eine Zigarette draußen an der Fremdtonne. Jetzt windete es immer mehr, Allen sagte, Sturm steht bevor, ich verifizierte dies mit der Wetter-App, und siehe da, hinter unserem Hochhaus gab‘s den ersten Blitz – und was für einen.
    Nun lebte der Cientotres nicht mehr lange, Regentropfen platschten in die kleine Bucht und auf mehr hatte ich keine Lust. Die liebst aller meiner Ehefrauen empfing mich im warmen Apartment. Jetzt kann der TV-Abend beginnen.
    Draußen begann der Sturm: Blitze überholten sich, Regen freute sich am Fallen und klatschte an unserem Fenster unter dem überdachten Balkon. Dann war auch der Sturm müde wie ich.

     

    Mo. 15.02. Mallorca 12

    Was für ein Wetter? Was für ein Wetter! Kein Wind, dafür aber Sonne und ein paar Wolken.
    Wir machten trotzdem Pause. Ruhepause vor allem und jedem.
    Erst am Nachmittag ließen wir uns überreden, einen Spaziergang zu machen, einen kleinen Einkauf sowie eine einstündige Einkehr in ein witziges Lokal „Flip Flop“ am Hafen mit Blick auf die Wellenreiterphalanx, einige mit Paddeln, also stehend, die meisten ohne Paddel, also liegend in die Wellen hinein. Kaum waren sie draußen, waren sie schon wieder am Strand. Und dies immer in Wiederholung.
    Zwei junge Frauen beherrschten das Lokal (Inhaber?) und so war der ganze Vorraum mit Deutschen besetzt, die lautstark ihre Mallorca-Erlebnisse kundtaten. Besonders fiel uns eine alte Dame (wohl in unserem Alter) auf, die mit einem jüngeren Mann am Nebentisch saß und die Zügel in der Hand hielt, wie auch ein Laptop der Marke ASUS.
    Dass der jüngere Mann nicht ihr Sohn sein konnte, fiel uns dadurch auf, da er offenbar kein Deutscher war.
    Die überdrehte Gruppe aus Münster verließ die Terrasse und es war wieder einmal beschaulich, bis auf die Sechsergruppe Deutscher, die nicht immer laut ihre Mallorca-Erlebnisse kommunizierte.
    Ah, es gibt hier auch schöne Kleinigkeiten zu essen – vielleicht sieht man sich wieder in diesem FlipFlop.

    Jetzt galt es noch die restlichen Trinkbedürfnisse für den Abend zu erfüllen, bei unserem Senegalesen gegenüber, der immer jede einzelne Dose Bier eintippte, um am Ende noch einmal alles nachzuzählen. Er wünscht sich so sehr einen Lottogewinn.
    Nun hatte mich meine hiesige Tonne wieder und ich den Blick aufs Meer, auf die große Bucht und die kleine vor unserer Nase. Keine schäumende Gischt, ruhiges Wasser und trotzdem lange Wellen in der großen Bucht und die kleinen schwarzen Punkte der Wellenreiter.
    Nach diesem optischen Genuss noch ein selbstkomponiertes Abendessen und ein wenig TV.
    Jetzt noch eine Zigarette an meiner Tonne und schon ist wieder ein Tag vorbei.

     

    Di. 16.02. Mallorca 13

    Wir haben vor: Bus zur Estacion, Bimmelbahn nach Soller, Straßenbahn nach Port de Soller und zurück.
    Was kommt raus?
    Das kam raus: An der Estacion griff eine Übelkeit um sich. Woher eine solche kommt, weiß kein Wissenschaftler.
    Blauer Himmel, strahlende Sonne, Windstille, 16 Grad im Schatten, in der Sonne 28 Grad. Dennoch bekäme man einen Sonnenbrand.
    Placa d’Espana unter Palmen. Nach einer Stunde dreißig unter vierzig Palmen war die Übelkeit verdampft und das Cafe Lirico an der Placa de la Reina zog uns an mit herrlichen Tapas, Cortados und seiner Einzigartigkeit.
    Cafe Lirico
    Dann hatte der Passeig de Maritimo seine Anziehungskraft, den Yachthafen mit unendlich vielen Segel- und Motorbooten, ganz hinten lagen heute zwei große Aida-Schlachtschiffe und der Passeig war voller Kreuzschifffahrer.
    Als kleine Schäfchenwolken aufzogen, ließen wir uns vor Schreck mit dem Taxi heimfahren. Nicht, weil wir heim wollten, sondern in der Nähe des Heimes noch ein bisschen mallorquinisches Wetter aufzusaugen.
    Terrasse hinterm Hafen, jetzt schattige Plätze in der Sonne mit Blick auf die geparkten Segelyachten, einen Tee, ein Stück Torte oder ein Bier vor Augen. Die Masten der Segelyachten blieben ständig vorhanden, was mit dem Bier nicht so geschah. Auch nicht mit der Zeit und der Helligkeit.
    Yachthafen
    Dann freuten wir uns, im Piso Ocho zu sein und uns auszudenken, welche Speisen wir uns heute Abend zukommen lassen wollten.
    Aber erst mal an meine hiesige Tonne mit Blick von oben auf den Hafen, die kleine und die große Bucht. Natürlich mit einem Bier in der Hand. Heute: Heineken.
    Essen gab‘s vom Sizilianer para llevar und so saßen wir oben und verspeisten genüsslich unser Abendmahl mit Blick auf die erleuchtete Bucht.

     

    Mi. 17.02. Mallorca 14

    Nichts vor.
    Mal sehen, was kommt.
    Was kam?
    Wie immer anders, als man es sich vorstellte. Eigentlich mit dem E-Bike an der Küste entlang.
    Oder fahren wir doch unsere restlichen 4 Fahrten mit dem Bus noch ab? Ja, nach Portixol. Einem kleinen Hafen kurz vor Palma. Wunderschön Mit Blick auf die Kathedrale. Aber auch im kleinen Hafen an der Bucht gab es Cafés. Dort aßen wir Tapas, um uns auf den Rückweg vorzubereiten.
    Portixol
    Der Rückweg ist der Passeig de Baja, ein umführender Weg von Arenal nach Palma. Grandios gestaltet mit Schattenflächen und Bänken, in unterschiedlicher Richtung ausgerichtet, einem umfassend ausgebauten Radweg. Irgendwann war mal Schluss mit der Wanderung, jemand von uns musste mal Pipi.
    Kneipe an der Seite und Bushaltestelle nah.
    Die Haltestelle gewählt, die uns zur Kneipe Flip-Flop brachte, mit Blick auf den Hundestrand und die große Bucht, wo die Keit- und Windsurfer agieren.
    Abend: Abendessen vom Sizilianer. Na ja.
    Dann hatte ich Lust auf einen letzten Cientotres. Lorenzo de Mancor de Valle war dort. Man erkannte sich. Ich sagte, wolle nur am letzten Abend ein letztes Getränk. Ich saß natürlich in der Raucher-Lounge. Lorenzo schoss mir einen Cientotres ein ohne Limit. Es quoll nur so. Ich bestellte mir noch eine Cana und da sagte Lorenzo, er würde mir am Ende noch einen „Pfiff“ erteilen. „despues“, also später, heißt das. Als er dann kam, um mir meinen Pfiff zu geben, liefen uns fast die Tränen, denn den Alten mochte ich, Lorenzo de Mancor del Valle, wir fielen uns um den Hals.
    Wenn das kein Abschied ist.
    La Alma del Restaurante! Die Seele des Restaurants.

     

    Heimreise 18.02.16:

    Knallsonne, kein Wind. Packen und aufräumen im Nu.
    Die liebste aller meiner Ehefrauen hatte ihren Schlüssel bereits am Vorabend auf den Abreisetisch gelegt. Wir sollten beide Schlüsselpaare in den Briefkasten werfen.
    Der stand die ganze Zeit offen, mit unseren Schlüsseln nicht abschließbar.
    Immer, immer befand sich mein Schlüssel in meiner rechten Hosentasche.
    Jetzt nicht mehr.
    Ungläubig suchte ich alle Taschen durch. Nix.
    Na ja, wenn der Briefkasten eh offen steht . . .
    Die liebste aller meiner Ehefrauen feixte. War es sie doch, die immer ihre Schlüssel suchen musste und nun ich, am Abreisetag hatte den Schlüssel nicht mehr.

    Nun ja, die Sonne schien und wir suchten das kleine Lokal an der kleinen Bucht auf, von dem man auf den Hundestrand schauen konnte und die Wellenreiter beobachten.
    letzter Blick
    Wir hatten vier Stunden Zeit. Drei davon kosteten uns je 10 Euro an Verzehr. Die vierte war frei. Und die Sonne lief beobachtbar ihre Bahn und wir beobachteten sie – eigentlich waren es die Schatten, die liefen. Zeit haben wir ja alle bis zum Abwinken. Oder bis zum Abflug.

    Wir genossen die Sonnenwärme, den Duft der Küste Mallorcas, die Bilder wellenreitender und inzwischen auch keitsurfender Punkte, die Personen waren. Wind war aufgekommen. Leider Wind vom Norden, weshalb wir auch gen Norden starten mussten und unsere Buchte nicht mehr von oben sehen konnten. Wir ließen sie sozusagen hinter uns und stiegen in ein neues Leben auf in den Himmel. Oder in das alte? Nun, dazu hatten wir vom Bordrechner errechnete 2 Stunden und zehn Minuten.

    Gerade hatte man sich an die neuen Abläufe gewöhnt, die Stellung der Möbel im Apartment, die Küche, die Toilette etc. und nun? Wieder umlernen, zurück lernen an ehemals alt bekanntes. In den zwei Stunden Heimflug gelang es nur schwerlich.

    Zu Hause brauchte ich nicht mehr alles ins Spanische zu übersetzen, was mir anfangs schwer fiel, obwohl einer unserer Ladenbesitzer, bei dem wir unser täglich Wasser und Bier holten, Senegalese war, an dem ich mein verstaubtes Französisch ausprobieren konnte und er mich lobte, denn er kannte keinen Deutschen, der seine Sprache sprach – dieser Senegalese hielt mich vor Abreise auf und gab uns zwei Heineken und eine Flasche Sprudelwasser als Geschenk auf den Weg.
    Sowas ist mehr als die Sonne, die man empfing.
    Was speist man lieber in einem Air Berlin Flug auf der Heimreise als Currywurst. Die kommt aus Sylt, vom Koch der „Sansibar“. Mit extra Curry. Hervorragend! Bier ist Bitburger, dann freut man sich doch auf ein Berliner Kindl!
    Der migrationsbehaftete Taxifahrer lenkte sein Fahrzeug (Mercedes) genau so souverän wie der von Can Pastilla zum Flughafen von Palma (3 km).
    Daheim ist daheim, meint man. Es war kalt in der Wohnung. Zu essen gab‘s auch nichts. Für heute muss die Sansibar-Currywurst reichen.
    Übrigens: In dieser Soße sind Zwiebeln. Grandios! Müsste mal einer drauf kommen!

     

    Der Tag danach:

    Immer, wenn ich aus dem Fenster schaute, erwartete ich die beiden Buchten zu sehen. Was sah ich? Die U-Bahn-Treppenbaustelle gegenüber. Bierexpress im Lichterglanz, davor meine Tonne und ich dachte sehnsüchtig an die Tonne in der Sonne auf Mallorca. Auf dem Balkon in der achten Etage, in dessen Fenstern sich die Segler spiegelten und von dem wir auf ein Kunstwerk schauen konnten, was da war: Vier Buchstaben auf die Wellenbrecher genagelt, beides aus Eisen, also rostend, die ich zunächst nicht verstand: VENA. Allerdings war das A ein umgekipptes T, wie ich später sah. VENT ist das mallorquinische Wort für WIND.
    In den zwei Tagen Sturm, die wir hatten, hatte sich das A, was eigentlich ein T war, zu einem I verformt, es waren Seiten abgefressen und abgebrochen vom Wasser und vom Wind.
    VENT
    Was sagt uns das? Alles ist in Veränderung begriffen, ob es will oder nicht.

     

    Nun sind wir wieder zu Hause und verändern uns langsam und leise, bis wir . . .
    uns zuende verändert haben.
    Reisen kann bilden.
    Jeder bringt Bilder mit sich nach Hause, im Innern oder auf den Medien.
    Die inneren vergisst man nicht.

    -Ende-

     
  • egot24 13:45 am 14. November 2012 Permalink | Antworten
    Tags: Antholz, Biathlon, Brauhaus Kneitinger, , Regensburg,   

    Antholz, Axel und der Müll – eine exotische Reise in den Wintersport 

    Es war wohl im Jahre 1990, ganz sicher aber im Winter, als ich eine Postkarte von Axel erhielt. Axel, ein sehr eigener Mensch, der es sogar fertigbrachte, mit frisch gekauften Turnschuhen einen Marathon zu versuchen, der mit einer Fackel nachts um dir Krumme Lanke in Berlin lief, dieser Axel hatte mir in seiner nicht sehr alltäglichen Art eine Postkarte gesandt mit dem Hinweis auf den demnächst stattfindenden Biathlon in Antholz (landessprachlich Anterselva, Norditalien) und seinen Wunsch geäußert, dort doch einmal in seinem Leben dabei sein zu können.
    Es gelang mir, aus Frankfurt am Main ihn in Regensburg telefonisch zu erreichen und wir machten aus, dass wir gemeinsam nach Antholz fahren wollten. Er solle sich dann und dann bereithalten, gepackt haben, denn ich wollte ihn für drei Tage Antholz einladen. (Er war derzeit joblos – also auch zeitlos abkömmlich).
    Ich hatte in der Pension Gruber in Antholz-Niedertal zwei Einzelzimmer bestellt, meinen Mercedes gesattelt und brauste früh nach Regensburg. Abends wollten wir in Antholz sein. Zum ersten Male sah ich seine Einzimmerwohnung in einem Hochhauskomplex. Karg eingerichtet. Er  meinte, er müsse noch etwas erledigen, er wäre erst abends fertig und wir könnten ja die Nacht noch bei ihm übernachten und am nächsten  Morgen fahren. Meine Erwähnung, ich hätte bereits das Hotel bestellt, überging er mit seinem Lächeln. Ich wartete im Kneitinger, dem berühmten Brauhaus mit riesigem, bayrischem Gasthof, bis er seine Erledigung vollbracht hatte. Wir tranken noch ein Bier, spielten eine Partie Schach und dann durfte ich auf einer Gästematratze schlafen.
    Am nächsten Morgen hatte er wieder eine Erledigung vor und ich frühstückte in einem Café.
    Als er dann endlich kam, luden wir seine Sachen ein. Etwas ungewöhnlich – wie alles bei unserem Freund – hatte er statt eines Koffers zwei blaue Müllsäcke bereit, in der seine Dinge verwahrt waren. Die verstauten wir im Kofferraum. Etwas wunderte mich, dass er zu einem dünnen hellblauen Hemd, einem Jackett und einer Stoffhose lediglich normale Straßenschuhe anhatte – fuhren wir doch in ein Wintersportgebiet.
    Schnell waren wir in Antholz. Dort herrschte tiefer Winter, die Straßen waren zwar schneebefreit, doch es war mächtig kalt. Wir checkten spät nachmittags in der Pension ein, die ich vorher von unserer verspäteten Ankunft unterrichtet hatte. Wir bezogen unsere Zimmer, er mit seinen beiden Müllsäcken, ich mit einer Sporttasche, worin ich weitere kälteschützende Klamotten hatte. Wir speisten fürstlich, an Bier fehlte es nicht und auch die Schachpartien, die wir uns immer schon geliefert hatten, waren köstlich.
    Am nächsten Morgen wollten wir nun endlich die Pisten besuchen, die höher gelegen bis an die Grenze zu Österreich führten. Es gab einen Shuttlebus nach oben.
    Beim Frühstück sah ich Axel wie am Tage zuvor in Hemd, Jackett, Hose und Straßenschuhen. Willst du nochmal hochgehen, dich umziehen? Nein, ich bleibe so. Wie bitte?
    Es stellte sich heraus, dass er wirklich nichts mitgenommen hatte außer der Kleidung, die er trug. Und was ist in den Mülltüten? Ja, die habe ich gerade eben in den Müllcontainer vor der Pension geschmissen. Und was war da drin? Mein Müll aus Regensburg . . .
    Typisch Axel! Dazu sein Lächeln.
    Da ich noch Kleidung hatte, gab ich ihm Schuhe und eine Winterjacke. Eine weitere Hose hatte ich nicht dabei.
    Und so fuhren wir mit dem Shuttlebus zum Biathlon.
    Dort suchte sich Axel einen Stehplatz auf einem Plateau mit Sicht auf die Schießstände, unweit des Zieles. Ich wollte beweglich bleiben und mir Stellen suchen, an denen man mal dieses und jenes sehen kann. Während ich mal das Schießen beobachtete, mich dann durch den Schnee zum Zieleinlauf machte, wo Béla Réthy die Sportler interviewte, dann mal auf die Strecke ging, höher hinaus, wo ein Gasthaus an der Strecke stand und man essen und trinken konnte, stand Axel wie angewurzelt an seiner angestammten Stelle. Ich versuchte ihn zu bewegen, einmal davon herunter zu kommen, um ihn auf einen Glühwein und eine Bratwurst einzuladen, nein, er ließ sich nicht beirren. Er stand und fror und schaute.
    Nach Beendigung des Biathlon an diesem Tage stakste er offensichtlich verfroren neben mir her und als ich in den Bus talabwärts fahren wollte, sagte er, er würde das kleine Stück laufen. Gewiss angeregt durch die Leistungen der deutschen Damen im Biathlon wollte er sich nicht lumpen lassen und auch eine Leistung erbringen.
    Ich stieg auch eine Station vor der Pension aus und schaute mir die überwältigende Ansicht am Antholzer See an und spazierte mir die Füße warm. Nach einer Stunde kam Axel in der Pension an. Er ging duschen – ich nehme an, ziemlich heiß.
    Es war Nachmittag. Nach einer weiteren Stunde kam Axel herunter in die Wirtsstube. Nun tranken wir mal ein Bier gemeinsam. Wir ließen uns das Schachbrett geben und spielten hingebungsvoll einige Partien. Der Gastraum füllte sich und es begann nach Abendessen zu duften. Also nahmen auch wir unser Abendmahl ein. Axel hatte besonders großen Hunger. Dann noch ein paar Partien Schach, einige Biere und ins Bett.

    Der nächste Tag verlief wie der erste. Axel auf seinem Stellplatz, ich unterwegs. Der einzige Unterschied: Er fuhr diesmal auch mit dem Shuttlebus abwärts.

    Ergebnis: Axel hatte erfolgreich seinen Müll erstmals in Antholz versorgt.

    © Toge Schenck 2012

     
  • egot24 13:26 am 14. November 2012 Permalink | Antworten
    Tags: , Kulturpalast Dresden   

    Harry Belafonte – eine kleine Erinnerung an einen großen schwarzen Amerikaner 

    Wir hatten im September 1992 ein tolles Erlebnis:
    Mich (meine Agentur) hatte die Werbeagentur der Telekom angerufen (welche damals von einer staatlichen Institution zur GmbH gewandelt wurde) mit der Frage, ob ich ihnen Harry Belafonte mit Band und noch andere Künstler für einen Gastauftritt in Dresden besorgen könnte, wohin sie ihre Top-Geschäftskunden einladen wollten. Er sollte singen (was sonst). 15 Minuten. Ich sagte ja, kann ich versuchen.
    Jetzt begann ein Marathon an Telefonaten. Schließlich sprach ich mit Steven Jones (Ohio), der nicht der Manager, aber sein technischer Leiter war. Wochenlange Verhandlungen, wer, was, wie, warum, wohin, etc. etc.
    Dann kam die Zusage von Belafonte. Grandios!
    $ 125 000 mit Band. Telekom sagte sofort zu.
    Dann kam die Nachforderung: $ 25 000, weil sie vorher nicht proben konnten. Der Kunde stimmte notgedrungen auch dem zu.
    Das war 1/2 Jahr vor der Veranstaltung.
    Immer wieder Telefonate mit Steven Jones wegen Einzelheiten, Flügen, Hotel etc. (Ein Anruf muss einem in Erinnerung bleiben, weil Steven sagte, das Bett des Keyboarders müsse verstärkt werden, da er sattes Übergewicht hätte). Kein Problem, sagte das Hotel.
    Das Problem (aber unseres) war: Das Geld für den Auftritt muss 4 Wochen im Voraus vor Auftritt in den USA eintreffen. Glücklicherweise zahlte uns der Kunde auch entsprechend im Voraus.
    Ankunft Technik: sechs Tage vor Ankunft von Harry und der Band. Steven Jones und ein Begleiter – heißt, mit einem Schwarzen im Ossiland:
    In jedem Lokal, das wir betraten, begann betretenes Schweigen. Wie sollte das werden, wenn dann 20 Schwarze in Dresden einfallen!? Wir unter uns verstanden uns prächtig, gingen gemeinsam aus und lächelten über die Reaktionen um uns herum.
    Drei Tage später: Eintreffen von Harry und Band.
    Einen Tag zuvor saß ich mit dem Leiter des Flughafens zusammen und wir besprachen, wie man die Ankunft dieses Superstars geeignet regeln kann. Ich wollte, dass wir Belafonte direkt vom Flugzeug abholen könnten, ohne Check-In, ohne Formalitäten. Es waren keine schwerwiegenden Verhandlungen, im Gegenteil, ganz locker, man wusste noch, wie es zu Zeiten Honeckers zuging. Der Chef, begeistert, einen Weltstar zu empfangen, sagte OK und regelte alles.
    Apropos regeln: Gegen 04:00 nachts klingelte mein Handy. Los Angeles war dran: Management von Harry Belafonte. Sie bestehen darauf, dass ich dafür sorge, dass Harry ab Ankunft Personenschutz bekäme. In Wismar seien zwei seiner Brüder zusammengeschlagen worden. (Brüder der Hautfarbe). Tief nachts, in einem Hotel in Dresden Wachschutz besorgen für den nächsten Morgen!
    (Und was ist mit der Band? – Es waren immerhin 20 teils farbige Personen! – Die sollen sich wohl selber schützen. Aber die Managements kümmern sich ausschließlich um den Star – der davon keine Ahnung hatte (!!) und, als er es erfuhr darüber smart lächelte).
    Am nächsten Tag standen wir am Flughafen bereit mit einem Mercedes 600 (mit Fahrer), einem Mercedes-Van für die Security, einem Bus für die Band und einem Wagen fürs Gepäck und die Instrumente. Vor uns standen zwei Fahrzeuge vom Flughafen mit blinkendem Rotlicht. Einer setzte sich vor uns, einer hinter uns. Dann ging’s aufs Rollfeld. Die Maschine war gelandet. Leute stiegen aus und gingen durch unsere Karawane hindurch zum Bus, der sie zum Schalter brachte.
    Dann kam Harry Belafonte mit seinen Leuten. Ich begrüßte ihn, und er und seine „Rechte Hand“ bestiegen den 600er. Meine Frau kümmerte sich um die Musiker und die Gepäckverladung. Als alles OK war, fuhren wir los: Der vordere Flughafenwagen mit Rotlicht, der Mercedes 600 mit Harry, der Van mit der Security, der Bus mit den Musikern, der Gepäckwagen und der hintere Flughafenwagen mit Rotlicht. Die Karawane schoss mit ungebremster Geschwindigkeit zum Hotel, nicht achtend der Ampeln – nach alter Gewohnheit der DDR bei prominenten Besuchern.
    Während der Fahrt erzählte ich Mr. Belafonte davon, dass weder die Beatles noch die Stones die musikalischen Lieblinge meiner Frau in ihrer Jugend waren, sondern er, Harry Belafonte, seine Musik und im Besonderen „Try to remember“. Das sollte noch Folgen haben!
    Im Hotel, nach atemberaubender Fahrt, standen alle (ich betone alle!) Bediensteten des Hotels in einer Reihe, um Harry Belafonte zu begrüßen.
    Mir zeigte man das extra befestigte Bett für den Keyboarder.
    Dann kam ein Tiefschlag. Harry sagte, er müsse heute noch nach München, um jemanden zu besuchen. Ich wusste, wen er besuchen wollte: Seinen Manager in Deutschland. Übermorgen Abend ist die Veranstaltung und Harry ist mal eben nach München geflogen. Meine Frau und ich hielten die Luft an. Was, wenn ihm irgendetwas passiert? Übermorgen steht der Kunde da und will die Performance.
    Wir wussten die Rückkunftszeit und waren am Flughafen. Der Flug kam verfrüht und war bereits gelandet, als wir auf dem Rollfeld ankamen. Mit dem 600er mit Fahrer. Der Flughafenbus war bereits voller Passagiere. Wir hielten direkt hinter dem Bus. Da winkte mir eine Hand aus dem Rückfenster des Busses zu. Nix wie hin. Es war nicht die Hand Harry Belafontes, sondern die eines ostdeutschen Promis (unter uns, es war Gunther Emmerlich), an dem ich glatt vorbei lief und vorne im Bus unseren Harry bescheiden sitzen sah.

    Am Abend – er hatte mit seinen Musikern gespeist – trafen wir uns noch und er wollte mehr über deutsche Armbanduhren in der Auslage des Hotels wissen – natürlich bei der Verkäuferin, die ihm ihre Telefonnummer gab und ihm anbot, sie auch nachts noch aus dem Bett zu klingeln.
    Tief in der Nacht ging bei mir das Telefon. Nicht die Verkäuferin, nein, Steven war dran, man wolle ihn nicht proben lassen!
    Raus aus dem Bett und hin in den hässlichen „Kulturpalast“ (den die Telekom schon Tage vorher für einen gewaltigen Umbau ausgekauft hatte). Dort war heilloses Missverständnis. Die aufgebrachten Techniker Belafontes glaubten, sie würden benachteiligt, weil sie schwarz wären, der deutsche Techniker sagte, er sei einfach zeitlich noch nicht so weit mit der technischen Einrichtung. Wogen langsam geglättet – alles OK.
    Der nächste Abend:
    Der Auftritt war ursprünglich für 15 Min. konzipiert, wurde dann auf „normale“ 45 Min. erweitert, fand aber den Zuspruch der Gäste derart, dass, obwohl sie auf ihr Abendessen warten mussten, sie lieber Harry Belafontes Musik und – ganz besonders – seiner zehnminütigen Ansprache lauschen wollten, allein seinen Auftritt auf 90 Minuten ausdehnten (plus lang anhaltendem, donnernden Applaus!).
    Es waren noch andere Künstler dort (u.a. Desirée Nosbusch, Viktor Laszlo etc.). Kurz, ein toller Abend, mit Musik, TV-Schaltungen der Telekom rund um die Welt zu Auslandsjournalisten in Moskau, Paris und Los Angeles (was bei der Probe überhaupt nicht geklappt hatte) und manchen Überraschungen. Die Telekom wollte sich eben darstellen.
    Der Heimweg zum Hotel gestaltete sich wegen der Wegkürze so, dass wir gemeinsam die Strecke zu Fuß gingen, doch gab es eine Besonderheit: Da ich Mr. Belafonte verraten hatte, welches der Lieblingssong meiner Frau war, schlich er sich auf dem Heimweg hinterrücks an sie heran und sang ihr diesen Song ins Ohr („Try to remember“ mit Wiederholung!). Unvergesslich!
    Dann traf man sich später gemeinsam im für uns reservierten Restaurant. Künstler, Sänger, Moderatoren, Musiker und eben wir. Neben den genannten Künstlern waren außerdem Nina Corti, die Gipsy Kings und das Fernsehballett im Saal. Wir saßen über den Raum verteilt.
    Als man gegessen hatte, klimperte einer der Musiker mit der Gabel (oder war es das Messer?) an seinen Teller. Sofort kam die Antwort von einem anderen Tisch. Dann klimperte an unserem Tisch Harry Belafonte Antwort. Viktor Laszlos Musiker stimmten ein und es begann eine Session durch den ganzen Saal hindurch. Die Bedienungen standen mit offenem Mund und wussten nicht, was das zu bedeuten hatte. Harry Belafonte begann zu singen, andere fielen ein, es war ein gemeinsames Konzert im Speisesaal, welches die Öffentlichkeit nicht hörte, niemals würde hören können.
    Die Stimmung war unbeschreiblich, unwiederholbar. So glücklich können nur Künstler unter sich sein.
    Harry war zugetragen worden, dass Viktor (übrigens eine Frau) heute Geburtstag hätte. Harry ging zu ihr an den Tisch und im nu waren sie verschwunden . . .

    Im Keller gab es eine Disco.
    Dort trafen wir die Band wieder, die tanzte, was das Zeug hielt, besonders einer und der äußerst gekonnt, so wie es nur Neger können: Der überschwere Keyboarder mit dem verstärkten Bett. Fasziniert schauten wir zu. Als Harry Belafonte dann später zu uns stieß, nahm keiner groß Achtung davon. Steven allerdings kam zu mir und bat mich nach draußen. Dort bat er mich um eine Zigarette für sich und seine Kollegen, die schon dort warteten und bat mich dringend darum, dies nicht Harry zu erzählen, denn der sei militanter Nichtraucher und alle hatten geschworen, nicht zu rauchen. So standen wir zu fünft und rauchten meine Zigaretten.

    Die Abreise war unspektakulär. Man checkte ein, wir umarmten noch einmal Harry Belafonte, er besonders meine Frau und dann war das Ereignis gelaufen.
    Einmal sahen wir uns noch wieder, Jahre später, in Frankfurt am Main in der Messehalle, anlässlich eines seiner Konzerte. Wir hatten Gästekarten, saßen hervorragend, hatten noch einmal Kontakt zu Steven und Harry.

    Das war’s mit Harry Belafonte – genug für ein Leben!

     
  • egot24 00:46 am 11. June 2012 Permalink | Antworten
    Tags: , Lebensqualität,   

    Der Zeitgeist und seine zwei Seiten Widerstrebende Zeitgeister… 

    Der Zeitgeist und seine zwei Seiten.
    Widerstrebende Zeitgeister kämpfen im Wettbewerb (ähnlich wie Religionen oder Weltanschauungen)

    -Der andere Zeitgeist-

    „Ich nehm euch kräftig in die Mangel
    und heize euch verdammt gut ein
    ihr sollt ein höriges Gefolge
    und ohne Widerrede sein
    Mein Wort hat Macht, es ist Gesetz
    ich hab euch an der Angel

    Ich hab die Zeit in meinem Griff
    ich habe sie gepachtet
    ich nehm nur solche Leute mit,
    die mich auch recht geachtet
    folgt nur auf meinen lauten Pfiff
    Ich bin der Geist, der euch gebührt
    ihr wollt es und ich mache –
    Und seid ihr erst recht wohl verführt
    gebt Andersdenkenden ´nen Tritt
    das ist ne feine Sache

    Ich zeig euch, wo der Hammer hängt,
    was jetzt die Uhr geschlagen,
    es ist der Zeitgeist, der euch drängt:
    Folgsamkeit muss euch tragen.“

    -Der eine Zeitgeist-

    Kommt mit, ich nehm euch gerne auf die Reise
    die Zeit ist reif
    und auf besondre Weise
    hat sich am Horizont der Silberstreif
    ins Goldene gewendet
    das Alte hat geendet
    und Neues kommt auf die Geleise

    Lasst alten Zeitgeist ruhig ruhn,
    es sind jetzt neue Zeiten
    und schaut nicht, was die andern tun,
    die ausgediente Pfade schreiten.

    Wir suchen einen neuen Weg
    die Zukunft ist uns offen
    und bleiben wir auf diesem Steg
    lässt uns die Zukunft hoffen.

    Nicht Folgsamkeit ist hier gewünscht
    nur klares Menschendenken
    kein Paradigma, aufgetüncht,
    nur deutliches Entscheiden
    gegen menschliches Leiden
    dann werd ich Freiheit schenken

    © Toge 2012

     
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