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  • egot24 13:46 am 9. March 2016 Permalink | Antworten
    Tags: Bucht von Palma, Can Pastilla, , , ,   

    Ca’n Pastilla, Mallorca 2016 

    2016-04-02 bis 18-02 Mallorca Can Pastilla

    Do. 04.02.16 Mallorca 1

    Drauf auf die Insel der Deutschen!
    10 Jahre Entzug waren genug!
    Vor 37 Jahren zum ersten Male den Duft der Insel genossen, die Sonne im Winter, später öfter sogar für 3 Monate genossen, Hotelgästen die Insel gezeigt für Autokosten und Essen.
    Also zum Flieger. Mit dem Taxi. Scheißwetter hier.
    Zum Abschied eine Currywurst im Flieger.
    Bei Marseille verschwand die weiße Watte unter uns und das Mittelmeer zog uns zur Insel. Flugkapitän Becker machte viele witzige Ansagen, z.B.: „Die Passagiere auf der rechten Seite werden einen tollen Ausblick nach rechts auf Palma haben. Wenn die Passagiere der linken Seite nach rechts schauen, sehen sie die Mitpassagiere, die rechts raus schauen.“
    Taxi nach Can Pastilla (3 km, also knapp über Kurzstrecke). Einheitspreis EUR 15. Dafür verpasste er unser Apartmenthaus und musste nochmal zurück. Er hatte uns nicht geglaubt, dass wir das Haus kannten. Dafür hat er uns erzählt, dass es wundervolle Fahrradwege nach Palma gibt, neu angelegt, immer direkt am Strand entlang.
    Apartment: 2 Zimmer, Küche, Bad, 47 qm mit Balkon im 8. Stock mit wundervoller Aussicht auf die Bucht von Palma, auf die Bergkette von Alfabia. Und Sonne!
    Blick auf die Buchten
    Spaziergang, Drink, Einkauf, Essen gehen im Fischrestaurant der kleinen Bucht.
    Dann holte uns nicht der Jetlag, aber doch die Klimazonenveränderung ein, Müdigkeit machte sich breit und das Apartment rief laut nach uns. Ich schaffte gerade noch diese Zeilen.

     

    Fr. 05.02.16 Mallorca 2

    Englisches Frühstück im britischen Cafe am Fuße unseres Hauses an der kleinen Bucht. Spanische Zigaretten in mallorquinischer Tabaccheria. Deutscher Spaziergang durch mallorquinische Landschaft, holländisches Bier kauften wir beim Senegalesen. Multikulti hat auch hier schon längst Einzug gehalten.
    Buchtausgang
    Die mir altbekannten Gebäude stehen noch, nur sind andere Geschäfte und Bars darinnen.
    Neu waren die Geräusche: Das überlaute Piepsen bei Rückwärtsfahrt von Bobcats – kleinen Bauschauflern für Straßenbau. Gut, Hunde haben auch früher schon gebellt, was das Zeug hielt, doch dachte ich, die wären schon im Himmel. Nein, sie sind wieder auferstanden und tönen wie eh und je. Dann: Wenn man in der Vorsaison verreist, muss man mit Bautätigkeiten jeglicher Art rechnen, die naturgemäß mit Geräusch verbunden sind.
    Doch statt dass alle gleichzeitig tönen, haben sie sich abgesprochen: Entweder piepst die Rückwärtsfahrt oder, wenn dies verstummt ist, bellen die Hunde wie verrückt; sind diese heiser, fangen die Bauarbeiter an zu hämmern bis ihnen die Arme schwer werden, dann lösen sie die rückwärtsfahrenden, laut piependen Baufahrzeuge an. In dieser oder ähnlicher Reihenfolge geht es weiter. Egal, wo du auch bist.

    Dann kommt der Punkt, an dem du entweder die Hunde, die Bauarbeiter oder das Piepen vermisst. Entzug ist angesagt.

    Gut, geht man nach Hause oder doch erst mal ins Restaurant an der kleinen Bucht Cala Estancia und bestellt aus Frust erst mal ein Bier und dann ein frugales Mahl, dann noch einen Cientotres, der hier aus der Flasche am Tisch eingeschenkt wird, bis du STOP sagst. Danach gehst du beschwingt in dein Apartment, schaltest das TV ein und schaust sogar noch genüsslich DSDS.

    Ob es genauso war, weißt du am nächsten Tag nicht mehr.

     

    Sa. 06.02. Mallorca 3

    Was war gestern noch? Mein Gott, habe ich gut geschlafen!
    Neuer Tag, neue Erlebnisse und vielleicht neue Erkenntnisse.
    Rennt mir was im Kopf rum mit DSDS, beim riesigen Frühstück an der Cala Estancia. Wieso habe ich einen solchen Appetit?
    Heute mal Palma.
    Palma
    Kenne ich von vor dreißig Jahren. Heute mal neu kennenlernen. Die liebste aller Ehefrauen fand sich bereit, mich zu begleiten. Nein, nicht sie hat sich dort Schuhe gekauft, ich war es!
    Vor dreißig Jahren war das Cafe Lirico ständig voller Einheimischer, die bezahlten Bons mussten und wurden auf den Boden geworfen werden, der weiß von den Zetteln strotzte. Reden, Lachen, Gelaber drinnen und draußen. Heute strotzte nur die Leere. Der Cortado schmeckte wie damals.
    Das Wetter war grandios: Kein Wind, Sonne hinter leichtem Dunst, 20 Grad, Wohlfühlwetter.
    Die Kathedrale war wie meist geschlossen, so dass man nach den gefühlten 120 Stufen aus Enttäuschung diese grandiose Kirche links liegen ließ, um den Ausblich von der Aussichtsterrasse zu genießen.
    Wo zum Teufel ist die Bushaltestelle? Die Gassen wurden immer enger, die Orientierung ließ nach, auch die von einem mitfühlenden Ober geschenkte Straßenkarte half so richtig. Füße finden ihren Weg und so ging es auch wieder nach Hause.
    Appartmenthaus
    Dort herrschte schon Abendstimmung. Wind kam auf und trieb Wellen in die kleine Bucht, die Landungsscheinwerfer der ankommenden Flieger wiederholten sich, um hinter immer demselben Gebäude zu verschwinden, im 5-Minuten Takt. Jetzt war es schon richtig dunkel und ich sah sie wieder, die Taschenlampen, die keine sein können bei der Helligkeit, die sie verstrahlen. Eine auf hiesiger Seite der Bucht, eine auf der anderen. Was machten, was suchten sie? Für mich ein Rätsel: Sie strahlten ins Wasser, meist aber am steinig befestigten Ufer entlang, als ob man verlorenes Kleingeld suchte. Entzieht sich meiner Vorstellungskraft.
    Von wo ich das beobachtet habe? Von meiner selbst erwählten Tonne auf unserem Balkon im 8. Stock.
    Diese Tonne hat zwar einen Vorteil zu meiner Berliner Tonne: Hier härt man Meeresrauschen, schaut weit aufs Mittelmeer und auf unzählbare Segel, doch wen soll ich im 8. Stock neu kennenlernen?
    Von der hiesigen Tonne sehe ich Lichter unten (Land und See) und oben (Sterne und Flugverkehr). Sogar links und rechts; denn dort haben die Inhaber der Apartments auf den Balkonen sogar bewegte Lichter installiert, um vorzutäuschen, dass dieses Apartment bewohnt ist.
    Nun ist auch dieser Tag zuende. Morgen, denke ich, gibt es neue Glanzlichter.

     

    So. 07.02. Mallorca 4

    Es stellte sich heute heraus, dass meine hiesige Tonne gar keine echte Biertonne ist; eher eine Sitztonne, heißt, man kann an ihr sitzen und sie ist auch gar keine Tonne, sondern ein banaler Balkontisch, auf den man jedenfalls stehenderweise sein Bierglas abstellen kann. Will man aber nicht bei Regen und Wind.
    Rainy day heißt auf Mauritius: Man bleibt zu Hause und suckelt an den Vorräten.
    Rainy day auf Mallorca heißt: Ist gleich vorüber, außer es kommt noch schlimmer. Sturm hat die Sonne weggeblasen, die See schäumt, der Balkontisch, sorry, die Tonne wackelt. Plötzlich Sonne. Wolken ziehen ab, Windstille bricht lautlos ein. Jetzt kann man raus, alles friedlich.
    Ausblick
    Denkste. Warst gerade mal eine Stunde Frühstücken und Einkaufen, gingst mit den Tüten nach Hause, schon flog dir der Hut vom Kopf und die Einkaufstüten aus der Hand, besonders die mit den Eiern, denn die gibt es hier nicht in Pappschachteln, sondern lose und wenn die kleine Tüte dir ans Knie schlägt, haste ein oder zwei Eier weniger.
    Halbe Stunde später war schönstes Frühlingswetter, Sonne, kaum Wind aber: Hohe Wellen, davon viele, weshalb nun auch Unmengen von Wind- und Keitsurfern in den Buchten ihren Tanz aufführten.
    An meiner Balkontonne haben wir Lorenzo (de Mancor del Valle) nicht kennengelernt, sondern im Restaurant, welches wir von unserer Tonne jeden Tag und Abend sehen. Er ist die Seele des Lokals, nicht der Inhaber!
    Lorenzo ist 75 Jahre alt und ein Kellner, wie man ihn sich nur wünschen kann.
    Spürt er, dass man ihn nicht nur als Kellner „benutzt“, bekommst du seine ganze Zuwendung. Dann kriegste auch aufs Haus einen sechsfachen Cientotres.

     

    Mo. 08.02. Mallorca 5 (Rosenmontag)

    Knalliger kann Sonne nicht sein. Daheim werden die Fastnachtsumzüge wegen Sturm abgesagt.
    Hier bei bestem Wetter eine neue Erfahrung:
    Die Pieper sind nicht nur Rückwärtsfahrer. Endlich habe ich den manchmal zehnminütigen Piepton ausgemacht: Wir wohnen in einem Hause dem Yachthafen gegenüber. Dort gibt es naturgemäß auch einen Hebe- und Transportkran für die Umsetzung von Booten vom Trockendock ins Wasser. Dieser piept solange er in Aktion ist.
    Nun kann ich den Piepton zuordnen und kann ihn überhören.
    Ein zweiter Erfolg begab sich, als ich mir den Parkplatz vor dem Hafen ansah, um zu checken, ob wir unseren noch zu mietenden Leihwagen dort kostenfrei parken können. Lehnte ein Einheimischer an seinem Auto auf dem Parkplatz. Sprach ihn an, ja, aparcar es libre. Und ich erwähnte, dass wir uns einen Wagen mieten wollten. Ja, dort drüben bei Señora Maria gibt es Mietwagen und dieser Parkplatz wird regelmäßig von Polizei angefahren. Der ist sicher.
    Maria machte es möglich, dass wir morgen einen Wagen bekommen.
    Nach diesem dritten Erfolg dachte ich, jetzt müsse mal was Negatives kommen. Zuviel Gutes verheißt Schlechtes.
    Ich sollte mich irren.
    Aber zunächst beobachteten wir die Surfer und Segler in der großen Bucht und den Typ, welcher in der kleinen (ruhigen) Bucht versuchte, seiner Partnerin diese offenbar neue Sportart beizubringen (stehend auf einem Brett mit einem Paddel). Nach ihrem zweiten Fall ins Wasser legte sie sich rücklings aufs Brett und ließ Sportart Sportart sein.
    Jetzt zur ewigen Hauptsache: Was essen wir?
    Nun gibt es unzählige Imbisse, Bistrots, Restaurants hier. Von denen hat derzeit Zweidrittel geschlossen. Doch auf unserem Informationsgang hatten wir zwei (sogar offene) deutsche Lokale gefunden. Eines leuchtete mit dem Angebot Rindsroulade. Da ich gestern rein zufällig in Rosins Restaurants gesehen hatte, wie er Roulade machte, war für mich klar: Heute Roulade.
    Dabei war es keine deutsche Roulade. Nach spanischem Smalltalk kam heraus, dass Christiane Österreicherin ist.
    Die Roulade war perfekt. Noch ein Erfolg!
    Jetzt werde ich skeptisch. Was kommt als nächstes?
    Endlich mal ein Misserfolg: Der Käse entsprach nicht den Anforderungen der liebsten aller meiner Ehefrauen.
    Dafür hatte unser Laden noch auf, in welchem wir noch das Restliche zum Glücklichsein kaufen konnten.
    Appartement war schön warm (nenne ich jetzt nicht Erfolg). TV war interessant, besonders dadurch, dass die Sender des Satellitenfernsehens immer an anderem Sendeplatz waren und man schön zappen darf, bis man seinen Wunschsender fand. Wieder mal Misserfolg. Endlich!

     

    Di. 09.02. Mallorca 6

    Kein Rainy Day, ein Stormy Day. Sonne knallt hinter leichtem Dunst, Meer war noch ziemlich ruhig.
    Stormy Day ein Autotag. Mit Auto sollte man fahren können. Konnten wir nicht – doch, die ersten zwei Kilometer. Tank war leer (wir müssen es genauso abgeben!). Kannte eine Tankstelle in der Nähe. Die Zapfsäulen waren versperrt, der Tankwart erklärte, die Software spinne, sie warten auf Wartung. Kann 15 Minuten dauern. Oder 30.
    Wir entschieden uns zu warten. 26 Autos fuhren unbetankt weiter. Nach 33 Minuten der Ausruf, jetzt sei es soweit.

    Eines der ruhigsten, beschaulichsten Orte vor 30 Jahren war Porto Colom an der Ostküste, ein Fischerdorf, weit ab vom Tourismus. Eine Kneipe am Hafen. Zwei, drei Segler im Hafen. Damals hatte ich diesen Ort als ersten Punkt ausgewählt, als ich mit Hotelgästen Rundfahrten machte. Natürlich gegen Bezahlung, Essen frei.
    Porto Colom
    Heute ist die Beschaulichkeit eingeholt von heutigem Tourismus.
    Dafür sind die Straßen sehr gut ausgebaut. Wetter lässt sich nicht ausbauen, es kommt wie es will.
    Sturm mit Sonne auf herrlichen Straßen in herrlicher Umgebung.
    Zu Hause dann ordentliches Wetter: Sturm blies die Wellen über die Wellenbrecher, auch die Gischt über unser geparktes Auto, der Sturmwind zog uns fast die Jacken aus, draußen auf dem Meer zogen riesige Schaumteppiche entlang, die Trennscheiben zwischen den Balkonen erzitterten.
    Selbst unsere ruhige Innenbucht wurde meschugge und zeigte Schaumkronen.
    Jetzt dachten wir an die abgesagten Rosenmontagszüge und retteten uns nach Hause.
    Aus dem warmen Appartement im 8. Stock schaut man gerne hinaus in stürmische See.
    Wehe, wer jetzt den Naturgewalten ungeschützt ausgesetzt ist.
    Wie wir heute Vormittag der Naturgewalt, kein Benzin zu haben.

    Mi. 10.02. Mallorca 7

    Gestern hat sich der Wind aufgebaut, der heute Morgen dicke Brecher liefert. Gestern war Sturm, heute früh nur leichte Brise. Deshalb sind auch keine Wind- oder Keitsurfer unterwegs, sondern jede Menge Wellenreiter. Grandiose schaumgekrönte Wellen. In der „großen“ Bucht hunderte dunkler Punkte, die plötzlich, wie von Geisterhand von den Schaumkronen in heiklem Tempo vorangetrieben wurden. Bedauerlicherweise immer wieder zurück zum Strand, dann müssen sie immer wieder rausschwimmen. Nix für mich!
    Wir setzten uns ins Automobil und ließen erst mal die Scheibenwaschanlage mit Wasser auffüllen. Das Salzwasser, welches auf unserem vorgelagerten Parkplatz in großen Duschen aufgeschlagen war, hatte jede Sicht hinter Salzschicht verdammt. Wir hatten zwei Liter Wasser dabei. Mit diesen zwei Litern Trinkwasser bekamen wir die Scheiben nicht frei, kurz drauf war die Salzschmiere schön überall verteilt.
    Jetzt aber konnte es losgehen: Die Insel erkunden.
    Da fiel uns ein, große Lust zu weiten Fahrten, ein bisschen die nahe Gegend erkunden, mal sehen, ob das, was wir von Früher kannten, entweder noch da und wenn ja, wie es noch da ist.
    Dort oben, bergauf hinter El Arenal gab es freie Pampa, Sträucher, Gebüsch und wildes Rosmarin.
    Heute touristisch überbaut, Reihenhäuser billig und Villen teuer, nur die Abrisskante zum Meer hin blieb wie sie war: unberührt.
    In unserem Apartment unter dem Dach bekommen wir immer hautnah mit, wenn der Wind eine gewisse Stärke annimmt, dann klackert oben auf dem Dach irgend eine lose Tonne und rumpelt mehr oder weniger stark.
    Hier, an der Abrisskante vom Fels zum Meer erfuhren wir die Wetteränderung beim Aussteigen aus dem Auto: Keine Knallsonne, sondern Knallwind, der meine Türe zuzuhalten versuchte. Dennoch stiegen wir aus und kämpften uns vorbei an den Villen und Reihenhäusern zu eben dieser Kante mit einem tollen, insularen Ausblick. Links Afrika, vor uns in der Ferne unser Appartementhaus.
    Na ja, wenn wir heute 20 km gefahren sind, war es viel. Aber bei dem Wind . . .
    Eine große Aufgabe stand mir noch bevor: Den Karton voller Lebensmittel (und Bier!) aus dem Auto nach oben bringen. Zum Glück ging der Aufzug.
    Wir haben jeden Tag eine neue Überraschung: Das erste und zweite deutsche Fernsehprogramm sind beim SAT-TV jeden Tag auf derselben Taste auf der Fernbedienung. Alle anderen wanderten von Tag zu Tag auf einen anderen Platz. Sicherlich schrieben wir uns die Kanäle auf, doch immer lagen sie woanders. Zwei Tage konnten wir SAT1 empfangen, danach war der Sender verschwunden – wir zappten bis 680.

    Abendessen aus dem Karton selbst gezaubert. Meine hiesige Tonne vernachlässige ich nicht, denn dort nehme ich Wetter hautnah wahr mit einem Bier in der Hand, also das da unten, wo die Wellen nach wie vor blöde auf Felsen platschen.

     

    Do. 11.02. Mallorca 8

    Grelle und heiße Sonne empfing uns am Morgen, grell, weil das Mittelmeer die Strahlung wie ein Spiegel verdoppelte.
    Nun hatten wir die Automiete verlängert, also war Fahrt angesagt. Porto Pollenca war eigentliches Ziel, doch eine Heimfahrt am Nachmittag gegen die tiefstehende Sonne wollte ich vermeiden. Neuer Plan: Valdemosa, Stadt von Chopin und George Sand. Dass Valdemosa einen eigenen Hafen 450 Meter tiefer unten hatte, war mir unbekannt, doch die liebste aller Ehefrauen hatte die Idee, diesen vortrefflichen Hafen zu besuchen. Hätte sie den Schwindel erahnt, wäre sie locker über ihre Eingebung hinweggegangen. Nach wenigen hundert Metern begann das schwindelerregende Ereignis: Immer am Abgrund entlang, 6 km abwärts. Wie lang 6 km sein können, erfährt man erst, wenn man diese 6 km in steilsten Serpentinen mit oft nur einspuriger Fahrmöglichkeit absolviert und die unterdrückten Angstschreie der liebsten aller Ehefrauen immer wieder erahnt. In jeder der engen Serpentine kommt naturgemäß ein Auto entgegen oder an den Schmalstellen. 112 Kurven, die meisten mit Blick in den Abgrund wollten überwunden werden. Mein Lenkrad hatte schon Muskelkater, die Lenkung wollte auch schon den Dienst verweigern.
    Da waren wir unten.
    Die letzte Engstelle, eine Brücke zum Hafen mit einem einzigen Cafe, ca. 20 Häuser, an die Felsen geklebt, scheinbar unbewohnt; die acht Boote alle an Land, abgedeckt. Der Parkplatz größer als der Hafen (50 mal 20 m), die Tische vor dem Cafe fas alle belegt von den sieben Leuten, die sich hierher verirrt hatten. Hinter uns 450 m hohe Felsen, vor uns das Mittelmeer, Richtung Barcelona. Etwas weiter rechts liegt Marseille, ganz rechts stößt man auf Korsika. Was für ein grandioser Hafen, dem die ganze Welt offen steht.
    Port de Valldemosa
    Nach Cortado und Tee (Erholung tat not) wieder die 112 Kurven, diesmal aufwärts, du siehst den entgegenkommenden Verkehr nicht, weil so steil; und wieder, just in Serpentinen und an Engpässen kommt der Gegenverkehr – richtig, es gibt ja auch nichts anderes, wo man sich treffen könnte.
    Endlich wieder oben, erst mal einen Parkplatz gesucht für eine Entspannungszigarette. Der Schwindel forderte seinen Tribut.
    Mindestens alle 10 km triffst du auf Gruppen von Rennradlern. Triffst du auf einzelne, sind die entweder abgehängt oder fahren dem Tour de France Sieg entgegen.
    Dass die Landschaft superschön ist, brauche ich hier nicht zu erwähnen.
    Auf dieser Bergpartie nach Andraitx geben Kurven sich die Hand. Genau gesagt: eine 40-er Strecke; biste mal auf 50, kannste gleich wieder abbremsen. Doch diese Ausblicke! Natürlich nur für den Beifahrer!
    Habe früher mal auf ähnlicher Strecke unzählige Unfallwagen in den Schluchten gesehen.
    Da ich dieses noch schreiben kann, liegt unser Mietwagen nicht zerquetscht in einer solchen.
    Schrecklich schön, diese Gegend, vor allem viel Natur, und man kommt sich so klein vor, wie man ja auch ist.
    Zurück in unserer nicht so schrecklich-schönen Welt genossen wir den Ausblick auf was Flaches, unspektakuläres, eben Meer, Buchten und aus den schrecklichen Bergen geschnittene Steine, zu Häusern zusammengesetzt.
    Keine Serpentinen mit fürchterlichen Abgründen. Die Segelschule war wieder mit neun Schülern auf der beruhigten See, die Wellenreiter hatten wieder mal die Surfer abgelöst, da Wind kaum wehte, jetzt konnten wir in Ruhe auf unerem Balkon im 8. Stock unser Essen einnehmen und die wechselnden Lichtstimmungen wahrnehmen.
    Dann kam die Meldung, dass man die von Einstein vorausgesagten Gravitationswellen entdeckt hatte.
    Nun erinnerte ich mich an den Roman von Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“, als der Endcomputer auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und den Rest die Antwort gab: „42“
    Diese Wellen machen nichts anderes, als bei ihrem Eintreffen alles zu dehnen oder zu stauchen. Keiner merkt was davon. Das ist 42. Vielleicht auch 42,5.
    Jetzt schlafe ich beruhigt ein.
    Nein, unberuhigt, da wir beide (die liebste aller meiner Ehefrauen und ich) zusammen 120 Euro für Datenübermittlung verbraucht haben und sie (1&1) uns die Verbindung vorsichtshalber sperren.
    Dabei hatten wir gestern mit 1&1 telefoniert und offenbar nichts klargestellt . . .
    Später stand ich an meiner Mallorca-Tonne, freute mich über den nächtlichen Anblick der Buchten und der Lichter drumherum bei meiner heutig vorletzten Zigarette und wusste, dass wir von diesem Rotwein, den wir gestern gekauft und heute geschlürft haben, morgen noch eine Flasche kaufen werden (Monologo, Rioja, crianza 2013).
    Er hatte eine Halsbinde, die die Kassiererin mit besonderem Schlüssel entfernen musste.
    Sie wird sich morgen wieder an uns erinnern müssen.
    Wann komme ich endlich ins Bett?

     

    Fr. 12.02. Mallorca 9

    Glücklicherweise fuhren wir in den Norden der Insel. Der Süden war eingetaucht in graues, stürmisches Wetter. Die Strecke Alcudia – Port de Pollenca bot sich wie immer wunderschön, der kleine Abstecher nach Formentor mit den herrlichen Aussichten erhellte die Seele.
    Port de Pollenca
    Dann quer durch die Insel, teilweise auf Nebenstraßen in die graue Südhälfte mit Starkwind.
    Unser neuer Italiener schuf uns wohle Gefühle (er kommt aus Palermo, sie aus Peru).
    Nun, mehr war heute nicht drin. Doch: Ein exzellentes Steak und Spaghetti Carbonara, angerichtet von einem Sizilianischen Koch.

     

    Sa. 13.02. Mallorca 10

    Heute noch mal Auto. Wohin? Banal, mal um die Ecke, Port de Andraitx.
    Andraitx
    Hochtourismus, sprich reichste Leute. Die haben heute gefehlt, dafür waren wahnsinnige Böen angesagt. Diese zogen mir, statt des Hutes, fast meine Basecap aus Leder aus.
    Jetzt fuhren wir in die Umgebung, herrlich ursprünglich oder gar urig.
    Calvia ist der Ort, wo Klaus Ludwig (ehemaliger Rennfahrer „König Klaus“) eine Dependance unterhält. Oft, wenn ich ihn anrief, sagte er, er wäre eben dort und lässt sich den Bauch bei 22 Grad bescheinen. Wenn es bei uns minus Grade hat. Ein Ort mit viel Historie.
    Calvia
    Dort am Ort einen Cortado, Fotos, dann heim nach Can Pastilla.
    Wetter: 21 Grad, bewölkt.
    Daheim: Can Pastilla düster und wieder sonnig.
    Die Möven überflogen sich gegenseitig. Die schwarzen Taucher überboten sich, im Schlamm zu suchen, die Sonne unterlag dem weltlichen Wetter.
    Hertha verlor 0:2 gegen Stuttgart.
    Da kam hier gerade die Sonne raus und beschien die Küste.
    19:00 hatte ich genug und ging in die britische Kneipe am Rand der Bucht.
    Das war ein witziger Griff: Der Chef (Sir Allen) ein Schotte, Gäste sozusagen Einheimische, aber Briten, die hier schon lange leben. Alle aus dem Norden Englands. Schalk in den Augen, doch sehr reserviert. Habe mich eingebracht, wie ich mich einbringe, also normal fragend und fordernd. Meine Neugier treibt mich. Was denn sonst?

    Ich fand den Abend schön. Die hiesig Lebenden finden es na ja, könnte besser sein, nehme an, die pekuniäre Lage spielt eine Rolle. Im Winter verdienste nicht das wie im Sommer. Kann man wissen, sollte es aber auch. Hier sind viele gescheitert! Habe das in alten Jahren erfahren, die ich mal hier war und dieselben Leute aus der Branche sprach.
    Und wisst ihr was? Es geht immer weiter.
    Warum auch nicht? Leben geht ja auch immer weiter, ob auf Mallorca oder im sonnigen Germany.
    So wie die Wissenschaft auch immer weiter geht und nun offenbar die fast nicht erkundbaren Gravitationswellen entdeckt hat!
    Mir gegenüber steht ein Teller mit Mandarinen, Äpfeln und einer Zitrone.
    Draußen rauscht das Meer. Die Nacht ist da. Und das Meer rauscht ununterbrochen.
    Das haben wir Menschen nicht drauf.
    Jetzt gehe ich schlafen.

     

    So. 14.02. Mallorca 11

    Es gab so manchen Windtage. Heute hatten wir einen Wellentag, kaum Wind, dafür sich überschlagende Wellen, die mit donnernder Wucht auf die Wellenbrecher schlugen und alles weiß verquirlten.
    Wir schoben eine ruhige Welle, wir erholten uns vom Urlaub, genossen den Ausblick auf immer neue Wellenkonstellationen, saßen und aßen und schauten und lasen, hoch über der kochenden See.
    Hinzu kam, dass der Rest der Insel unter dunklen Wolken schlummerte, nur bei uns war Sonne und unter ihr fiel das Schwitzen nicht schwer. Hinten, in der großen Bucht, schossen die Wellenreiter auf den Strand zu. Heute fehlten alle windabhängigen Wassersportler, kein Segelboot zu sehen, keine Windsurfer.
    Sie machten Pause wie wir.
    Diese machten wir mit dem süffigen Rotwein „Monólogo“, frischen Tapas und süßen Mandarinen.
    Schon dämmert es, die weißen Lichter um den Hafen gehen an, es folgen später die gelben Lichter der Uferstraße.
    Sir Allen hatte auch Licht an und ich tauschte mal meine hiesige Tonne mit seiner. Nun, die Briten gluckten zusammen, sprechen ihren eigenen Dialekt. Ein Pint und ein 103 (Cientotres = spanischer Weinbrand), drauf eine Zigarette draußen an der Fremdtonne. Jetzt windete es immer mehr, Allen sagte, Sturm steht bevor, ich verifizierte dies mit der Wetter-App, und siehe da, hinter unserem Hochhaus gab‘s den ersten Blitz – und was für einen.
    Nun lebte der Cientotres nicht mehr lange, Regentropfen platschten in die kleine Bucht und auf mehr hatte ich keine Lust. Die liebst aller meiner Ehefrauen empfing mich im warmen Apartment. Jetzt kann der TV-Abend beginnen.
    Draußen begann der Sturm: Blitze überholten sich, Regen freute sich am Fallen und klatschte an unserem Fenster unter dem überdachten Balkon. Dann war auch der Sturm müde wie ich.

     

    Mo. 15.02. Mallorca 12

    Was für ein Wetter? Was für ein Wetter! Kein Wind, dafür aber Sonne und ein paar Wolken.
    Wir machten trotzdem Pause. Ruhepause vor allem und jedem.
    Erst am Nachmittag ließen wir uns überreden, einen Spaziergang zu machen, einen kleinen Einkauf sowie eine einstündige Einkehr in ein witziges Lokal „Flip Flop“ am Hafen mit Blick auf die Wellenreiterphalanx, einige mit Paddeln, also stehend, die meisten ohne Paddel, also liegend in die Wellen hinein. Kaum waren sie draußen, waren sie schon wieder am Strand. Und dies immer in Wiederholung.
    Zwei junge Frauen beherrschten das Lokal (Inhaber?) und so war der ganze Vorraum mit Deutschen besetzt, die lautstark ihre Mallorca-Erlebnisse kundtaten. Besonders fiel uns eine alte Dame (wohl in unserem Alter) auf, die mit einem jüngeren Mann am Nebentisch saß und die Zügel in der Hand hielt, wie auch ein Laptop der Marke ASUS.
    Dass der jüngere Mann nicht ihr Sohn sein konnte, fiel uns dadurch auf, da er offenbar kein Deutscher war.
    Die überdrehte Gruppe aus Münster verließ die Terrasse und es war wieder einmal beschaulich, bis auf die Sechsergruppe Deutscher, die nicht immer laut ihre Mallorca-Erlebnisse kommunizierte.
    Ah, es gibt hier auch schöne Kleinigkeiten zu essen – vielleicht sieht man sich wieder in diesem FlipFlop.

    Jetzt galt es noch die restlichen Trinkbedürfnisse für den Abend zu erfüllen, bei unserem Senegalesen gegenüber, der immer jede einzelne Dose Bier eintippte, um am Ende noch einmal alles nachzuzählen. Er wünscht sich so sehr einen Lottogewinn.
    Nun hatte mich meine hiesige Tonne wieder und ich den Blick aufs Meer, auf die große Bucht und die kleine vor unserer Nase. Keine schäumende Gischt, ruhiges Wasser und trotzdem lange Wellen in der großen Bucht und die kleinen schwarzen Punkte der Wellenreiter.
    Nach diesem optischen Genuss noch ein selbstkomponiertes Abendessen und ein wenig TV.
    Jetzt noch eine Zigarette an meiner Tonne und schon ist wieder ein Tag vorbei.

     

    Di. 16.02. Mallorca 13

    Wir haben vor: Bus zur Estacion, Bimmelbahn nach Soller, Straßenbahn nach Port de Soller und zurück.
    Was kommt raus?
    Das kam raus: An der Estacion griff eine Übelkeit um sich. Woher eine solche kommt, weiß kein Wissenschaftler.
    Blauer Himmel, strahlende Sonne, Windstille, 16 Grad im Schatten, in der Sonne 28 Grad. Dennoch bekäme man einen Sonnenbrand.
    Placa d’Espana unter Palmen. Nach einer Stunde dreißig unter vierzig Palmen war die Übelkeit verdampft und das Cafe Lirico an der Placa de la Reina zog uns an mit herrlichen Tapas, Cortados und seiner Einzigartigkeit.
    Cafe Lirico
    Dann hatte der Passeig de Maritimo seine Anziehungskraft, den Yachthafen mit unendlich vielen Segel- und Motorbooten, ganz hinten lagen heute zwei große Aida-Schlachtschiffe und der Passeig war voller Kreuzschifffahrer.
    Als kleine Schäfchenwolken aufzogen, ließen wir uns vor Schreck mit dem Taxi heimfahren. Nicht, weil wir heim wollten, sondern in der Nähe des Heimes noch ein bisschen mallorquinisches Wetter aufzusaugen.
    Terrasse hinterm Hafen, jetzt schattige Plätze in der Sonne mit Blick auf die geparkten Segelyachten, einen Tee, ein Stück Torte oder ein Bier vor Augen. Die Masten der Segelyachten blieben ständig vorhanden, was mit dem Bier nicht so geschah. Auch nicht mit der Zeit und der Helligkeit.
    Yachthafen
    Dann freuten wir uns, im Piso Ocho zu sein und uns auszudenken, welche Speisen wir uns heute Abend zukommen lassen wollten.
    Aber erst mal an meine hiesige Tonne mit Blick von oben auf den Hafen, die kleine und die große Bucht. Natürlich mit einem Bier in der Hand. Heute: Heineken.
    Essen gab‘s vom Sizilianer para llevar und so saßen wir oben und verspeisten genüsslich unser Abendmahl mit Blick auf die erleuchtete Bucht.

     

    Mi. 17.02. Mallorca 14

    Nichts vor.
    Mal sehen, was kommt.
    Was kam?
    Wie immer anders, als man es sich vorstellte. Eigentlich mit dem E-Bike an der Küste entlang.
    Oder fahren wir doch unsere restlichen 4 Fahrten mit dem Bus noch ab? Ja, nach Portixol. Einem kleinen Hafen kurz vor Palma. Wunderschön Mit Blick auf die Kathedrale. Aber auch im kleinen Hafen an der Bucht gab es Cafés. Dort aßen wir Tapas, um uns auf den Rückweg vorzubereiten.
    Portixol
    Der Rückweg ist der Passeig de Baja, ein umführender Weg von Arenal nach Palma. Grandios gestaltet mit Schattenflächen und Bänken, in unterschiedlicher Richtung ausgerichtet, einem umfassend ausgebauten Radweg. Irgendwann war mal Schluss mit der Wanderung, jemand von uns musste mal Pipi.
    Kneipe an der Seite und Bushaltestelle nah.
    Die Haltestelle gewählt, die uns zur Kneipe Flip-Flop brachte, mit Blick auf den Hundestrand und die große Bucht, wo die Keit- und Windsurfer agieren.
    Abend: Abendessen vom Sizilianer. Na ja.
    Dann hatte ich Lust auf einen letzten Cientotres. Lorenzo de Mancor de Valle war dort. Man erkannte sich. Ich sagte, wolle nur am letzten Abend ein letztes Getränk. Ich saß natürlich in der Raucher-Lounge. Lorenzo schoss mir einen Cientotres ein ohne Limit. Es quoll nur so. Ich bestellte mir noch eine Cana und da sagte Lorenzo, er würde mir am Ende noch einen „Pfiff“ erteilen. „despues“, also später, heißt das. Als er dann kam, um mir meinen Pfiff zu geben, liefen uns fast die Tränen, denn den Alten mochte ich, Lorenzo de Mancor del Valle, wir fielen uns um den Hals.
    Wenn das kein Abschied ist.
    La Alma del Restaurante! Die Seele des Restaurants.

     

    Heimreise 18.02.16:

    Knallsonne, kein Wind. Packen und aufräumen im Nu.
    Die liebste aller meiner Ehefrauen hatte ihren Schlüssel bereits am Vorabend auf den Abreisetisch gelegt. Wir sollten beide Schlüsselpaare in den Briefkasten werfen.
    Der stand die ganze Zeit offen, mit unseren Schlüsseln nicht abschließbar.
    Immer, immer befand sich mein Schlüssel in meiner rechten Hosentasche.
    Jetzt nicht mehr.
    Ungläubig suchte ich alle Taschen durch. Nix.
    Na ja, wenn der Briefkasten eh offen steht . . .
    Die liebste aller meiner Ehefrauen feixte. War es sie doch, die immer ihre Schlüssel suchen musste und nun ich, am Abreisetag hatte den Schlüssel nicht mehr.

    Nun ja, die Sonne schien und wir suchten das kleine Lokal an der kleinen Bucht auf, von dem man auf den Hundestrand schauen konnte und die Wellenreiter beobachten.
    letzter Blick
    Wir hatten vier Stunden Zeit. Drei davon kosteten uns je 10 Euro an Verzehr. Die vierte war frei. Und die Sonne lief beobachtbar ihre Bahn und wir beobachteten sie – eigentlich waren es die Schatten, die liefen. Zeit haben wir ja alle bis zum Abwinken. Oder bis zum Abflug.

    Wir genossen die Sonnenwärme, den Duft der Küste Mallorcas, die Bilder wellenreitender und inzwischen auch keitsurfender Punkte, die Personen waren. Wind war aufgekommen. Leider Wind vom Norden, weshalb wir auch gen Norden starten mussten und unsere Buchte nicht mehr von oben sehen konnten. Wir ließen sie sozusagen hinter uns und stiegen in ein neues Leben auf in den Himmel. Oder in das alte? Nun, dazu hatten wir vom Bordrechner errechnete 2 Stunden und zehn Minuten.

    Gerade hatte man sich an die neuen Abläufe gewöhnt, die Stellung der Möbel im Apartment, die Küche, die Toilette etc. und nun? Wieder umlernen, zurück lernen an ehemals alt bekanntes. In den zwei Stunden Heimflug gelang es nur schwerlich.

    Zu Hause brauchte ich nicht mehr alles ins Spanische zu übersetzen, was mir anfangs schwer fiel, obwohl einer unserer Ladenbesitzer, bei dem wir unser täglich Wasser und Bier holten, Senegalese war, an dem ich mein verstaubtes Französisch ausprobieren konnte und er mich lobte, denn er kannte keinen Deutschen, der seine Sprache sprach – dieser Senegalese hielt mich vor Abreise auf und gab uns zwei Heineken und eine Flasche Sprudelwasser als Geschenk auf den Weg.
    Sowas ist mehr als die Sonne, die man empfing.
    Was speist man lieber in einem Air Berlin Flug auf der Heimreise als Currywurst. Die kommt aus Sylt, vom Koch der „Sansibar“. Mit extra Curry. Hervorragend! Bier ist Bitburger, dann freut man sich doch auf ein Berliner Kindl!
    Der migrationsbehaftete Taxifahrer lenkte sein Fahrzeug (Mercedes) genau so souverän wie der von Can Pastilla zum Flughafen von Palma (3 km).
    Daheim ist daheim, meint man. Es war kalt in der Wohnung. Zu essen gab‘s auch nichts. Für heute muss die Sansibar-Currywurst reichen.
    Übrigens: In dieser Soße sind Zwiebeln. Grandios! Müsste mal einer drauf kommen!

     

    Der Tag danach:

    Immer, wenn ich aus dem Fenster schaute, erwartete ich die beiden Buchten zu sehen. Was sah ich? Die U-Bahn-Treppenbaustelle gegenüber. Bierexpress im Lichterglanz, davor meine Tonne und ich dachte sehnsüchtig an die Tonne in der Sonne auf Mallorca. Auf dem Balkon in der achten Etage, in dessen Fenstern sich die Segler spiegelten und von dem wir auf ein Kunstwerk schauen konnten, was da war: Vier Buchstaben auf die Wellenbrecher genagelt, beides aus Eisen, also rostend, die ich zunächst nicht verstand: VENA. Allerdings war das A ein umgekipptes T, wie ich später sah. VENT ist das mallorquinische Wort für WIND.
    In den zwei Tagen Sturm, die wir hatten, hatte sich das A, was eigentlich ein T war, zu einem I verformt, es waren Seiten abgefressen und abgebrochen vom Wasser und vom Wind.
    VENT
    Was sagt uns das? Alles ist in Veränderung begriffen, ob es will oder nicht.

     

    Nun sind wir wieder zu Hause und verändern uns langsam und leise, bis wir . . .
    uns zuende verändert haben.
    Reisen kann bilden.
    Jeder bringt Bilder mit sich nach Hause, im Innern oder auf den Medien.
    Die inneren vergisst man nicht.

    -Ende-

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  • egot24 13:45 am 14. November 2012 Permalink | Antworten
    Tags: Antholz, Biathlon, Brauhaus Kneitinger, , Regensburg,   

    Antholz, Axel und der Müll – eine exotische Reise in den Wintersport 

    Es war wohl im Jahre 1990, ganz sicher aber im Winter, als ich eine Postkarte von Axel erhielt. Axel, ein sehr eigener Mensch, der es sogar fertigbrachte, mit frisch gekauften Turnschuhen einen Marathon zu versuchen, der mit einer Fackel nachts um dir Krumme Lanke in Berlin lief, dieser Axel hatte mir in seiner nicht sehr alltäglichen Art eine Postkarte gesandt mit dem Hinweis auf den demnächst stattfindenden Biathlon in Antholz (landessprachlich Anterselva, Norditalien) und seinen Wunsch geäußert, dort doch einmal in seinem Leben dabei sein zu können.
    Es gelang mir, aus Frankfurt am Main ihn in Regensburg telefonisch zu erreichen und wir machten aus, dass wir gemeinsam nach Antholz fahren wollten. Er solle sich dann und dann bereithalten, gepackt haben, denn ich wollte ihn für drei Tage Antholz einladen. (Er war derzeit joblos – also auch zeitlos abkömmlich).
    Ich hatte in der Pension Gruber in Antholz-Niedertal zwei Einzelzimmer bestellt, meinen Mercedes gesattelt und brauste früh nach Regensburg. Abends wollten wir in Antholz sein. Zum ersten Male sah ich seine Einzimmerwohnung in einem Hochhauskomplex. Karg eingerichtet. Er  meinte, er müsse noch etwas erledigen, er wäre erst abends fertig und wir könnten ja die Nacht noch bei ihm übernachten und am nächsten  Morgen fahren. Meine Erwähnung, ich hätte bereits das Hotel bestellt, überging er mit seinem Lächeln. Ich wartete im Kneitinger, dem berühmten Brauhaus mit riesigem, bayrischem Gasthof, bis er seine Erledigung vollbracht hatte. Wir tranken noch ein Bier, spielten eine Partie Schach und dann durfte ich auf einer Gästematratze schlafen.
    Am nächsten Morgen hatte er wieder eine Erledigung vor und ich frühstückte in einem Café.
    Als er dann endlich kam, luden wir seine Sachen ein. Etwas ungewöhnlich – wie alles bei unserem Freund – hatte er statt eines Koffers zwei blaue Müllsäcke bereit, in der seine Dinge verwahrt waren. Die verstauten wir im Kofferraum. Etwas wunderte mich, dass er zu einem dünnen hellblauen Hemd, einem Jackett und einer Stoffhose lediglich normale Straßenschuhe anhatte – fuhren wir doch in ein Wintersportgebiet.
    Schnell waren wir in Antholz. Dort herrschte tiefer Winter, die Straßen waren zwar schneebefreit, doch es war mächtig kalt. Wir checkten spät nachmittags in der Pension ein, die ich vorher von unserer verspäteten Ankunft unterrichtet hatte. Wir bezogen unsere Zimmer, er mit seinen beiden Müllsäcken, ich mit einer Sporttasche, worin ich weitere kälteschützende Klamotten hatte. Wir speisten fürstlich, an Bier fehlte es nicht und auch die Schachpartien, die wir uns immer schon geliefert hatten, waren köstlich.
    Am nächsten Morgen wollten wir nun endlich die Pisten besuchen, die höher gelegen bis an die Grenze zu Österreich führten. Es gab einen Shuttlebus nach oben.
    Beim Frühstück sah ich Axel wie am Tage zuvor in Hemd, Jackett, Hose und Straßenschuhen. Willst du nochmal hochgehen, dich umziehen? Nein, ich bleibe so. Wie bitte?
    Es stellte sich heraus, dass er wirklich nichts mitgenommen hatte außer der Kleidung, die er trug. Und was ist in den Mülltüten? Ja, die habe ich gerade eben in den Müllcontainer vor der Pension geschmissen. Und was war da drin? Mein Müll aus Regensburg . . .
    Typisch Axel! Dazu sein Lächeln.
    Da ich noch Kleidung hatte, gab ich ihm Schuhe und eine Winterjacke. Eine weitere Hose hatte ich nicht dabei.
    Und so fuhren wir mit dem Shuttlebus zum Biathlon.
    Dort suchte sich Axel einen Stehplatz auf einem Plateau mit Sicht auf die Schießstände, unweit des Zieles. Ich wollte beweglich bleiben und mir Stellen suchen, an denen man mal dieses und jenes sehen kann. Während ich mal das Schießen beobachtete, mich dann durch den Schnee zum Zieleinlauf machte, wo Béla Réthy die Sportler interviewte, dann mal auf die Strecke ging, höher hinaus, wo ein Gasthaus an der Strecke stand und man essen und trinken konnte, stand Axel wie angewurzelt an seiner angestammten Stelle. Ich versuchte ihn zu bewegen, einmal davon herunter zu kommen, um ihn auf einen Glühwein und eine Bratwurst einzuladen, nein, er ließ sich nicht beirren. Er stand und fror und schaute.
    Nach Beendigung des Biathlon an diesem Tage stakste er offensichtlich verfroren neben mir her und als ich in den Bus talabwärts fahren wollte, sagte er, er würde das kleine Stück laufen. Gewiss angeregt durch die Leistungen der deutschen Damen im Biathlon wollte er sich nicht lumpen lassen und auch eine Leistung erbringen.
    Ich stieg auch eine Station vor der Pension aus und schaute mir die überwältigende Ansicht am Antholzer See an und spazierte mir die Füße warm. Nach einer Stunde kam Axel in der Pension an. Er ging duschen – ich nehme an, ziemlich heiß.
    Es war Nachmittag. Nach einer weiteren Stunde kam Axel herunter in die Wirtsstube. Nun tranken wir mal ein Bier gemeinsam. Wir ließen uns das Schachbrett geben und spielten hingebungsvoll einige Partien. Der Gastraum füllte sich und es begann nach Abendessen zu duften. Also nahmen auch wir unser Abendmahl ein. Axel hatte besonders großen Hunger. Dann noch ein paar Partien Schach, einige Biere und ins Bett.

    Der nächste Tag verlief wie der erste. Axel auf seinem Stellplatz, ich unterwegs. Der einzige Unterschied: Er fuhr diesmal auch mit dem Shuttlebus abwärts.

    Ergebnis: Axel hatte erfolgreich seinen Müll erstmals in Antholz versorgt.

    © Toge Schenck 2012

     
  • egot24 13:26 am 14. November 2012 Permalink | Antworten
    Tags: , Kulturpalast Dresden   

    Harry Belafonte – eine kleine Erinnerung an einen großen schwarzen Amerikaner 

    Wir hatten im September 1992 ein tolles Erlebnis:
    Mich (meine Agentur) hatte die Werbeagentur der Telekom angerufen (welche damals von einer staatlichen Institution zur GmbH gewandelt wurde) mit der Frage, ob ich ihnen Harry Belafonte mit Band und noch andere Künstler für einen Gastauftritt in Dresden besorgen könnte, wohin sie ihre Top-Geschäftskunden einladen wollten. Er sollte singen (was sonst). 15 Minuten. Ich sagte ja, kann ich versuchen.
    Jetzt begann ein Marathon an Telefonaten. Schließlich sprach ich mit Steven Jones (Ohio), der nicht der Manager, aber sein technischer Leiter war. Wochenlange Verhandlungen, wer, was, wie, warum, wohin, etc. etc.
    Dann kam die Zusage von Belafonte. Grandios!
    $ 125 000 mit Band. Telekom sagte sofort zu.
    Dann kam die Nachforderung: $ 25 000, weil sie vorher nicht proben konnten. Der Kunde stimmte notgedrungen auch dem zu.
    Das war 1/2 Jahr vor der Veranstaltung.
    Immer wieder Telefonate mit Steven Jones wegen Einzelheiten, Flügen, Hotel etc. (Ein Anruf muss einem in Erinnerung bleiben, weil Steven sagte, das Bett des Keyboarders müsse verstärkt werden, da er sattes Übergewicht hätte). Kein Problem, sagte das Hotel.
    Das Problem (aber unseres) war: Das Geld für den Auftritt muss 4 Wochen im Voraus vor Auftritt in den USA eintreffen. Glücklicherweise zahlte uns der Kunde auch entsprechend im Voraus.
    Ankunft Technik: sechs Tage vor Ankunft von Harry und der Band. Steven Jones und ein Begleiter – heißt, mit einem Schwarzen im Ossiland:
    In jedem Lokal, das wir betraten, begann betretenes Schweigen. Wie sollte das werden, wenn dann 20 Schwarze in Dresden einfallen!? Wir unter uns verstanden uns prächtig, gingen gemeinsam aus und lächelten über die Reaktionen um uns herum.
    Drei Tage später: Eintreffen von Harry und Band.
    Einen Tag zuvor saß ich mit dem Leiter des Flughafens zusammen und wir besprachen, wie man die Ankunft dieses Superstars geeignet regeln kann. Ich wollte, dass wir Belafonte direkt vom Flugzeug abholen könnten, ohne Check-In, ohne Formalitäten. Es waren keine schwerwiegenden Verhandlungen, im Gegenteil, ganz locker, man wusste noch, wie es zu Zeiten Honeckers zuging. Der Chef, begeistert, einen Weltstar zu empfangen, sagte OK und regelte alles.
    Apropos regeln: Gegen 04:00 nachts klingelte mein Handy. Los Angeles war dran: Management von Harry Belafonte. Sie bestehen darauf, dass ich dafür sorge, dass Harry ab Ankunft Personenschutz bekäme. In Wismar seien zwei seiner Brüder zusammengeschlagen worden. (Brüder der Hautfarbe). Tief nachts, in einem Hotel in Dresden Wachschutz besorgen für den nächsten Morgen!
    (Und was ist mit der Band? – Es waren immerhin 20 teils farbige Personen! – Die sollen sich wohl selber schützen. Aber die Managements kümmern sich ausschließlich um den Star – der davon keine Ahnung hatte (!!) und, als er es erfuhr darüber smart lächelte).
    Am nächsten Tag standen wir am Flughafen bereit mit einem Mercedes 600 (mit Fahrer), einem Mercedes-Van für die Security, einem Bus für die Band und einem Wagen fürs Gepäck und die Instrumente. Vor uns standen zwei Fahrzeuge vom Flughafen mit blinkendem Rotlicht. Einer setzte sich vor uns, einer hinter uns. Dann ging’s aufs Rollfeld. Die Maschine war gelandet. Leute stiegen aus und gingen durch unsere Karawane hindurch zum Bus, der sie zum Schalter brachte.
    Dann kam Harry Belafonte mit seinen Leuten. Ich begrüßte ihn, und er und seine „Rechte Hand“ bestiegen den 600er. Meine Frau kümmerte sich um die Musiker und die Gepäckverladung. Als alles OK war, fuhren wir los: Der vordere Flughafenwagen mit Rotlicht, der Mercedes 600 mit Harry, der Van mit der Security, der Bus mit den Musikern, der Gepäckwagen und der hintere Flughafenwagen mit Rotlicht. Die Karawane schoss mit ungebremster Geschwindigkeit zum Hotel, nicht achtend der Ampeln – nach alter Gewohnheit der DDR bei prominenten Besuchern.
    Während der Fahrt erzählte ich Mr. Belafonte davon, dass weder die Beatles noch die Stones die musikalischen Lieblinge meiner Frau in ihrer Jugend waren, sondern er, Harry Belafonte, seine Musik und im Besonderen „Try to remember“. Das sollte noch Folgen haben!
    Im Hotel, nach atemberaubender Fahrt, standen alle (ich betone alle!) Bediensteten des Hotels in einer Reihe, um Harry Belafonte zu begrüßen.
    Mir zeigte man das extra befestigte Bett für den Keyboarder.
    Dann kam ein Tiefschlag. Harry sagte, er müsse heute noch nach München, um jemanden zu besuchen. Ich wusste, wen er besuchen wollte: Seinen Manager in Deutschland. Übermorgen Abend ist die Veranstaltung und Harry ist mal eben nach München geflogen. Meine Frau und ich hielten die Luft an. Was, wenn ihm irgendetwas passiert? Übermorgen steht der Kunde da und will die Performance.
    Wir wussten die Rückkunftszeit und waren am Flughafen. Der Flug kam verfrüht und war bereits gelandet, als wir auf dem Rollfeld ankamen. Mit dem 600er mit Fahrer. Der Flughafenbus war bereits voller Passagiere. Wir hielten direkt hinter dem Bus. Da winkte mir eine Hand aus dem Rückfenster des Busses zu. Nix wie hin. Es war nicht die Hand Harry Belafontes, sondern die eines ostdeutschen Promis (unter uns, es war Gunther Emmerlich), an dem ich glatt vorbei lief und vorne im Bus unseren Harry bescheiden sitzen sah.

    Am Abend – er hatte mit seinen Musikern gespeist – trafen wir uns noch und er wollte mehr über deutsche Armbanduhren in der Auslage des Hotels wissen – natürlich bei der Verkäuferin, die ihm ihre Telefonnummer gab und ihm anbot, sie auch nachts noch aus dem Bett zu klingeln.
    Tief in der Nacht ging bei mir das Telefon. Nicht die Verkäuferin, nein, Steven war dran, man wolle ihn nicht proben lassen!
    Raus aus dem Bett und hin in den hässlichen „Kulturpalast“ (den die Telekom schon Tage vorher für einen gewaltigen Umbau ausgekauft hatte). Dort war heilloses Missverständnis. Die aufgebrachten Techniker Belafontes glaubten, sie würden benachteiligt, weil sie schwarz wären, der deutsche Techniker sagte, er sei einfach zeitlich noch nicht so weit mit der technischen Einrichtung. Wogen langsam geglättet – alles OK.
    Der nächste Abend:
    Der Auftritt war ursprünglich für 15 Min. konzipiert, wurde dann auf „normale“ 45 Min. erweitert, fand aber den Zuspruch der Gäste derart, dass, obwohl sie auf ihr Abendessen warten mussten, sie lieber Harry Belafontes Musik und – ganz besonders – seiner zehnminütigen Ansprache lauschen wollten, allein seinen Auftritt auf 90 Minuten ausdehnten (plus lang anhaltendem, donnernden Applaus!).
    Es waren noch andere Künstler dort (u.a. Desirée Nosbusch, Viktor Laszlo etc.). Kurz, ein toller Abend, mit Musik, TV-Schaltungen der Telekom rund um die Welt zu Auslandsjournalisten in Moskau, Paris und Los Angeles (was bei der Probe überhaupt nicht geklappt hatte) und manchen Überraschungen. Die Telekom wollte sich eben darstellen.
    Der Heimweg zum Hotel gestaltete sich wegen der Wegkürze so, dass wir gemeinsam die Strecke zu Fuß gingen, doch gab es eine Besonderheit: Da ich Mr. Belafonte verraten hatte, welches der Lieblingssong meiner Frau war, schlich er sich auf dem Heimweg hinterrücks an sie heran und sang ihr diesen Song ins Ohr („Try to remember“ mit Wiederholung!). Unvergesslich!
    Dann traf man sich später gemeinsam im für uns reservierten Restaurant. Künstler, Sänger, Moderatoren, Musiker und eben wir. Neben den genannten Künstlern waren außerdem Nina Corti, die Gipsy Kings und das Fernsehballett im Saal. Wir saßen über den Raum verteilt.
    Als man gegessen hatte, klimperte einer der Musiker mit der Gabel (oder war es das Messer?) an seinen Teller. Sofort kam die Antwort von einem anderen Tisch. Dann klimperte an unserem Tisch Harry Belafonte Antwort. Viktor Laszlos Musiker stimmten ein und es begann eine Session durch den ganzen Saal hindurch. Die Bedienungen standen mit offenem Mund und wussten nicht, was das zu bedeuten hatte. Harry Belafonte begann zu singen, andere fielen ein, es war ein gemeinsames Konzert im Speisesaal, welches die Öffentlichkeit nicht hörte, niemals würde hören können.
    Die Stimmung war unbeschreiblich, unwiederholbar. So glücklich können nur Künstler unter sich sein.
    Harry war zugetragen worden, dass Viktor (übrigens eine Frau) heute Geburtstag hätte. Harry ging zu ihr an den Tisch und im nu waren sie verschwunden . . .

    Im Keller gab es eine Disco.
    Dort trafen wir die Band wieder, die tanzte, was das Zeug hielt, besonders einer und der äußerst gekonnt, so wie es nur Neger können: Der überschwere Keyboarder mit dem verstärkten Bett. Fasziniert schauten wir zu. Als Harry Belafonte dann später zu uns stieß, nahm keiner groß Achtung davon. Steven allerdings kam zu mir und bat mich nach draußen. Dort bat er mich um eine Zigarette für sich und seine Kollegen, die schon dort warteten und bat mich dringend darum, dies nicht Harry zu erzählen, denn der sei militanter Nichtraucher und alle hatten geschworen, nicht zu rauchen. So standen wir zu fünft und rauchten meine Zigaretten.

    Die Abreise war unspektakulär. Man checkte ein, wir umarmten noch einmal Harry Belafonte, er besonders meine Frau und dann war das Ereignis gelaufen.
    Einmal sahen wir uns noch wieder, Jahre später, in Frankfurt am Main in der Messehalle, anlässlich eines seiner Konzerte. Wir hatten Gästekarten, saßen hervorragend, hatten noch einmal Kontakt zu Steven und Harry.

    Das war’s mit Harry Belafonte – genug für ein Leben!

     
  • egot24 00:46 am 11. June 2012 Permalink | Antworten
    Tags: , Lebensqualität,   

    Der Zeitgeist und seine zwei Seiten Widerstrebende Zeitgeister… 

    Der Zeitgeist und seine zwei Seiten.
    Widerstrebende Zeitgeister kämpfen im Wettbewerb (ähnlich wie Religionen oder Weltanschauungen)

    -Der andere Zeitgeist-

    „Ich nehm euch kräftig in die Mangel
    und heize euch verdammt gut ein
    ihr sollt ein höriges Gefolge
    und ohne Widerrede sein
    Mein Wort hat Macht, es ist Gesetz
    ich hab euch an der Angel

    Ich hab die Zeit in meinem Griff
    ich habe sie gepachtet
    ich nehm nur solche Leute mit,
    die mich auch recht geachtet
    folgt nur auf meinen lauten Pfiff
    Ich bin der Geist, der euch gebührt
    ihr wollt es und ich mache –
    Und seid ihr erst recht wohl verführt
    gebt Andersdenkenden ´nen Tritt
    das ist ne feine Sache

    Ich zeig euch, wo der Hammer hängt,
    was jetzt die Uhr geschlagen,
    es ist der Zeitgeist, der euch drängt:
    Folgsamkeit muss euch tragen.“

    -Der eine Zeitgeist-

    Kommt mit, ich nehm euch gerne auf die Reise
    die Zeit ist reif
    und auf besondre Weise
    hat sich am Horizont der Silberstreif
    ins Goldene gewendet
    das Alte hat geendet
    und Neues kommt auf die Geleise

    Lasst alten Zeitgeist ruhig ruhn,
    es sind jetzt neue Zeiten
    und schaut nicht, was die andern tun,
    die ausgediente Pfade schreiten.

    Wir suchen einen neuen Weg
    die Zukunft ist uns offen
    und bleiben wir auf diesem Steg
    lässt uns die Zukunft hoffen.

    Nicht Folgsamkeit ist hier gewünscht
    nur klares Menschendenken
    kein Paradigma, aufgetüncht,
    nur deutliches Entscheiden
    gegen menschliches Leiden
    dann werd ich Freiheit schenken

    © Toge 2012

     
  • egot24 15:50 am 21. August 2011 Permalink | Antworten
    Tags: , , , , ,   

    Bierexpress am Mehringdamm 

    „Sind’se in Berlin, kommen’se zum Mehringdamm! Da erleben’se den weltbekannten Bierexpress, gleich neben dem Curry 36. Dufte Kneipe. Hier verkehrt alles mit Rang und Namen aber ebenso auch ohne beides. Nehmens’e mich. Hab ´nen Namen, aber keinen Rang. Will ja keinen benennen, aber hier war jeder schon. Selbst unbekannte Leute nehmen die Kneipe in Angriff. Und det zu Recht!“

    Dies schrieb ein unbekannter Autor schon vor vielen Jahren.

    Und ich kann dem nur zusprechen, die Kneipe lohnt sich, es ist immer etwas los, tolle Leute von hier, von dort, selbst aus Amerika, England, Kroatien und Russland kommen sie extra hierher. Hier treffen sie auf Publikum, von dem sie immer gedacht hatten, das gibt es nicht. Da sitzt mal ein Schauspieler neben dir, dann einer aus deinem eigenen Land, von überall her treffen sich die Menschen, um hier zusammen zu sein, zu reden, zu trinken, zu lachen. Und: Essen darfst du mitbringen, von nebenan, Curry36 oder von der anderen Seite: Mustafa’s Gemüsedöner oder sonst wo. Hier sein ist alles, kommunizieren kannst du so viel du willst. Kannst auch in die Wii-Lounge gehen und ein bisschen spielen oder von den Spielautomaten dein Glück fordern.

    Der zugereiste Inder spielt gerne am Automaten, der Spanier sitzt vorm Lokal unter der Markise und liest sein Buch, der Franzose hat sich eine japanische Frau angelacht und freut sich, wenn du beiden ins Englische übersetzen hilfst. Vor kurzem fragte mich freundlich ein Husky, wo denn sein Eskimo-Herrchen geblieben sei. All so was gibt es im Bierexpress. Tagtäglich, allabendlich, und sogar nächtlich.

    Dann noch die Geschichten, die die Einheimischen bieten:

    Hörenswert, fast schon lesenswert: Da knallt hier immer ein Typ rein, ziemlich unauffällig, mit roter Mütze und erzählt von einem rauschebärtigen „Taliban“, den er kennengelernt hätte, der Haban heißt und der sich hier in langem Mantel ziellos herumtreibt.

    Er spricht von aufkeimenden oder versinkenden Existenzen, die den Boulevard beleben.

    Es gibt Geschichten: Der Trinker, der hier sein Heil sucht, obwohl er es schon heillos vertrunken hat; die ehemalige Kiez-Größe, deren Krone schon lange in der Vergangenheit versunken ist, der sogenannte Professor, der seinen Titel nur seinem Erscheinungsbild zu verdanken hat und das Genie, das hier ständig aufläuft, um die wahren Werte seiner Unscheinbarkeit glorreich anzupreisen. Das gibt es zwar in jeder Großstadt, aber so, wie hier, am Mehringdamm in Berlin, ist das noch nie gesichtet worden. Und die Spitzen all dieser Größen treffen sich wo? Im Bierexpress. Kommste nicht drum rum. Biste mittendrin. Nun, alles gehört dazu. Kreuzberg ist keine Waschküche sondern ein Meltingpot, heißt wohl Schmelztiegel oder so.

    Hier treiben sich Leute herum, von denen Sie noch nie gehört haben und Leute, die Sie aus dem Fernsehen kennen oder sogar aus der Politik. Alles Berliner. Oder gewordene. Wer in Berlin lebt, wird schnell ein Berliner, wer in Kreuzberg lebt, wird noch schneller Kreuzberger. Weil Kreuzberg gut tut. Und was gut tut, merkt schnell ein Tourist und fühlt sich wohl. Besonders im Bierexpress.

    Traf ich vor kurzem hier draußen einige Iren. Die saßen da und tranken. Nach einiger Zeit hatten sie Hunger (was ja verständlich ist). Sie fragten, ob es etwas zu Essen gäbe. Nein, meinte die freundliche Bedienung. Nebenan! Sie meinte entweder Curry 36 oder Mustafa’s Gemüsedöner. Freundlich, wie Iren nun mal sind, fragten sie, ob sie sich was holen könnten und hier weiter trinken. Wie lautete wohl die Antwort? Nun: Jawohl! Die Iren blieben, bis die Tische hochgestellt wurden, lachten und sangen Lieder, deren Texte keiner verstand, aber deren Inhalt durch das gesteigerte Gelächter immer zweideutiger, mir dadurch klarer wurde.

    Bierexpress ist einzigartig! Und wer es nicht glaubt, soll einfach mal herkommen! Die Zeit ist reif! Übrigens nennt man den Kreuzberger „Bierexpress“ in Texas schon „BX“. Let’s go!!!

    Und morgen sitzt hier vielleicht die weltberühmte Sängerin Anna N. mit einer Currywurst. Wollen Sie da fehlen?

    Bierexpress am Mehringdamm. Das ist die Adresse. Taxi und U-Bahn direkt vorm Haus. Tolle Cocktails gibt es auch noch – und wenn Sie wollen, ein erfrischendes Gespräch mit der Wirtin.

    -weitere Geschichten-

     
  • egot24 02:16 am 22. June 2011 Permalink | Antworten
    Tags: , ,   

    Wo ist der Sepp? 

    Der verschwundene Sepp

    Bis heute ein Geheimnis:

    Es war im September 1989. Ort: Timmendorfer Strand an der Ostsee. Wetter hervorragend. Stimmung blendend.
    Aber alles ist veränderlich.
    Am Vortage hatte ich mit dem Auto die Sportler Klaus-Peter Thaler (Rad) und den weit bekannten Sepp Maier vom Flughafen Hamburg abgeholt und ins Hotel gebracht, von wo sie am nächsten Morgen um 08:00 mit der Belegschaft der feiernden Firma einen Dauerlauf zur Eissporthalle anführen sollten, um dann dort auf verschiedenen vorbereiteten Parcours Wettkämpfe durchzuführen.
    Am Abend besichtigten wir mit dem Kunden zusammen die Eissporthalle, es wurden die Anregungen der Sportler in den Parcours umgesetzt. Alle waren zufrieden. Die Künstler waren auch bereits angereist, so der Moderator, die Tanzgruppe, die Band und eben auch drei Sportler, zu denen auch Wilbert Olinde, als Basketballer, gehörte. Wir gingen alle gemeinsam zum Abendessen, nur Sepp Maier meinte, er sei zu müde, er wolle schon auf sein Zimmer gehen. Angesichts der hübschen Tänzerinnen glaubten wir ihm die Müdigkeit.
    Ich sah ihn zum Aufzug gehen und fort war er.
    Wir hatten mit den Künstlern und Sportlern einen interessanten, spannenden Abend, es wurde viel gelacht und gegen 23:00 ging man zu Bett.

    Morgens um 07:00 trafen wir uns alle zum Frühstück. Sepp Maier war nicht dabei, wir dachten, er zöge es vor, alleine auf seinem Zimmer zu frühstücken, um sich dann erst den Blicken seines Publikums zu zeigen.
    Fünf vor acht klopfte ich an seine Tür. Mehrfach. Nichts.
    Leicht nervös fragte ich an der Rezeption, ob man dort etwas wüsste. Nein, sein Schlüssel hing dort nicht, er musste auf seinem Zimmer sein.
    Um im Zeitplan zu bleiben, liefen nun Wilbert Olinde und Klaus-Peter Thaler mit der Belegschaft zur Eissporthalle. Der Kunde war leicht vergrätzt.
    Um 10:00 sollten die Wettspiele beginnen, bis dahin würde ich den Sepp doch wach kriegen!
    Ich bat den Geschäftsführer des Hotels mit mir und dem Hauptschlüssel zum Zimmer von Sepp. Wir klopften abwechselnd, zunehmend erfolglos. War ihm vielleicht etwas passiert?
    Dann die Entscheidung: Aufschließen!
    Auf dem unbenutzten Bett der offene Koffer, das Handy oben drauf, sonst nichts. Nanu?
    Was tun? Der Geschäftsführer zuckte mit den Achseln.

    In solchen Momenten schießen einem wilde Ideen durch den Kopf: Ist er in eine Schlägerei verwickelt worden und nun im Krankenhaus? Hat ihn jemand am Abend aus dem Zimmer gelockt und umgebracht? Hatte er keine Lust und war abgereist? Was aber mit dem Koffer?
    Er hätte doch wenigstens sein Handy mitgenommen!
    Also zuerst die Polizei angerufen. Der war nichts bekannt. Auch die Wasserschutzpolizei schüttelte den Kopf.
    Die Krankenhäuser waren auch nicht von Sepp aufgesucht worden.
    In der Spielbank war ein Sepp Maier nicht gesehen worden.
    Was blieb?
    Restaurants und Kneipen.
    Nach einstündigem Telefonieren bekam ich den ersten Hinweis und bald wusste ich, mit welcher Rothaarigen in welchen Lokalen er um welche Uhrzeiten gesichtet wurde.
    Leider war die Dame unbekannt.

    Der Kunde war stinksauer – hätte er den Sepp nicht selbst am Abend vorher gesehen, er hätte geglaubt, wir hätten keinen Sepp Maier engagiert.

    Gegen 13:00 (die Vormittagsveranstaltung mit dem Wettkampf war um 12:00 beendet worden) schlich ein übermüdeter Sepp Maier unbemerkt von uns in sein Zimmer, krallte seine Sachen und verschwand (schon wieder).

    Auch wenn alle weiteren Akte perfekt abliefen, die Künstler sich donnernden Applaus abholten, der Kunde würdigte uns keines Blickes mehr.
    Bis auf Sepp Maier war die Veranstaltung sehr gelungen, der Kunde zahlte (bis auf das Honorar für Sepp) die Rechnung – ließ allerdings danach nie wieder etwas von sich hören.

    Wer ebenfalls nichts von sich hören ließ, war Sepp.
    Ich ging zunächst davon aus, dass es ihm sehr peinlich war und wollte ihm ein paar Tage Zeit geben.
    Nach einer Woche ohne Meldung entschloss ich mich, Sepp einen Brief zu schreiben.
    Schließlich hatte ich Verluste durch sein Verhalten erlitten, zum einen die Provision auf sein Honorar, zum anderen den Kunden selbst.

    Zwei Tage später rief mich ein aufgelöster Sepp Maier an: Teufel noch eins, die ganzen Tage habe er die Post in Empfang genommen, gerade heute aber hätte seine Frau diesen Brief in die Hände bekommen und geöffnet – sie wusste doch nichts vom Fehlen von Sepp auf der Veranstaltung und hatte sofort geschlossen, dass er bei einer anderen – ach du dicke Scheiße – und sie wolle sich nun endgültig scheiden lassen – – Tja, hätt’ste dich bei mir gemeldet, hätte ich nicht geschrieben!

    Ergebnis: Scheidung. Weiteres Ergebnis: Er trat für mich mal ohne Honorar auf!

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  • egot24 13:40 am 15. June 2011 Permalink | Antworten
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    Karneval der Kulturen am Mehringdamm 2011 

    Ein spezieller Ein- und Ausblick von oben.

    Es war schon heftig, die Musik von gegenüber, von nebenan, von rechts und links, von dort und da – alles auf  „unserem“ Mehringdamm, dem „Ku’damm von Kreuzberg“. Die letzten Jahre war der Mehringdamm am Pfingstsonntagnachmittag zwar auch für den Verkehr gesperrt und war als Zwischenspurt zwischen dem Festplatz und der Umzugsmeile genutzt. Sicher hatte der eine oder andere anliegende Gewerbetreibende ein paar Cocktails angeboten, ein bisschen eigene Musik vorm Haus, da stand auch mal ein Eiswagen.

    Der Mehringdamm war noch befahrbar, die Massen strömten von der U-Bahn zum Festplatz, dem Blücherplatz. Wie jedes Jahr.

    Etwas war jedoch anders:
    Der Spätkauf des Metropol Hostel baute auf der Ecke links in der Einfahrt neben dem Finanzamt ungeheure Mengen Alkoholika auf, hinter der Einfahrt rechts baute ein wohl Privater ein Musikzelt und meterweise Getränkeangebote auf, auch ein Grill qualmte, wie nur ein Grill qualmen kann. Laute Musik erscholl aus der Einfahrt.
    Samstag war in der Einfahrt große Party.

    Sonntag: Gegen 14:00 Uhr wurde –wie jedes Jahr- die Kreuzung Mehringdamm gesperrt, aus den U-Bahnstationen quoll jede Menge Schaulustiger, um sich an der Umzugsmeile Gneisenau-/Yorckstraße noch ein Plätzchen zu sichern.

    Das Gewusel der Leute nahm zu, einige gingen zum Festplatz andere kamen zurück, alles ganz entspannt. Immer mehr Bierflaschen in den Händen immer jüngerer Leute, Zeitgeist, Zeitungeist – wer weiß. In Holland ist das verboten und wird schwer geahndet, wie uns Holländer erzählten.

    Sonntagmittag bahnte sich etwas Neues an:

    Zusätzlich zur Einfahrt wurden nun ca. 20 m Tische entlang des Finanzamtes aufgebaut, Kisten geschleppt, zwei Grillstationen angeschlossen, Fähnchen gehängt.

    Das Gedränge nahm zu, ebenso der Lautstärkepegel der Musikanlagen gegenüber. Bald sollte noch ein anderer Pegel steigen, einige begannen schon mit der Einleitung, manche mögen ihn auch schon jetzt erreicht haben.

    Eine solche Party wie hier gegenüber, gab es noch nie – die Straße war voll wie noch nie.

    Die Straßenreinigung sollte um die Situation seit Jahren wissen, sie hätte vielleicht vorsorglich einige große Müllcontainer aufstellen können. So aber sind alle Müllbehälter überfüllt, der Abfall liegt am Boden und wo schon was liegt, wird kräftig dazugeworfen. Viele suchen ja nach Abfallbehältern, aber wenn keine da sind . . .

    So sah es gegen 17:00 Uhr aus:

    Nein, mit der Lautstärke hatten (wir zumindest) kein Problem. Doppelfenster mindern. Und wir wissen schließlich, wo wir leben. Anders die Neuzugezogenen. Sie wollen mitten in einem tollen Kiez leben, aber ihre Ruhe haben. Sie sind für Lebendigkeit, aber nur dann, wenn sie es wollen. Da werden hier im Kiez Altbauwohnungen saniert und als Eigentum verkauft. Die Käufer hören von dem tollen Kiez, sollten sich vielleicht auch informieren, was und wie es da zugeht, aber nein, sie kommen z.B. aus Schwaben und wollen ihre schwäbische Ruhe im aufregenden Kiez. Kannste nix machen. So sind die Leute.

    Letztlich ist es unbeschreiblich, was sich hier – unweit vom Festumzug (ca. 90 Meter entfernt) abspielte.
    Es war eine Partymeile für sich, was sich in diesem Jahr hier entwickelte.
    Auch zum Festplatz hin strömten noch die Leute:

    Party en Gros, der Mehringdamm nicht mehr nur Zulaufsteg zum Umzug, sondern ein erheblicher Erlebnis- und Spaß-Laufsteg, der den Umzug gar nicht brauchte, für sich selber feierte und den grandiosen Festumzug einfach 90m links liegen ließ. Die Wogen tanzten im Hof des Finanzamtes, immerhin zu hörenswerter Musik und nicht das andauernd dumpfe DUM-DUM-DUM-DUM, wie es die Love-Parade stundenlang bereithielt.

    Streetdancer und Akrobaten nutzten den Platz auf dem Mehringdamm und boten ein tolles Programm, auch eine junge Dame mit Fußball zeigte ihr ballartistisches Können:

    Mit Braekdance, akrobatische Kunststücken, Artistik vom Feinsten unterhielt die Gruppe mit nur kurzen Pausen stundenlang das Publikum. Hoffe, sie fanden genug Anerkennung im herumgereichten Hut.

    Immer neue Straßenhändler gesellten sich dazu, jeder wollte einen schnellen Euro verdienen:

    Gegen 20:00 Uhr war die Party gegenüber heißgelaufen, der Müll tat sein Bestes, sich zu verbreiten:

    Mehringdamm voller Leben.

    Und die Flaschensammler hatten alle Hände voll zu tun:

    Das Wetter war gut, die Stimmung noch besser und so ließ man sich häuslich nieder, tratschte, sang und verbreitete gute Stimmung.

    Viele blieben bis spät in die Nacht.

    Einige vom Umzug suchten noch einen Umtrunk:

    Den fanden sie ganz bestimmt noch.

    Jetzt wurde es dunkel, aber feiern kann man auch dann. So taten es noch einige.

    Mal kurz aus dem Fenster geschaut (01:56): Jede Menge noch los, keine Volksaufläufe mehr, eher Gelblicht der Straßenreinigung, Blaulicht von Polizei und Rotkreuzwagen (wohl Schnapsleichen), Menschen, die von Hand die Fußwege vom Müll befreien.

    Je später die Nacht, desto promilliger, ach was, prozentiger die Dauertrinker.

    Und schon gab es Zoff! Geschrei direkt vorm Haus. Ich konnte beobachten, wie die Polizei geschwind auf den Herd des Geschehens zulief: „Spätkauf 36“, der kästenweise Bier vor der Haustür verkauft und – natürlich – Caipi.

    (Wie die zu ihrem Namen kamen, ist unklar, weder ist es die Hausnummer 36 noch der Stadtteil „Kreuzberg 36“, vielleicht in Anlehnung an „Curry 36“?).

    Genau beim „Spätkauf 36“ hatte sich eine Gewaltaktion entwickelt. Ein BRAVO für unsere Polizei, ca. zwölf Beamte (Abteilungen A2, A3) waren rasch zur Stelle, trennten wohl sieben ineinander verkeilte Streithähne schnell und sauber voneinander, zwei Frauen schrien noch vor Angst. Ein Großes Lob der Polizei. (Ich habe mit Absicht keine Fotos gemacht).

    Nachdem alles einigermaßen beruhigt war, stellten sich einige Unbeteiligte, dafür Besoffene, Bierflaschen schwenkend in sicherer Entfernung hin und provozierten die Polizei („Ich kenne den, der Deine Frau fickt!“). Die Beamten reagierten überlegen und ruhig, gingen auf die Deppen gar nicht ein. So schnell sie gekommen waren, waren die Beamten nach der Klärung wieder weg. Hochachtung!

    Gelblicht der Straßenreinigung, etwas Blaulicht der Polizei und dreier Rettungswagen (wohl nur Schnapsleichen). Und überall noch kleine Grüppchen Unermüdlicher in Feierlaune. Die Gespräche wurden deutlich lauter, die Bewegungen fahriger. Flaschenklirren.

    Irgendwann waren die einzigen Geräusche die der Straßenreinigung.

    Montags war alles wie geleckt.

    © Toge Schenck 2011

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  • egot24 20:46 am 21. May 2011 Permalink | Antworten
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    Linke auf dem Mehringdamm 

    21.05.2011

    Eine Woche nach der Demo der Rechten kamen die Linken. Angekündigt. Und wieder hatte ich das Glück, zumindest das Ende der Demonstration zu beobachten, nachdem vorher in der rbb-Abendschau verkündet wurde, dass diese Demo bislang friedlich geblieben war. Eine Stunde vorher hatten sie Parolen auf der Kreuzung Gneisenaustr./Mehringdamm gebracht, waren dann aber nach Süden gen Tempelhof gezogen.

    Plötzlich war die Demo vor unserem Haus: Polizeigebleitet, aber Polizei mit Helmen in den Händen, nicht auf dem Kopf und bei weitem nicht in der Menge wie letzte Woche:

    Aufschrift auf dem Transparent: Gegen Faschismus und Staatsgewalt.

    Eigentlich Blödsinn, denn was hat (unsere) Staatsgewalt mit Faschismus zu zun?

    Gemeint war (wie dann aus Sprüchen hervorging), dass man meinte, die Polizei dürfe eine Demo der Rechten erstens nicht gestatten, zweitens nicht schützen. Wie stellt sich die Antifa das vor? Einseitiges Verbieten? Entweder Demonstrationsrecht oder nicht! Wenn dann gegen herrschendes Gesetz verstoßen oder Gewalt angewendet wird, dann muss die Polizei (Staatsgewalt) einschreiten.

    Hier noch atmosphärische Aufnahmen (wenn auch unprofessionelle):

    Die Aufstellung der Polizei hatte schon eine andere Qualität als vorige Woche: Nachzulesen und zu schauen unter: Nazis auf dem Mehringdamm

    Dann wurde die Demo durch den Veranstalter beendet, es wurde zum ruhigen Heimgehen aufgerufen und es boten sich lockere Bilder:

    Zum Abschluss wurde noch ein vermutlich südamerikanischer Song gespielt, dann ging locker und lautlos die Demo in die Vergangenheit.

    Notwendiges Nachwort: Demo ist nicht gleich Demo. Aber alle Teilnehmer, Befürworter und Gegner sollten Ruhe und Respekt vor dem anderen bewahren. Um das zu gewährleisten ist die geschmähte Staatsgewalt in Form von Polizei dabei! Was wären die Bürger ohne Polizei? Hilflos ausgeliefert. Das war das Wort zum Sonntag.

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  • egot24 14:39 am 16. May 2011 Permalink | Antworten
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    Nazis auf dem Mehringdamm 

    14. Mai 2011

    OIOIOIOIOI, war heute am Mehringdamm was los!

    Samstag und mal schönes Wetter, wie man es sich wünscht, ich stand in meinem Erker und rauchte eine. Da sah ich den einen und anderen und sogar noch die nächsten Einsatzwagen der Polizei vorfahren. Einige versteckten sich hinter dem Finanzamt. Andere hielten auf dem Mehringdamm. Standen so rum. Ich ging kurz runter, um mir was zum Frühstück zu besorgen. Da  hatte sich vor unserem Haus und auf dem gesamten Mehringdamm etwas deutlich verändert. Alles voller Polizei, die Straße abgesperrt. Man hörte laute Rufe.

    Dann ging es richtig los: Lautsprecherdurchsagen, skandierte Sprüche. Und ich war mitten drin und konnte nichts sehen. Ich ging in Richtung der Geräusche, Richtung Finanzamt. Alles gesperrt, auch für Fußgänger und Radfahrer. Die skandierten Sprüche konnte ich nicht genau verstehen. Auf einmal waren wesentlich mehr Leute als vorher auf der Straße, es erschallten Rufe „Nazis raus!“ Ich entschied mich, wieder in meiner Erker zurückzukehren.

    Oben angekommen, machte ich die Fenster auf. Da kam eine Horde Radfahrer an, wild schreiend, hin zur mit Polizeifahrzeugen verbarrikadierten Fläche. Vor unserem Haus Unmengen Leute. Und immer wieder skandierte Sprüche, die ich auf die Entfernung nicht verstand. Ich sah folgendes:

    Genauer hingesehen, sah ich, dass sich, getrennt von einer Gitterabsperrung eine verhältnismäßig kleine Gruppe aufgeschart hatte, mit Berlin Fahnen in der Hand:

    Auf dem vorderen Transparent stand: „Wahrheit macht frei!“

    Neonazis, die so tun als ob sie Berlin vertreten (Fahnen). Gegenüber die anderen, schnell per SMS, Handy, Facebook etc. hinzugerufene Leute verschiedenster Couleur: Linke, auch normale Zuschauer aber auch „Autonome“, die eh auf Krawall aus sind. Hier in Kreuzberg (alles Linke und Grüne) wollen die Rechten demonstrieren? Reine Provokation. Die Polizei hat nun die Aufgabe, diese (von wem auch immer genehmigte) „Veranstaltung“ vor Übergriffen (besonders der Autonomen) zu schützen! Mitten unter den Nazis stand ein Lautsprecherwagen und verbreitete alte deutsche Lieder.

    Man sieht, sie stehen direkt am Eingang eines U-Bahnhofes. Plötzlich – wie auf ein Zeichen hin – rennen sie alle zum dortigen U-Bahnhofeingang und verschwinden darin:

    und kommen direkt wieder aus dem anderen Eingang raus:

    und sammeln sich vorm „Bierexpress“ und Curry 36:

    Damit hatte die Polizei nicht gerechnet und musste nun schnell handeln: DENN SIE MÜSSEN JA DIE RECHTSEXTREME DEMO SCHÜTZEN!!!

    Die Autonomen und alle, die gegen die Rechten waren, sind schnellstmöglich auch zu dem Punkt gelaufen, haben sich auch Reibereien mit der Polizei eingehandelt:

    Schließlich sah es so aus: Die Nazis mussten die Berliner Fahnen herunternehmen. Der Veranstalter sagte die Demo kurzfristig ab. Nur: Die Nazis kamen nicht weg, waren umzingelt von Leuten. Da baute die Polizei eine Gasse zum gegenüberliegenden U-Bahneingang, worin die Nazis sich zurückzogen, nicht ohne mit Tomaten und Plastikflaschen beworfen zu werden.

    Wir erfuhren dann, dass auf der U-Bahnstation die Leute aus einigen Zügen nicht aussteigen durften, die Züge wurden durchgewunken; in einen der nächsten kamen dann die Nazis rein. Keiner durfte in der Zwischenzeit in den Bahnhof oder aus ihm heraus.

    Hier noch ein Foto der Absperrkette:

    Kurze Zeit später war alles wieder Friede, Freude Eierkuchen, wir saßen drüben im Bierexpress, tranken uns einen und zählten die Tomatenflecken auf der Fahrbahn.

    Nachschrift: Von der Polizei erfuhr ich, dass es einige aggressive, gewalttätige Linke gegeben hatte, die wegen Flaschenwerfens und Schlägerei vorübergehend festgenommen wurden.

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  • egot24 11:40 am 27. January 2011 Permalink | Antworten
    Tags: , Kneipe, ,   

    Yorckschlösschen 

    alles ist voll, verrucht, verraucht,

    die Kneipe ist am Bersten

    das, was der Mensch so manchmal braucht

    findet er hier am ersten:

    Tratsch, Weiber, Alkohol und Jazz

    Walküren, Pomeranzen,

    und wird’s ihm heiß unterm Gesäß

    dann schwingt er’s Bein zum Tanzen

    da gibt’s den Arzt, den Philosoph,

    den Stänkerer, den Stieren,

    man streitet übers Apostroph

    und lästert bei den Bieren

    und ist die Nacht verdampft im Schwall

    unzähliger Geschichten,

    wir woll’n nicht geh’n! auf keinen Fall!

    ein letztes Bier noch sichten!

    steht dann das letzte Bier bereit

    und sagt uns: „Auf! Verzichten!“

    da stellen wir die Beine breit

    und sagen: „Nein! Mitnichten!“

    doch! greift uns Flügelpaargefieder

    dann gehn wir heim

    und ganz geheim

    im Zimmer greifen wir zur Feder

    und wie von wolkenem Katheder

    entzünden wir die schönsten Lieder!

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