Biertonne vorm BX


2016-08-27

Berthold Daffke und Donald McDonald
Die Biertonne, an der man stehen muss, seitdem das ganze Haus eingerüstet ist, ist
unbezahlbar.
Dort trifft man Leute, die man nie an schön gestalteten Tischen mit ebenso schön gestalteten
Stühlen treffen würde.
Ich erinnere mich an einen Abend vor langer Zeit, da war das Haus noch nicht eingerüstet,
könnte sein vor drei oder vier Jahren, da stand an der Tonne. Er nannte sich Berthold
Daffke, war ursprünglich Berliner Bauart, versprang sich versehentlich nach Belgien und
Burkina Faso, damals noch Obervolta, und als die afrikanische Hitze seine Fußsohlen zu
verbrennen drohten (der wahre Grund war sein Aufbegehren gegen die Beschneidung der
kleinen Mädchen und die darauf folgende Verfolgung seitens der Mütter, die den Vätern
unbedingten Gehorsam zu schulden glaubten), sprang er einfach über Burundi nach
Barbados. Dort fand er Frieden, da er eine junge Frau namens Elisa traf, die ihm sagte, er
müsse alles nicht immer ernst nehmen. Diese Aussage nahm er ernst und dachte darüber
nach, warum ihn seine Eltern nicht Ernst genannt hätten, sondern Berthold. Er kam zu
keinem Schluss, außer zu dem, dass alles egal ist.
Jetzt begriff er seinen Nachnamen. Nichts ist ernst, alles ist Daffke, also so, wie es ist, ob
sinnvoll oder nicht – eben nur so, wie es ist, aus Eigensinn, nur zum Spaß.
Jetzt klärte er mich auf über die Welt: Gott oder wer auch immer schuf sie zu seinem Spaß.
Entweder es läuft oder nicht. Er fand die Aussage der heutigen Jungend „sinngreifend“,
wenn diese „Wir wollen Spaß!“ rufen. Spaß ist zwar nicht immer witzig, aber besser als jede
verbissene Mentalität.
Von Barbados kam er nach Berlin zurück, traf auf die Spaßgesellschaft, trieb mit ihr sein
Spiel, trank aus fremden Gläsern, setzte fremde Brillen und Hüte auf, trat bei Gottschalk und
Jauch auf, einfach aus Spaß.
Bis er im hohen Alter von 48 Jahren merkte, dass Spaß keine Freude macht.
Zu Hause sammelte er seine eigenen, unsinnigen Aufzeichnungen, sandte sie einem der
größten Verlage zu und bekam den Nobelpreis für sinnlose Literatur.
Donald McDonald
Vor sechs oder sieben Abenden hat mir doch mein Abendfreund Väinö Hattikönen, der
bewusste Finne, die Geschichte der Erfindung Hägars Hängarmatti in aller Breite erzählt.
Jetzt stand der Schotte Logan McAllister neben mir, dem ich diese Geschichte schottisch
kurz erzählte. Logan sagte, er wolle in zwei Tagen Berlin und Umgebung in Gesamtheit
erkunden. Nicht, wie der Holländer im Wohnwagen, sondern mit Mini-Tipi-Zelt (für 39,99 bei
ebay) im Smart verstaut.
Logan erzählte in Steno (für junge Leute: Stenografie war früher mal eine Sparschrift: Heißt,
lange Wörter wurden nachvollziehbar in kurze Zeichen gefasst), also Logan erzählte in
schottischer Kurzform (ich erlaube mir eine verständliche Ausführung):
Er erzählte, dass er in Ausstellungen immer hereinkam, wenn er am Einlass behauptete,
seine Frau sei drin, die gerade Großmutter geworden wäre. In einigen Fällen hätte er,
mangels deutscher Sprache auch gesagt, seine Frau wäre gerade Mutter geworden.
In Gaststätten schlemmte er und meinte nachher, er müsse sich vom Automaten nebenan
Geld besorgen. Innerhalb Berlins lief er immer Taxen (oder Taxis) hinterher, weil er mehr
sparen konnte, als wenn er hinter Bussen herlief.
Ich dachte, ach ja, nicht nur in Schwaben gibt es sparbewusste Menschen.
Und nun kam die Aufklärung über die Hängematte (natürlich mit kurzen, sparsamen Worten):
Never Finland hammock. Scots Hammock.