Berlin kann so schön sein


2016-11-07

Ja, unsere Stadt kann schön sein, auch wenn Horden losgelassener Briten, aus
Londons Umfeld oder Birmingham lauthals dem Alkohol frönen, den Verkehrslärm
locker übertönen und Grund und Boden durch ihr Hüpfen erschüttern, dass die
Mauern in ihren Festen erzittern.
Auch meine Tonne zitterte mit, der gesamte Untergrund, sodass mein Sudoku in
Schieflage geriet, mein Bier fast überschwappte.
Freude schöner Götterfunke. Oder Suffgeilheit.
Ich mag es nicht ermessen.
Wir nahmen den Bus den Ku´damm hinauf, liefen ihn abwärts bei blendendem
Sonnenschein (wirklich blendend, denn die Sonne steht blendend tief. Was machen
Autofahrer bei so niedrigem Sonnenstand, der unter der Sonnenblende
hindurchscheint? Ich hoffe: Bremsen.
Diese tiefstehende Sonne im Rücken gingen wir den besagten Damm zurück, ließen
uns also hinterrücks bescheinen, betrachteten grandiose Mode, unglaublichen
Goldschmuck, hochwertige Schuhe und weitere unsägliche Auslagen in den
Schaufenstern des verheißenden Glückes.
Angesteckt von soviel Konsumwelt, ließen wir uns es nicht nehmen, im sechsten
Stock des KaDeWe, in der High Society Lounge einen Imbiss zu uns zu nehmen.
Neben uns saß eine Dame, der die verschiedensten Gerichte von verschiedenen
Küchenmeistern auf der Etage mit großer Huld angebracht wurden. Stammgast
offenbar. (Heute gendermäßig wohl „Stammgästin“).
Habe vergessen, ob ich diesen Imbiss bar bezahlen konnte oder zu meiner
Scheckkarte greifen musste.
Schön die Sonne, der Ku´damm, der Imbiss. Besonders schön die Unterhaltung mit
der liebsten aller meiner Ehefrauen.
Dann an der Tonne. Ein Bier, ein Tee, eine kleine Unterhaltung mit Jutta.
Auf geht die Tür und eine Horde losgelassener Briten betritt den Vorhof, grölen
unerbittlich, schlagen auf den Tisch, singen sich eins, zwei, drei.
Zeit für nach Hause.