Anreize


2016-06-16

Die Tonne gibt mir Anreize
Stand ich an der Tonne – es war langweilig.
Langweilige Tage haben es in sich – nicht nur, dass sie langweilig sind, sie gehen
einem auf den Geist.
Was macht der Geist? Er schafft sich Anreize.
Vor lauter Langeweile sucht der Geist, sich mit etwas zu beschäftigen. Dazu braucht
man ihn nicht extra aufzurufen. Ganz von alleine wirft er Netze aus, um interessante
Dinge einzufangen. Und sei es, dass er in der eigenen Vergangenheit fischt.
Da findet er die Doktorspiele, die man mit sechs in einem Zelt mit einem potenziellen
Geschlechtspartner absolvierte, jugendliche Sünden, z.B. das Einwerfen von
Fensterscheiben mit Schneebällen, den gemeinschaftlichen Fliederdiebstahl zum
Muttertag, herbstabendliches Umherstöbern mit Taschenlampen im Nebel,
philosophisch geprägte Spaziergänge mit einem Freund, Tod und Teufel in der
Literatur und im tatsächlichen Leben.
Der Geist steht nie still. Er wogt und schwebt wie er will. Bei mir so, bei Dir anders.
Da heraus kann man sich die Entwicklung erklären, die die Menschheit bisher
machte. Ich meine die freundliche, geistige und wissenschaftliche. Mit allen
Errungenschaften in Kultur, Wissenschaft, Medizin etc.
Der andere Teil der Menschheit, die der dumpfbackigen, nicht entwicklungsfähigen
Disposition einiger unserer Mitbewohner, holt ihre Anreize aus unausgegorenen,
unüberlegten Empfindungen, die ihnen ihre eigene Unfähigkeit zu Denken zulässt.
Höchster Anreiz sollte das Denken sein. Eine Eigenschaft, die dem Menschen
vorbehalten ist. Und der er geflissentlich nachkommen sollte.
So gehe ich von der Tonne und weiß nicht, ob sie mir diese Gedanken eingeflüstert
hat. Woher hat sie dieses Wissen?
Mit diesem Anreiz gehe ich jetzt ins Bett.