Altern


19.05.17

Bereits gestern, als ich an der Tonne vorbeieilte, um meiner Frau ein stringent
notwendiges Medikament zu holen, hörte ich den lauten Ruf meines Namens.
Ich winkte zurück und folgte meiner Priorität.
Heute, entspannt und auf weitere Entspannung aus, ging ich spät, sehr spät an die
Tonne.
Noch bevor ich die Tonne erreichen konnte, hörte ich schon laut meinen Namen
rufen. Ich sagte Norbert H, ich käme gleich, wolle mir nur drinnen ein dringendes
Bedürfnis bestellen. Kaum war ich draußen, scholl es, wie ich dazu käme ihn zu
ignorieren, tags zuvor. Was, Du übergehst mich für ein Medikament? Nein, für meine
Frau die dieses dringend benötigte.
Jetzt wurde es lustig. Die Frau von Norbert schaltete sich ein: Das ist doch ein
Argument, Norbert.
Nein, er hätte mich ja begrüßen können, wenn wir schon mal in Berlin sind.
Hätte ich auch, aber die Dringlichkeit ging vor.
Ich bin 66, mitten im Leben, und soll mir von meinem Körper vorschreiben lassen,
was ich kann und was nicht?
Wenn du gewisse Dinge nicht mehr kannst, lasse sie bleiben.
Wenn ich es aber will?
Musst Du es wollen?
Ich weiß doch, was ich früher alles konnte. Warum heute nicht mehr?
Weil du vielleicht alt wirst?
Nein, ich will das alles noch können.
Kannste aber nicht. Akzeptiere das einfach.
Nein, sehe ich nicht ein; sollen doch andere alt werden, warum ich?
Weil du im Leben bist?