Wo ist der Sepp?


Der verschwundene Sepp

Bis heute ein Geheimnis:

Es war im September 1989. Ort: Timmendorfer Strand an der Ostsee. Wetter hervorragend. Stimmung blendend.
Aber alles ist veränderlich.
Am Vortage hatte ich mit dem Auto die Sportler Klaus-Peter Thaler (Rad) und den weit bekannten Sepp Maier vom Flughafen Hamburg abgeholt und ins Hotel gebracht, von wo sie am nächsten Morgen um 08:00 mit der Belegschaft der feiernden Firma einen Dauerlauf zur Eissporthalle anführen sollten, um dann dort auf verschiedenen vorbereiteten Parcours Wettkämpfe durchzuführen.
Am Abend besichtigten wir mit dem Kunden zusammen die Eissporthalle, es wurden die Anregungen der Sportler in den Parcours umgesetzt. Alle waren zufrieden. Die Künstler waren auch bereits angereist, so der Moderator, die Tanzgruppe, die Band und eben auch drei Sportler, zu denen auch Wilbert Olinde, als Basketballer, gehörte. Wir gingen alle gemeinsam zum Abendessen, nur Sepp Maier meinte, er sei zu müde, er wolle schon auf sein Zimmer gehen. Angesichts der hübschen Tänzerinnen glaubten wir ihm die Müdigkeit.
Ich sah ihn zum Aufzug gehen und fort war er.
Wir hatten mit den Künstlern und Sportlern einen interessanten, spannenden Abend, es wurde viel gelacht und gegen 23:00 ging man zu Bett.

Morgens um 07:00 trafen wir uns alle zum Frühstück. Sepp Maier war nicht dabei, wir dachten, er zöge es vor, alleine auf seinem Zimmer zu frühstücken, um sich dann erst den Blicken seines Publikums zu zeigen.
Fünf vor acht klopfte ich an seine Tür. Mehrfach. Nichts.
Leicht nervös fragte ich an der Rezeption, ob man dort etwas wüsste. Nein, sein Schlüssel hing dort nicht, er musste auf seinem Zimmer sein.
Um im Zeitplan zu bleiben, liefen nun Wilbert Olinde und Klaus-Peter Thaler mit der Belegschaft zur Eissporthalle. Der Kunde war leicht vergrätzt.
Um 10:00 sollten die Wettspiele beginnen, bis dahin würde ich den Sepp doch wach kriegen!
Ich bat den Geschäftsführer des Hotels mit mir und dem Hauptschlüssel zum Zimmer von Sepp. Wir klopften abwechselnd, zunehmend erfolglos. War ihm vielleicht etwas passiert?
Dann die Entscheidung: Aufschließen!
Auf dem unbenutzten Bett der offene Koffer, das Handy oben drauf, sonst nichts. Nanu?
Was tun? Der Geschäftsführer zuckte mit den Achseln.

In solchen Momenten schießen einem wilde Ideen durch den Kopf: Ist er in eine Schlägerei verwickelt worden und nun im Krankenhaus? Hat ihn jemand am Abend aus dem Zimmer gelockt und umgebracht? Hatte er keine Lust und war abgereist? Was aber mit dem Koffer?
Er hätte doch wenigstens sein Handy mitgenommen!
Also zuerst die Polizei angerufen. Der war nichts bekannt. Auch die Wasserschutzpolizei schüttelte den Kopf.
Die Krankenhäuser waren auch nicht von Sepp aufgesucht worden.
In der Spielbank war ein Sepp Maier nicht gesehen worden.
Was blieb?
Restaurants und Kneipen.
Nach einstündigem Telefonieren bekam ich den ersten Hinweis und bald wusste ich, mit welcher Rothaarigen in welchen Lokalen er um welche Uhrzeiten gesichtet wurde.
Leider war die Dame unbekannt.

Der Kunde war stinksauer – hätte er den Sepp nicht selbst am Abend vorher gesehen, er hätte geglaubt, wir hätten keinen Sepp Maier engagiert.

Gegen 13:00 (die Vormittagsveranstaltung mit dem Wettkampf war um 12:00 beendet worden) schlich ein übermüdeter Sepp Maier unbemerkt von uns in sein Zimmer, krallte seine Sachen und verschwand (schon wieder).

Auch wenn alle weiteren Akte perfekt abliefen, die Künstler sich donnernden Applaus abholten, der Kunde würdigte uns keines Blickes mehr.
Bis auf Sepp Maier war die Veranstaltung sehr gelungen, der Kunde zahlte (bis auf das Honorar für Sepp) die Rechnung – ließ allerdings danach nie wieder etwas von sich hören.

Wer ebenfalls nichts von sich hören ließ, war Sepp.
Ich ging zunächst davon aus, dass es ihm sehr peinlich war und wollte ihm ein paar Tage Zeit geben.
Nach einer Woche ohne Meldung entschloss ich mich, Sepp einen Brief zu schreiben.
Schließlich hatte ich Verluste durch sein Verhalten erlitten, zum einen die Provision auf sein Honorar, zum anderen den Kunden selbst.

Zwei Tage später rief mich ein aufgelöster Sepp Maier an: Teufel noch eins, die ganzen Tage habe er die Post in Empfang genommen, gerade heute aber hätte seine Frau diesen Brief in die Hände bekommen und geöffnet – sie wusste doch nichts vom Fehlen von Sepp auf der Veranstaltung und hatte sofort geschlossen, dass er bei einer anderen – ach du dicke Scheiße – und sie wolle sich nun endgültig scheiden lassen – – Tja, hätt’ste dich bei mir gemeldet, hätte ich nicht geschrieben!

Ergebnis: Scheidung. Weiteres Ergebnis: Er trat für mich mal ohne Honorar auf!

Mehr vom Autor: Hier klicken

Advertisements